Archiv für März 2012

Donnerstag, 29. März, 23.05 Uhr.

Raul ist einfach zu gut für Schalke, Hannover hat sich gut gehalten. Mehr dazu morgen, mehr zum Hinspiel an sich, zur Ausnahme Bayern, zum Rassismus in Bilbao, zur Gewalt im und um das Stadion, was sie mit der „Pipi“-Partei zu tun haben könnte, zum drohenden Shitstorm deswegen, also insgesamt eine hochverminte Kolumne wider den Trend . . . aber vielleicht verlässt mich morgen der Mut und ich schreibe weniger Konfliktbeladenes. Bis dann!

Ach so, zur letzten Frage in der Mailbox: Abbelwein (so spresche isch es phonetich) gut gelungen, zum Teil schon den Weg allen Apfelweins (wir können  auch hochdeutch) gegangen, zwei Ballons sind allerdings gekippt, wurden daher auch gekippt.

Veröffentlicht von gw am 29. März 2012 .
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Mittwoch, 27. März, 22.45 Uhr.

Heureka! Hab’s gekonnt, sogar ganz alleine. Link zur Mailbox ist eingerichtet, die ersten fünf Mails sind „drin“. Das heißt nicht, dass alle Mails ungefiltert einlaufen, das Recht der Auswahl maße ich mir an. Manche Mailer wollen nicht veröffentlicht werden, manche kommentieren fast täglich, aber meist nur „für zwei“, nicht, um jedesmal veröffentlicht zu werden, manche sprechen den Privatmann im Blogger an, manche stoßen per Zufall auf den Blog und mailen nur mal tralala uwsw. usw. Erfreulich: Echte Idiotien, wie von anderen Blogs berichtet, gab es bisher noch keine. Dafür jede Menge an  interessanter und „anstoßender“ Lektüre. Danke!

Veröffentlicht von gw am 27. März 2012 .
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Dienstag, 27. März, 12 Uhr.

Aus dem Leben eines (Sport-)Redakteurs, Teil 2: Als Gelegenheits-Autor für Bücherseite und Feuilleton vor ein paar Jahren den Roman eines Schriftstellers hymnisch im Blatt gelobt. Aus eigener Sicht: ein Jahrzehntwerk, grandios, sprachmächtig, witzig, einfach umwerfend gut. Das Buch war der letzte Teil einer Trilogie. Danach erst die beiden Vorgänger gelesen. Sehr enttäuscht. Anmerkung im „Klappentext“ der Bücherseite: „Zwei Püpse und ein Paukenschlag.“ Wollte dennoch mit dem Autor in Kontakt treten, um ihn unseren Lesern vorzustellen, denn Teil 3 war einfach zu gut. Ehrlicherweise als Referenz des dem Schriftsteller unbekannten Journalisten die Eloge auf  das Jahrzehntwerk beigelegt, aber auch die „Püpse“. Krachendes Echo eines zutiefst Beleidigten, der seine bitterböse Ablehnungs-Mail nicht mit freundlichen oder sonstigen Grüßen beendete, sondern mit „Pups!“ Der Redakteur blieb trotzdem am Ball, mailte erneut, der Autor mailte zurück, schließlich traf man sich hoch im Norden in der Wohnung des Autors, alles war gut, alles ging gut, und der Journalist schrieb zu Ehren des Autors eine ganze und überaus positive (Bücher-)Seite. Danach ergaben sich noch ein, zwei freundliche Mail-Kontakte. Eine neues Buch kam heraus, eine Kurzgeschichten-Sammlung, ebenfalls großartig und große Literatur. Danach freute sich der Redakteur auf den neuen Roman seines – alleine schon durch den dreimal (!) begeistert und immer wieder kichernd gelesenen Paukenschlag – Lieblingsautors. Ein Debüt als Krimischreiber. Vorab von bekannten und einflussreichen Schriftstellern und Literaturszenemenschen über den grünen Klee gelobt, quasi als Neuerfindung des Genres, als Krimikrimi auf Literaturgenie-Niveau. Hatten den Roman vorab gelesen (wirklich?). Der Redakteur kaufte (als Rezensionsexemplar wollte er sich das Buch nicht schenken lassen), las . . . und konnte es nicht fassen. Täuschte er sich? Er las weiter … und weiter. Und gab auf.  Bemüht originell, stilistisch längst nicht auf des Autors Paukenschlag-Höhe, mühsam trendig (mit youtube&Co.Verwurstungen), krude, kraus und zudem langweilig,  und es beschlich den enttäuschten Nichtmehrleser der Verdacht, der Autor habe sich von seinen literarischen Freunden und Gönnern (er gilt schließlich schon seit Jahren als deren Geheimtipp) wie ein Tanzbär am Nasenring durch die Manege ziehen lassen. Zeig mal, was du kannst! Tanz ganz oben mit, auf der Höhe der Zeit! Was macht der Redakteur nun, der (immer wieder zu betonen: aus seiner womöglich beschränkten Sicht) Lese-Zeuge eines schweren persönlichen Schreibunfalls geworden ist? Schreibt er einen gewaltigen Verriss? Lügt er und lobt das Buch, in alter Verbundenheit und Treue? Er schreibt . . . nichts. Und auch dieser Text hier bleibt ohne Buchtitel, Autor und sonstige Erkennungsmerkmale. Der Redakteur weiß: Das ist erstens Feigheit und zweitens kein Journalismus. Und er hofft, ohne understatement, zu dumm für das Buch gewesen zu sein, oder es zumindest beim ersten Versuch nicht verstanden zu haben, nicht das Knöpfchen gefunden zu haben, so geht’s einem ja manchmal, man liest ein Buch, hört enttäuscht und/oder gelangweilt auf, fängt Monate später noch einmal an und versteht nicht mehr, dass man das tolle Werk damals nicht würdigen konnte.

