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Sonntag, 19. Februar, 6.30 Uhr.

An jedem Sonntag  das gleiche Problem. Oder ist es dasselbe? Und wird dasselbe in einem oder zwei Wörtern geschrieben? Wenn sich das Hirn die Schlaftrunkenheit aus den Windungen reibt, weiß es das wieder. Hoffentlich. Das Problem ist ein moralisches, und das Sandmännchen im Hirnwindungsgetriebe ist Schuld daran, wenn es an dieser Stelle schon einmal auf den Sonntagsmorgentisch gekommen sein sollte: Die Ampel an der großen Kreuzung vor der Stadt steht auf “Rot”. Kein Mensch, kein Auto weit und breit. Keine Kinder, denen man kein schlechtes Vorbild sein möchte. Fuß auf die Bremse, nein, wieder Gas geben, da ”Grün”. Warum wäre ich stehengeblieben? Als Recht und Ordnung  achtender Pedant? Nein, nur weil zu einem verschwindend geringen Prozentsatz die Gefahr droht, auch um diese Zeit geblitzt zu werden. Wenn die Gefahr bei Null stünde, wäre die Ampelfarbe egal. Strafe tut Not. Oder not? Probleme über Probleme.

Das nächste ist ebenfalls ein regelmäßig sonntägliches, kein moralisches, sondern logistisches, tritt aber zum Glück nur einmal im Jahr auf: Wie vermeide ich auf dem Weg in die Mittagspause und zurück die enthemmte Narrenzugsschar? Es beginnt gegen eins im eigenen kleinen Ortsteil, wenn vier,  fünf  Wagen nebst mitmarschierender Helau-Begleitung zum Aufwärmen durch die Dorfstraßen ziehen, um dann hinunter zum Festzug der Großgemeinde zu fahren. Beide Züge und närrische Einwohner zu vermeiden, die unerbittlich Helau-Grüße einfordern, ist fast unmöglich und nur in einem klitzekleinen Zeitfenster und auf verbotenen Feldwegen machbar. In der Stadt grölt … gröhlt? … nein grölt alles vom gemeinen Proll bis zum anständigen Bürger dem Zug entgegen, den zu vermeiden aber schaffbar ist, wenn die Mittagspause verkürzt wird. Verkürzte Mittagspause bedeutet aber erhöhte Gefahr in Dorf und Großgemeinde. Da beißt sich der Faschingsmuffel in den Narrenzugschwanz. Sein einziges karnevalistisches Vergnügen: Nach der Arbeit mal reinzappen, wenn bei Radio Berlin-Brandenburg der Bär steppt. Aber Vorsicht! Das nackte Grauen hält selbst der vergnügungssüchtigste Masochist nur ein oder zwei Minuten aus. Helau!

So, ran an die Arbeit. Was sagt die Mailbox? Heute nacht nur zwei wichtige Mails eingetroffen. “Möchten Sie gerne groß gewinnen?” und “Potenzprobleme?”

Beide Mails könnte man auch in einer zusammenfassen: Sind Sie ein Gernegroß?  

Narrhallamarsch!

Baumhausbeichte - Novelle