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Sonntag, 26. Februar, 6.30 Uhr.

Von Bob Marley in die Redaktion begleitet. Nicht der “Eichhörnchensheriff” (I shot the sheriff), aber wie heißt das Lied? “Could you beloved”?  Bei Marley immer auch der Gedanke an Dr.Issels, an Knochenmehl und letzte Mittel in Grenzbereichen. Als Marleys Melanom im Endstadium war, vertraute sich der Star aus der Musikszene einem obskuren Star der buntesten deutschen Frauenblätter an. Eine bizarre Verbindung. In Gefahr und höchster Not bringt der Mittelweg den Tod. Der andere Weg aber auch. Knochenmehl: Altgediente Leser erinnern sich. Für alle anderen greife ich mal kurz ins Archiv:

Vor Olympia 1976 wurde dem Bundesausschuss Leistungssport (BAL) eine Methode angeboten, mit der man Schwimmern eine bessere Wasserlage verschaffen konnte. Und zwar . . . indem man ihnen Luft in den Darm pumpte. Nie geklärt wurde, warum man die Methode nicht (wirklich nicht?) anwandte. Vielleicht ist aber auch nur das logistische Detonations-Problem der Luftentweichung beim Startsprung nicht zufriedenstellend gelöst worden.  Damals war’s auch, dass mir ein umtriebiger Erfinder ein Knochenmehlpulver (»man kann auch Menschenknochen nehmen«) anbot. Wer täglich ein paar Esslöffel zu sich nehme, spüre einen Doppel-Dopingeffekt, denn das Knochenmehlkonzentrat wirke leistungsfördernder als Anabolika und Amphetamine zusammen. Ein kleiner Nachteil sei allerdings die stark verstopfende Nebenwirkung, aber das nehme ein leistungswilliger Spitzensportler wohl auf sich. Dass damit auch das Detonations-Problem gelöst werden könnte, verriet ich dem BAL nicht. Sonst führten heute noch Luftpumpe und Knochenmehl im Doping-Duo-Ranking vor Epo und Testosteron.  Als ich seinerzeit den Artikel über den Knochenmehlerfinder geschrieben hatte, rief eine ältere Dame an. Sie habe gelesen, dass dieses Konzentrat laut Erfinder nicht nur bei Spitzensportlern, sondern auch bei Bandscheibengeschädigten Wunder wirke. Sie bitte herzlichst um die Adresse des Erfinders. – Letzte Mittel in Grenzbereichen. Wem der Arzt nicht helfen kann, der versucht sein Glück beim Wunderheiler. Wer schneller schwimmen will, lässt sich den Darm aufblasen. Ich fragte die Dame noch, was sie von der Luft-im-Darm-Geschichte halte. »Pfui Teufel«, empörte sie sich, »wie ekelhaft, da hört der Sport doch wirklich auf!« Notwendige Ergänzung: Eine wahre Geschichte, für die ich mich verbürge.

 

So, zurück aus der Vergangenheit: “Wenn’s nach mir ginge, würde Gauck nicht Bundespräsident.” Der Satz, der den “Sport-Stammtisch” vom Samstag einleitete, war keine politische Meinungsäußerung, sondern ein selbstironisches Stilmittel, was sich, nach dem scheinbar plumpen Einstieg in die Kolumne schnell herausstellen sollte. Aber welche Meinung habe ich wirklich zu Gauck? Jedenfalls keine, die mir besonders wichtig wäre.  Ein Bundespräsident ist Frühstücksdirektor der Bundesrepublik Deutschland. Ach was!? Bezeichnend, lustig, traurig usw. finde ich nur das Drumherum. Bei Wulff das Aufsteigersyndrom, jetzt auch, wie der Stern seine Frau realsatirisch hochjubelt, es aber todernst meint (ein besonders apartes Zitat folgt in “Ohne weitere Worte”). Bei Gauck, dass SPD und Grüne einen Kandidaten anpreisen,  der von ihnen politisch weit entfernt steht, und dass Merkel ihn zähneknirschend akzeptieren muss, obwohl er ihr politisch sehr nahe steht. Alles Resultat des tagesparteipolitischen Scheuklappenkampfes.

Mein Schliwwer im Finger beschäftigt mich mehr. Sehr spät im Leben erst realisiert, dass Schliwwer kein richtiges deutsches Wort ist, sondern eine Verballhornung von “Splitter”. Meiner eitert jetzt langsam raus.

Morgen im Fernsehen: Verfilmung des ersten Krimis von “unserem” Matthias Altenburg/Jan Seghers. Da befangen und solidarisch zugleich, nie etwas zur “Braut im Schnee” geschrieben.

Schon gleich sieben. Eine halbe Stunde am Blog geschrieben. Folgt die übliche Sonntags-Routine, zackzack, um dann ein Privileg des Berufs genießen zu können: Drei Spiele live am Stück, eins interessanter als das andere. Erst die Eintracht (psst, nicht verraten: nur die zweite Halbzeit, das reicht), dann die Bayern (Probe aufs Exempel der Selbstironie vom Samstag), zum Schluss ein Genuss-Spiel (hoffentlich) mit dem Lieblingsduo Kagawa/Lewandowski und deren tollen Team gegen die Stadt, die wenigstens einen Fußballverein hat,  auf den sie in diesen Tagen zu Recht stolz sein kann.

Baumhausbeichte - Novelle