Das Buch liegt auf dem Nachttisch, dort bleibt es liegen, und irgendwann, hoffentlich, kommt der große Knall, erkennt der zuvor so Ignorante: kein Pups, sondern ein Paukenschlag.

Veröffentlicht von gw am 27. März 2012 .
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Montag, 26. März, 18.30 Uhr.

Aus dem Leben eines Sportredakteurs: Erst stand’s im „Spiegel“, dann in „Bild“, morgen dann in Tageszeitungen wie den unsrigen, denn der Sport-Informationsdienst (sid) hat nachgezogen: Belgiens Radidol Eddy Merckx hat viele seiner Siege offenbar mit einem lebensbedrohlichen Herzfehler errungen. Im „Spiegel“ nachgelesen: Die Meldung basiert auf einem Kurz-Interview mit einem Buch-Autor, der den Fakt von einem italienischen Arzt gehört haben will, der nicht einmal Merckx‘ Arzt war, sondern beim Giro 1968 den Herzfehler (zu dicke Herzwände) entdeckt haben will. Da denkt man natürlich gleich auch an Gerald Asamoah, für den in jedem Spiel ein Defibrillator mitgeführt werden muss, man denkt an die vielen unerklärlichen Herz-Toten und (gerade aktuell) Fast-Toten, man denkt, der Autor mache vor allem PR für sein Buch, man wundert sich, dass „Spiegel“, „Bild“ und „sid“ die obskure Sache ohne größere eigene Recherchen einfach übernehmen, man denkt, als guter Journalist müsste man das alles einmal aufdröseln und zeitaufwendig recherchieren, was denn nun wirklich Sache sei, ein Statement von Merckx wäre dazu unerlässlich – aber das kriegt unsereiner natürlich nicht, so viel Zeit hat unsereiner nicht, die Meldung unter den Tisch fallen lassen kann unsereiner nicht (sonst protestieren die Leser: Warum habt ihr das nicht!?), und was macht unsereiner also? Er reiht sich ein in die Kollegenschar, übernimmt die „dpa“-Meldung, sie wird morgen im Blatt stehen, mit einem kleinen Feigenblatt an journalistischer Ehre: Überschrift mit Fragezeichen, und aus dem „offenbar“ ein „womöglich“ gemacht.

Veröffentlicht von gw am 26. März 2012 .
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Sonntag, 25. März, 6.15 Uhr.

Auf der Uhr erst 5.15. Das Stündchen locker in der Nacht verbuddelt. Einziger Unterschied: Draußen noch dunkel. Drinnen nur Kännchen (Kaffee, gleich). Fängt ja gut an.

Nach dem letzten Sonntag auf der Fahrt von und zur Redaktion in Heuchelheim ein paarmal über eine moderne Skulptur gerätselt: Eleganter Zylinder aus Metall und Glas, übermannshoch, mindestens einen Kopf größer als Nowitzki. Dann machte es klick, und gleichzeitig wurde klar, woher letzten Sonntagmorgen der Blitz kam: stationäre Knöllchenverteilungsanlage. Heute morgen extra mit Tacho knapp über 60 dran vorbeigefahren, um das Ding zu testen: kein Blitz. Womöglich ist der Zylinder noch in der Erprobungsphase, und ich war der erste Probegeblitzte. Da ich mit Tempo 200 vorbeigerauscht bin, und das sonntagmorgens um sechs, suchen sie jetzt noch den Fehler. Knöllchen hab ich jedenfalls noch keines.

