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Montagsthemen (vom 20. Februar)

Aus aktuellem Anlass muss diese Kolumne verzichten auf: Retro-Trend in der Bundesliga: Rehhagel toppt Heynckes / Basels Trainer Heiko Vogel als neuer Kolumnen-Liebling im (gw-Selbst-)Gespräch / Felix Magath schreibt bei uns die Grund-Idee der Video-Hilfe ab, dennoch bzw. daher: Bravo! / Khedira und sein nacktes Model: Er im Smoking, seine Hand auf ihrer Brust, Machismo in Reinkultur: Alice, kachel ihn ab, Mann! / Armstrong: Doping ist nur ein Wort, Sensations-Einstand als Triathlet, Mitfavorit auf den Ironman: So macht man’s, Ulle! / Ewald Lienen, einst radikallinker »Schweinemarkt«-Kritiker der Bundesliga, will jetzt nur noch die Kölner Spieler »wegschießen« und und und … aber jetzt zum Thema, das alle anderen wegschießt: DSDS. Deutschland sucht den Superpräsidenten. »Die Suchmaschine läuft« (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung). Warum bloß? Der ideale Kandidat steht längst bereit. Ich. Warum? Die Antwort gab ich bereits gestern, im Interview der Bild am Sonntag. Es folgen die wichtigsten Auszüge, »mit freundlicher Genehmigung der Beko-Bundesliga« . . . Quatsch, das steht ja nur beim Sport-Informationsdienst unter den Basketball-Ergebnissen, aber auch das gehört zu den Montagsthemen, die dem Bewerbungs-Interview zum Opfer fallen, das nun endlich beginnt:
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Warum wollen Sie Bundespräsident werden? – »Ich bin gesund, fit und habe Lust.«
Ist das alles? – »Die Leute setzen große Hoffnungen in mich, und die möchte ich nicht enttäuschen.«
Wie hat Ihr Umfeld auf diese Sensation reagiert? – »Alle freuen sich.«
Gedankenspiel: Sie werden bereits heute gewählt. Was geschieht? – »Ab Montag bin ich das Gesetz, und alle hören auf mein Kommando.«
Können Sie Ihr Programm präzisieren? – »Ich habe immer das letzte Wort, bin ab jetzt Tag und Nacht für Deutschland da und zwar immer pünktlich. Ich bin ein Vorreiter und erwarte Ordnung und Disziplin.«
Viele Namen sind im Gespräch oder haben sich ins Gespräch gebracht. Ihrer nicht. Hatten Sie kein Angebot? – »Doch. Aber ich bin wohl der Einzige in diesem Geschäft, der den Mund halten kann. Ich kann mir selbst aussuchen, wo ich arbeiten möchte.«
Jetzt also als Bundespräsident. Eine Herzensangelegenheit? – »Das ist übertrieben. Aber wenn Deutschland Hilfe braucht, dann sage ich nicht Nein.«
Haben Sie als mittelhessische Kolumnisten-Legende keine Angst, Ihr gutes Image zu verlieren? – »Was ich alles gewonnen habe, kann mir sowieso keiner mehr wegnehmen.«
Was erwarten Sie von Ihrem Volk? – »Wie schon gesagt, Disziplin ist die wichtigste Regel. Wer sich nicht an die Regeln hält, der soll mir das lieber gleich sagen. Meine Leute müssen alles für den Erfolg tun, müssten eigentlich jeden Tag in die Kirche gehen und beten, dass sie so einen Traumjob haben.«
Zum Schluss, bitte kurz und knapp, Ihre Selbstbeschreibung. – »Ich bin ein demokratischer Diktator.« – Unsere Stimme haben Sie!
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Halt! Stopp!! Skandal!!! Die BamS hat mein Interview rausgeschmissen und Otto Rehhagel die gleichen Fragen gestellt. Der hat, Guttenberg lässt grüßen, meine Antworten übernommen und nur mein Deutschland auf seine Berliner Hertha verengt. Meinen Protest hat die BamS abgeschmettert. Eine weitere Unverschämtheit: Die süffisant-empörte Frage, wie sie es denn mit der Meinungsfreiheit halten, beantworteten sie nicht selbst, sondern mit einem Rehhagel-Zitat: »Jeder kann sagen, was ich will.« – Ich muss denen wohl mal den Marsch blasen. Den: Narrhallamarsch! (gw)

Baumhausbeichte - Novelle