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Sport-Stammtisch (vom 18. Februar)

Die Düsseldorfer Prunksitzung gab’s erst am Mittwoch in der ARD. Vorher inszenierte die Frankfurter Eintracht eine Düsseldorfer Stunksitzung in zwei Etappen. Was hat die Eintracht-Bosse von Veh an aufwärts nur geritten, als sie vor dem Spiel aggressiven und nach dem Spiel beleidigten Stunk machten? Das nutzte und nutzt nur dem Gegner, dessen lokaler Held Rösler dank unfreundlicher Frankfurter Unterstützung nun bundesweiten Kultstatus bekommt – als echtester aller Fußball-Kerle und Gegner-Provozierer löst er einen gewissen Maik Franz ab, jenen »Ironmaik«, den die Eintracht vor nicht allzu langer Zeit genauso heftig verteidigte, wie sie Rösler nun angreift.
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Auch das Spiel in Düsseldorf bewies einmal mehr, dass mit dem Potenzial dieser der Fortuna zumindest eine halbe Klasse überlegenen Mannschaft der Aufstieg eigentlich nur mit groben Patzern auf und außerhalb des Platzes zu vermeiden ist. Gleiches galt in der vorigen Saison allerdings auch für den Klassenerhalt.
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Aber wir wollen zuversichtliche hessische Lokalpatrioten bleiben und hoffen, dass der schlingernde Bruchhagen wieder auf Kurs kommt, dass der störempfindliche Trainer unwesentliche Nebengeräusche überhört und sich aufs Wesentliche konzentriert, dass die Spieler mit ihrem Können auftrumpfen, nicht brav und zaghaft, sondern mit breiter und ein bisschen mehr röslerischer Brust (aber wirklich nur ein bisschen), dass dann auch das nervöse Grummeln im Umfeld endet und alle sich freuen können auf eine Erstligasaison, in der Fußball-Deutschland echt hessische Gewächse (Jung! Rode! Kittel!) bestaunen kann.
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Aber von welchen Gewächsen haben die Leverkusener nur genascht? Lassen sich mit seligem Lächeln vorführen und freuen sich wie bekifft, wenn sie Messis Trikot ergattern. Kein Wunder, dass Rudi Völler, der früher vor niemandem auf dem Platz Angst hatte und notfalls kratzte, biss, provozierte und traf, nach dem Spiel vor Ärger fast platzte wie einst bei »Waldi«. Schon mehrmals haben deutsche Klubs vor Barca in demütiger Schockstarre verharrt wie heutzutage kein kleiner Junge mehr vor seinem Star. Wie gut, dass es die Bayern gibt! Die haben ein »n« mehr als Bayer, aber mehr als doppelt so viel M(umm).
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Was kostet »das wohl teuerste Fernsehinterview der Welt« (Handelsblatt)? Stolze 800 Millionen Euro, die den Kirch-Erben zugesprochen werden, weil ein ehemaliger Deutsche-Bank-Chef in einem Interview die wirtschaftliche Überlebensfähigkeit der Kirch-Gruppe angezweifelt hatte, was Kirch angeblich erst in den Ruin getrieben habe. Da atme ich erleichtert auf, dass nicht ich, sondern die Deutsche Bank löhnen muss. Die kann sich’s eher leisten. Ich hab’s mir dagegen eher geleistet, die wirtschaftliche Überlebensfähigkeit der Kirch-Gruppe anzuzweifeln. Als Kirch in den späten Neunziger Jahren Fußball-Rechte für Fantastillionen von Mark kaufte, war ich »gespannt auf die verzweifelten Bemühungen zur Quadratur des Kreises: der Refinanzierung nicht refinanzierbarer Investitionen« (»Anstoß«/18. 2. 97). Der Kreis würde sich sogar schließen, wenn jetzt, wie schon gemunkelt wird, die Kirch-Erben das schöne viele Schmerzensgeld dazu nutzen könnten, um das höchste Gebot für die Senderechte der Fußball-Bundesliga abzugeben.
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Heute alles Fußball oder was? Selbst zum zwanzigsten Jahresjubiläum des Krabbe-Desasters (für Krabbe und ihre Doping-Jäger) fällt mir nur… Christoph Daum ein. Als Stuttgarter Trainer wunderte er sich treuherzig-ehrlich, seine deutschen Meister-Kicker hätten doch ebenfalls Clenbuterol genommen. Daums peinlicher Blackout wurde klammheimlich unter den Teppich gefegt. Der Fußball wollte keinen Skandal und war stark genug, ihn nicht zu bekommen.
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Doch nicht alles nur Fußball: Der Gesuchte unseres laufenden »Wer bin ich?«-Rätsels spielte zwar Football, war aber kein Fußballer. Als er Olympiasieger wurde, traten zwei später sehr bekannte und auch umstrittene Sportführer gegen ihn an und platzierten sich immerhin auf Endkampfplätzen (nach heutigen Maßstäben). Wen suchen wir? Wer es nach der ersten Drei-Punkte-Runde noch nicht wusste, hat bis Mittwoch die Chance, wenigstens zwei Punkte zu sammeln. The Games must go on! (gw)

Baumhausbeichte - Novelle