Archiv für März 2012

Walther Roeber zum “Sport-Stammtisch”

Die deutsche Mannschaft wird sich nach dem KZ-Besuch so beknirschen (oder moralisch am Boden zerstört sein), dass sie kein Bein mehr auf den Boden bekommt…
AUSSER es werden nur noch Spieler mit Migrationshintergrund eingesetzt, die nicht ständig “mea culpa, mea culpa, mea maxima culpa” rufen müssen. Jetzt müsste man mal die Mannschaft neu zusammenstellen  oder neudeutsch “neu definieren”.
Zu dem Thema war übrigens in einem der letzten “SPIEGEL” ein sehr schöner Artikel von Henryk M. Broder. DER darf so etwas schreiben, so wie Mel Brooks auch Filme drehen darf, ohne dass ihm gewisse “Gutmenschen” gleich den Kopf abreißen.

Wie Bilbao das durchhält mit der ethnischen Minderheitenregelung ist mir auch nicht ganz klar, aber es hat offenbar auch noch nie ein Spieler darauf geklagt, bei dem Verein angestellt zu werden. Der Trainer (und wahrscheinlich auch sonstige Betreuer) sind offenbar ausgenommen. Ariernachweis ist fast harmlos. Man stelle sich vor, Frankfurt würde nur Spieler verpflichten, die hessisch-”frangforderrischen” Akzent beherrschen oder aus einem Umkreis von 42,195 km um Frankfurt kommen. (Walther Roeber, Bad Nauheim)

Ja, Trainer sind in Bilbao ausgenommen,  auch Jupp Heynckes war mal dort angestellt.

Veröffentlicht von gw am 31. März 2012 .
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Alex Kniss zum “Sport-Stammtisch” und zum “Sport-Leben”

Ein kleines bisschen Kritik am Samstag. Ich hatte einem "Internet-Bekannten" ;-) die Lektüre Ihres autobiographischen Textes "Ein Sport-Leben" empfohlen. 
Vom Inhalt war er begeistert, nicht aber von der Form. Seine durchaus berechtigte Kritik bezieht sich darauf, 
dass die einzelnen Folgen in umgekehrter Reihenfolge abgelegt sind, man beim Lesen also unten anfangen und sich nach oben vorarbeiten muss. 
Vielleicht lässt sich dieses ja ändern.

Ihre Äusserungen zur Piratenpartei scheinen mir persönlich weniger "Shitstorm" gefähhrdet, als der Absatz über den Auschwitz-Besuch der DFB-Elf, 
wobei ich Ihnen auch dort nur zustimmen kann. 

Zum Schluss noch eine Frage: Sie erwähnten vor einiger Zeit einmal, in Zukunft "twittern" zu wollen, habe ich das verpasst, oder keine Zeit gefunden?

Falls Sie irgendwann mal dazu kommen, lassen Sie es uns Fangemeinde ;-) wissen. (Alex Kniss, Niddatal-Assenheim)
Die umgekehrte Reihenfolge beim "Sport-Leben" war mir gar nicht bewusst. Muss ich mir mal genauer anschauen, vielleicht kann ich's selbst ändern, vielleicht brauche ich aber professionelle Hilfe.
Ich und twittern? Ach ja, hab ich wohl mal in den Raum gestellt, als ich Facebook getestet habe. Aber weder bin ich dort noch aktiv, noch werde ich twittern.

Veröffentlicht von gw am 31. März 2012 .
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Dr. Hans-Ulrich Hauschild zum Freiheitsbegriff

Ich kann es nicht lassen, obwohl ich offenkundig wenig zum Zeitgeist und zum Mainstream beizutragen habe. Sie aber auch nicht, und das eint uns – über manche Differenzen (Gutmensch, Moralkeule und mehr) hinaus. Ein Beweis dafür, dass man offenkundig aus verschiedenen Richtungen kommend bei hinreichend gutem Willen und Verstand im richtigen Zentrum gemeinsam ankommt.

Zur Freiheit. Es gibt ohne hinreichende Bindung keine Freiheit, weil, wie Sie richtig schreiben, die schrankenlose Freiheit ohne Anerkennung der Rechte anderer zur Willkür wird. Freiheit definiert sich also, will sie nicht brutaler Subjektivismus und selektierende Lebensbejahung (Nietzsche) sein, als Ausübung persönlicher Rechte und Vorstellungen unter Bedingungen. Diese Bedingung ist die Anerkennung eines Sittengesetzes, ethischer Wertmaßstäbe, die über das jeweilige Weltbild hinausgehen. Anerkennt man diese Wertmaßstäbe nicht, so gibt es das bürgerliche Recht, dem man zwangsweise unterworfen ist, das aber eben sich als am Zeitgeist orientiert zeigt. Hier haben Sie die Differenz zwischen Moral und Recht.