Im Radio singt Amy W. (den Nachnamen krieg ich jetzt nicht unfallfrei hin) „Our Day will come“. Schon schnurrt überflüssiges Wissen durch die alten Gehirnwindungen: uraltes Lied von „Ruby and the Romantics“, damals gehört auf AFN Frankfurt, abends um halb elf, schon unter der Bettdecke, die US-Hitparade, ungefähr zu der Zeit, als – Sensation der Sensationen – fünf Beatles-Songs die ersten fünf Plätze belegten. Dieses blöde überflüssige Wissen, das die Aufnahmefähigkeit für neues, nützliches Wissen beschränkt: Ich könnte mindestens zwei Stunden lang die blödsinnigsten Schlagertexte aufsagen. Mal aus dem Stegreif ein Beispiel: Johnny komm Johnny komm und erzähl mir was / Aber bitte bitte was von der Liebe / Johnny dies oder das oder irgendwas aber bitte bitte was von dem Glück / Johnny oh Johnny ho Johnny sei nicht so / Denk einmal an uns zwei /Ich hör von dir so viele Worte / Von Liebe ist nie was dabei / Immer wieder sagst du mir, wie’s beim Fußball war / Warum es da den Elfmeter gab / Das ist doch sonnenklar / Ich weiß es ganz genau, im Strafraum, da, da machte einer Hand / Doch ich finde für uns beide wär noch was andres intressant / Johnny … gesungen von „Suzy“, ohne Nachname, ihr einziger Hit. Wenn ich das Zeug aus dem Kopf bekäme, würde vielleicht endlich der neugriechische Aorist reinpassen.

Wichigste Meldungen der Nacht von dpa: Santorin … nee, wie heißt der? Santorum? … gewinnt haushoch in Louisiana. Der oder Romney, Mormone oder noch mehr Fundi, die Qual der Wahl. Außerdem: „Streit über die Lizenz zum Töten von Tauben.“ So weit sind wir also schon! Bin zum Glück nur schwerhörig.

Stegreif-Gag. Vielleicht steck ich ihn in die Montagsthemen. Dort soll auch „Verantwortung übernommen“ werden, mit Hiroshima. Und Jacko Gill nicht vergessen, das erste bedenkliche Zeichen. Und nicht vergessen, am Schluss die  Leser zu fragen, ob sie auch die Zeit umgestellt haben. Oder doch wieder nur die Uhr, weil’s mit der Zeit selbst für Einstein zu schwierig war.

Nachtrag 10.45 Uhr:

Regenpause in Malaysia. Kein Montagsthema. Die Kolumne ist geschrieben, kommt aber erst nachmittags online, muss zuvor noch die häusliche Kontrolle passieren (weil: vielleicht ein bisschen zu unpassend albern). Danke übrigens für schöne/nette/bemerkenswerte Mails. In den nächsten Tagen wird ein neuer Link (heißt das so, im eigenen Blog?) eingebaut für die Mailbox, da kommt dann gleich eine schöne Auswahl rein, mit voller Bandbreite.

Nachtrag 14.30 Uhr:

Häusliche Kontrolle unbeanstandet passiert, Text steht jetzt online. Sogar „Ohne weitere Worte“-Kolumne schon vorbereitet. Nicht mit reingenommen diese Aussage von Andre Heller im SZ-Magazin über seine Zeit im Internat: „Ich bin in einer unglaublichen Körpertabuisierung aufgewachsen. Unserem Frühstückskakao wurde gelegentlich Brom beigegeben, um unsere Geschlechtslust herabzusenken. Trotzdem haben viele Buben sich ein Vergnügen daraus gemacht, im Winter nachts  auf den glühenden Kanonenofen im Schlafsaal zu onanieren. Das hat gezischt und gestunken.“ Im Blatt hätte das, igittigitt wie eklig, Ärger mit der liebsten Zielgruppe gegeben. Jetzt noch ein paar Routinearbeiten, dann als Lebensabschnitts-BVB-Fan volle Konzentration auf das Spiel in Köln. Wer Meister werden will, muss bei diesem kriselnden und selbst ohne Krise ziemlich schwachen Gegner gewinnen. Wenn nur dieser Poldi nicht wäre . . .

Ach ja: Brom? Bei uns, auf Klassen- und Jugendsportreisen, hieß das Hängolin. Und Kanonenöfen gab’s erst gar nicht.

Veröffentlicht von gw am 25. März 2012 .
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