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Mittwoch, 22. Februar, 23.20 Uhr.

Sachen gibt’s. Zwei ehemalige Frankfurter Fußballer,  die am Main nicht gerade Wellen geschlagen haben. Ein ehemaliger Dortmunder, der dort Tore schoss,  aber nicht unbedingt eine Granate war. Ein ehemaliger Stuttgarter, der dort ein, nun ja, Stuttgarter war. Das ist schon fast die halbe Baseler Mannschaft. Dazu noch ein paar Noch-Nobodies, ein Breit-wie-hoch-Talent, das den Bayern zehn Millionen wert ist (neun Millionen davon ist er noch “schwach”), und zwei Einwechselspieler, die Lust darauf haben, ein Tor zu schießen – das reicht schon, um den individuell hochhaushoch überlegenen FC Bayern zu schlagen und in eine tiefe Krise zu stürzen? Ja. Weil bei Basel ein Mann im Tor stand, der zwei Bälle sensationell hielt, bei denen, hätte Neuer sie gehalten, die Nation ins Bester-Torhüter-aller-Zeiten-Weltklasse-Reflex-Delirium gefallen wäre? Auch. Weil die Partie nicht nur Basel gegen Bayern hieß, sondern auch Vogel gegen Heynckes, durchdachtes, erkennbares System gegen Na-ja-spielt-Fußball? Fußball als moderner Leistungssport gegen Retro-Nostalgie-Kicksport? Ja. Und in jedem Fall, für alle klar erkennbar: Hier spielte eine Mannschaft von Einzelkönnern höchster Klasse planlos gegen eine Mannschaft von Mannschaftsspielern durchschnittlicher Klasse, die einen Plan hatte. Dennoch, im Rückspiel ist noch alles möglich, denn das geballte Potenzial der Bayern ist einfach zu gut, um gegen nur gute Baseler auszuscheiden. Ach ja, auch das noch: Der erneute Coup, diesem Trainer ist er von Herzen zu gönnen, der physiognomisch und vom Verhalten her ein herrliches Gegenmodell ist für das, was heute angesagt ist. Kein Smartie, auch kein seltsamer, sondern ein seltener, ein toller Vogel.

Baumhausbeichte - Novelle