Genau diese nicht am Utilitarismus, an Zeitumstände, sich wandelnden Maßstäben orientierte Bindung an ein abstraktes Sittengesetz (oder an eine hoch ethische Religion) ist uns abhanden gekommen; das ist das, was ich die Schwundstufe des Liberalismus nenne. Ist es die Klage eines alten Mannes wenn ich sage, dass all das, was Sie da beschreiben, einschließlich des Erfolgs der Piraten – Partei, sich eben diesem Ausleben nur noch ganz persönlicher Freiheiten verdankt, die unprogrammatisch, egoistisch und nur sich selbst verpflichtet am Anderen, am öffentlichen Wohl, vorbeigehen, ein Wohl, das der Mehrheit der Selbstsucher vollständig gleichgültig ist? Man preist das als Selbstverwirklichung, eben als Freiheit.

Zu all dem gehören Verstöße gegen ethische Prinzipien in unserer kapitalistischen Wertegemeinschaft ebenso wie Alltagsgleichgültigkeiten im Straßenverkehr, in der Nachbarschaft, bei den Fußballanhängern, in der Politik. Der Nächst zählt nicht, nur das Ego.

Noch einmal zu Hans Jonas – siehe mein letzte oder vorletzte Mail: dieser verantwortungslose Naturbursche Mensch – er hat wenig gelernt in den letzten 2000 Jahren – muss im Interesse aller in seiner Freiheit eingeschränkt werden. Ist das Sozialismus? Nein, dies ist recht eigentlich das, was Gauck meinen sollte, es aber wohl nicht tut, wenn er „Freiheit in Verantwortung“ sagt. Der Mensch kann sich den Menschen nicht mehr leisten. Sie sehen dies sehr schön an den Vorfällen in Emden, wo ein aufgebrachter Mob im Stile des Mittelalters einen soeben medienwirksam abgeführten jungen Menschen fertig gemacht hat. Erfolg moderner Technik, die eben dieser vollständig unaufgeklärte Mensch moralisch nicht beherrscht. (Dr. Hans-Ulrich Hauschild, Gießen)

Veröffentlicht von gw am 31. März 2012 .
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Sport-Stammtisch (vom 31. März)

