Beitrag ausdrucken Beitrag ausdrucken

Anstoß vom 16. Februar (E-Mail für mich)

Immer wieder staunt und freut sich der Schreiber, wie fundiert, informativ und tiefgründig Leser auf die »Anstoß«-Kolumnen im Blatt und den Begleit-Blog im Internet reagieren. Im Blog sind einige bemerkenswerte und zum Teil ausführliche Stellungnahmen in voller Länge nachzulesen, wobei die ganze Bandbreite des Blog-Titels abgedeckt wird: »Sport, Gott & die Welt«. Es lohnt sich, dort mal reinzuklicken und zu lesen, was zum Beispiel Dr. Hans-Ulrich Hauschild (Gießen) über Religion und Humor schreibt (zuletzt ein Montagsthema), welche Gemeinsamkeiten Rüdiger Schulz (Ex-Eintrachtblogger »Kid Klappergass«) entdeckt oder wie Dr. Sylvia Börgens aus Wölfersheim die Herkunft des »Türkens« (ebenfalls ein Montagsthema) erklärt. Sie schlägt auch den Bogen zum Sport: »Wollte Sie auf den Umstand aufmerksam machen, dass beim grausamen 0:1 von Borussia Mönchengladbach gegen Kaiserslautern in der letzten Saison fast die gleiche Mannschaft auf dem Platz stand wie beim 3:0 gegen Schalke am Samstag. Der Unglücksrabe Bailly machte natürlich einen Unterschied.« – In der Tat, außergewöhnlich und eigentlich nur im Fußball möglich.
*
Freundlich frotzelnd reagiert Horst Beisheim auf die »Montagsthemen«-Kritik an Hertha-Manager Preetz: »Müsste nicht der, der jetzt die Frage nach Preetz stellt, nicht auch die nach Bruchhagen gestellt haben, denn der hat nach Skibbe auch noch den Daum geholt.« – Aus meiner Antwort: »Stimmt, aber Bruchhagen habe ich daher (im Gegensatz zu unserem Henni) nach seinem Verhalten in Sachen Amanatidis/Skibbe plus Verzweiflungsaktion Daum auch schon in der Kolumne die ›Freundschaft‹ gekündigt.« – Leser Beisheim dazu: »Okay, sehr gut!«
*
Mancher Eintracht-kritische Leser wird es kaum glauben, doch bei den Aufräumarbeiten im eigenen Archiv habe ich festgestellt, dass beim vermeintlichen Frankfurt-Fan »gw« im Lauf der Jahre die Kritik an diesem Klub deutlich überwog. Zuletzt war es nach dem Komplex Bruchhagen/Amanatidis/Skibbe/Daum das bizarre Hübner-Interview in der FR, und dass Trainer Veh im Vorfeld die Düsseldorf-Affäre losgetreten hat, nun aber wie ein beleidigtes Mädchen reagiert und ungewollt dazu beiträgt, Röslers Kult-Status bei der Fortuna noch zu erhöhen, wird bedingungslosen Eintracht-Fans auch nicht schmecken.
*

Freundlich frotzelnd ist es nicht gerade, was Uwe Hermann über Jan Ullrich und »gw« schreibt: »Herr Ullrich ist genauso weltfremd wie Sie in Ihren Beiträgen über Ihren ›Star‹. Nun gibt es einen Lügner und Betrüger weniger – endlich!« – Da wusste der Leser noch nicht, dass ich auch »Ulle« (wegen der dümmlich augenzwinkernden »Doping für die Haare«-Werbung) die Freundschaft gekündigt hatte. Aber das war leider eine »gw«-Reaktion à la beleidigtes Mädchen. »Warum so streng mit unserem Jan? Ich bleibe trotzdem ein Fan von unserem Jan«, schreibt daher Doris Heyer. – Ich doch auch!
*
Ähnlich sieht es Peter Storm (Wettenberg): »Es wird bei ihm wohl eher etwas geistig Einfaches, vielleicht auch Gutgläubigkeit vorliegen. Er wurde schamlos ausgenutzt von all denen, die von ihm Höchstleistung am laufenden Band erwarteten. Auch wir Sportfans ergötzten uns an seinen heroischen Taten. So bleibe ich Fan von Jan Ullrich, der mir sehr, sehr leid tut.« – Mir doch auch!
*
Der Schauspieler Christian Lugerth, »ein wunderbarer Typ« (Matthias Altenburg alias Jan Seghers), Freund unserer Kolumne und vielseitig aktiver Theatermann (am 1. März feiert seine Inszenierung von »Nordost« Premiere am Gießener Stadttheater), versteht zwar »die harsche ›Kündigung‹ als Fan. Aber trotzdem, war das nicht wunderbar 1997? Und fast noch wunderbarer 2003? Bis auf dieses blöde Bianchi-Trikot und den ständigen Angsthasenblick von Ulle auf den unerträglichen Texaner? Das damalige Mitfiebern bleibt doch über. Und war einfach schön.«
*
Ja, soo schön! Christian Lugerth schreibt im »Sport, Gott & die Welt«-Blog mitreißend und anrührend über seine Jahre mit Jan (unbedingt reinklicken!), ich steuere ein kleines »Ulle«-Erlebnis mit Altenburg und Matthias Beltz am Main bei, und Lugerth schlägt schließlich vor, »doch sowas wie ›Mein schönstes oder schlimmstes Ulle-Erlebnis‹ zu sammeln«. – Prima Idee. Wer macht mit?
*
Schlusswort von Andreas Kautz, der einst bei Alpe d’Huez »Ulle« und »gw« auf die Straße schrieb: »Wir sollten dann doch nicht so streng mit Ulle sein. ER hat mich zum Radsport gebracht! ER hat mich an den Kaiserstuhl gebracht! ER hat mich nach Frankreich gebracht. ER hat mich zu gw und dem Anstoß gebracht. ER hat mir gute Freunde am Kaiserstuhl beschert, mit denen wir wunderbare Abende in den Alpen und im Elsass verbracht haben. Danke Ulle!«
*
Zu einem ganz anderen (aber auch Montags-)Thema schreibt Tobias Ullrich: »Sie haben die Botschaft der Anti-ACTA-Aktivisten tatsächlich nicht ganz richtig verstanden. Einigen geht es vielleicht wirklich um nur kostenlose Brötchen. Vor allem geht es aber darum, auch in Zukunft selber entscheiden zu dürfen welche Brötchen man nimmt. Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie oft ausgerechnet Journalisten das übersehen.«
*
Tja. Mag sein. Leider hatte ich es aber bisher nur mit denen zu tun, die kostenlose Brötchen als ihr selbstverständliches Recht ansehen. Wenn die Brötchen von einem selbst gebacken werden, fehlt einem dafür dann doch das Verständnis.
*
Stopp. Jetzt endet nicht nur die die Mail-Kolumne, sondern auch die Einsendefrist für die Drei-Punkte-Fragerunde von »Wer bin ich?« – am Samstag geht’s weiter. Bis dann. (gw)

Baumhausbeichte - Novelle