Unser Thema heute: Freiheit, die ich meine. Beginnen wir mit der kleinen Freiheit, harmlose Fragen zu stellen. 1. Sechs Tore von Spaniern, und sogar keiner von ihnen spielt für Real oder Barca – was sagt uns das für die EM? 2. Hannover schlug sich tapfer, hätte aber unaufholbar höher verlieren können. Wo bleibt die deutsche Europa-League-Dominanz?
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Zwei harmlose Fragen, die sich demnächst von selbst beantworten werden. Außerdem haben wir ja den FC Bayern und die Champions League. Und Schweinsteiger im Halbfinale gegen Real. Natüüürlich hat er die Gelbe Karte nicht provoziert! Der Spieler dementiert es mit ernsthaftester Miene, der Trainer mit altväterlicher Empörung. Nur – warum konnte sich Schweinsteiger auf dem Platz das Grinsen nicht verkneifen?
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Es folgen weniger harmlose Fragen. Wer sie stellt, geht einen schweren Weg über vermintes Gelände und hat Glück, wenn er nur in Fettnäpfchen tritt. Auf geht’s: Momentan diskutiert man in staatstragenden Gremien nicht ob, sondern wie die deutsche Fußballnationalmannschaft Auschwitz besuchen wird. Rückblick: Ältere Leser erinnern sich vielleicht an die US-Fernsehserie »Holocaust« (die übrigens diesen Begriff erst allgemein bekannt gemacht hat). In einem »Anstoß« über »Die Mauer zwischen Sport und Geist« schrieb ich im Februar 1979: »Es dürfte kaum einen Leistungssportler geben, der ›Holocaust‹ gesehen, sich damit auseinandergesetzt, einen Gefühlssturm erlebt hat und sich dennoch unbeeindruckt, ohne Einbußen an Trainings- und Wettkampfkonzentration weiterhin seinem Sport gewidmet hätte.« Und jetzt die Frage: Sollten die deutschen Nationalspieler wirklich während der EM das Vernichtungslager besuchen?
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Am Donnerstag mühte sich die »Nachdruck«-Kolumne mit der Rassismus-Frage ab. Am Abend des selben Tages gewann Bilbao auf Schalke. Für den Klub aus dem Baskenland darf nur spielen, wer Baske ist oder baskische Vorfahren hat. Das bringt Bilbao viel Respekt ein. Warum eigentlich? Wenn ich als Deutscher (oder Türke, oder Afrikaner) in Bilbao aufwachse, darf ich nicht für den Fußballklub meiner Stadt spielen, weil in meinen Adern kein baskisches Blut fließt – ist das nicht Rassismus in Reinkultur? Und noch kein Antirassismusbeauftragter hat dagegen protestiert.
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Womöglich noch heikler wird es, wenn man den »Erfolg« der Eintracht-Fans in Berlin in Zusammenhang mit dem Erfolg einer neuen Partei dort und im Saarland sieht. Die Fans nehmen sich die Freiheit, das Stadionverbot auszutricksen, überhaupt wollen sie ihre Freiheit nicht einschränken lassen, auch nicht die Freiheit, gegnerischen Fans gegebenenfalls aufs Maul zu hauen oder ihnen hochgefährliche Böller in den Block zu schmeißen. Die anderen, die sich nicht im und am Stadion, sondern am Computer austoben, verlangen dort ihre totale Freiheit inklusive Recht auf Diebstahl.
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Trete ich mit einem Fuß in den Fettnapf, mit dem anderen in die … einen »shitstorm« los? Liebe Empörte, denkt bitte daran: Zu eurer Freiheit gehört auch meine des Andersdenkens. Außerdem hab ich gar nichts gegen die PP (außer, dass sie mir auch noch mein bescheidenes geistiges Eigentum klauen will). Selbst gegen den Vorwurf, dass sie kein politisches Programm habe, verteidige ich sie: Haben denn andere Parteien so etwas? Oder nur eine Software, die täglich updated, welche Aussagen zu welchen Themen die meisten Stimmen versprechen? Nur folgerichtig, dass die Altparteien hektisch versuchen, die Stimmen-Software der Piraten raubzukopieren.
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Friedensangebot auch an die Fans: Bei gewalttätig randalierenden Fußball-Ultras halte ich zwar schnelle und harte Strafen plus knackigen Schadenersatz für entscheidend wichtig, aber nach Jahren des mildherzigen »Du, du!« plötzlich einen Böllerwerfer zu fünf Jahren (also ohne Bewährung) zu verknacken, das stößt zwar auf deutschlandweite mediale Zustimmung, ist aber eine Zumutung, wenn sogar Vergewaltiger und Totschläger glimpflicher davonkommen.
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Freiheit, die ich meine … Dazu das Lebensmotto von Uli Hoeneß: »Nicht nach oben buckeln und nach unten treten, sondern umgekehrt.« Ich nehme mir die Freiheit, Hoeneß’ Motto abgewandelt zu übernehmen, aber ohne den »Umgekehrt«-Zusatz: Buckeln nach nirgendwo, treten nur den, der tritt. (gw)

Veröffentlicht von gw am 30. März 2012 .
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Donnerstag, 29. März, 23.05 Uhr.

Raul ist einfach zu gut für Schalke, Hannover hat sich gut gehalten. Mehr dazu morgen, mehr zum Hinspiel an sich, zur Ausnahme Bayern, zum Rassismus in Bilbao, zur Gewalt im und um das Stadion, was sie mit der “Pipi”-Partei zu tun haben könnte, zum drohenden Shitstorm deswegen, also insgesamt eine hochverminte Kolumne wider den Trend . . . aber vielleicht verlässt mich morgen der Mut und ich schreibe weniger Konfliktbeladenes. Bis dann!

Ach so, zur letzten Frage in der Mailbox: Abbelwein (so spresche isch es phonetich) gut gelungen, zum Teil schon den Weg allen Apfelweins (wir können  auch hochdeutch) gegangen, zwei Ballons sind allerdings gekippt, wurden daher auch gekippt.

Veröffentlicht von gw am 29. März 2012 .
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Baumhausbeichte - Novelle