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Montagsthemen (vom 13. Februar)

Jetzt gewinnt der BVB seine Spiele wie sonst nur die Bayern, und schon spielt Gladbach wie sonst nur der BVB.
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In Hoppenheim spielt nur Hoff. Oder umgekehrt. Nur der Fansprecher wundert und ärgert sich in heiliger Einfalt: »Man könnte denken, dass in diesem Verein nur Dietmar Hopp etwas zu sagen hat« … ja, wer denn sonst? … »und seine Entscheidungen oft nur aus dem Bauch heraus erfolgen.« Ja, woraus denn sonst?
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Babbel rein, Stanislawski raus aus dem Bauch. Aber was man im Bauch fühlt, entpup(p)t sich oft nur als warmer Wind. Das Authentische, das Originale, das Hopp mit Stanislawski in seiner Retorte nachproduzieren wollte, kommt verbal stark daher und schwächelt im praktischen Vollzug.
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Redet »Klartext«-Rhetoriker Stanislawski nicht seine Mannschaften stark, sondern sich? Ist der Kumpeltyp primär sein eigener Kumpel? Ist Skibbe gescheitert? Nein, der Gescheiterte heißt Preetz. Skibbes Schwäche ahnen wir seit Leverkusen und Frankfurt: Wohlgefühlt und wellnesstrainiert ganz stark beginnen und am Ende ganz stark abbauen, so dass auch Handaufleger und Augenaufreißer wie Daum den komatösen Patienten nicht mehr kurzaufwecken können. Dass Skibbe in Berlin untypisch mit vier Niederlagen startete, ist nicht seine Schuld. Wenn schon, dann die von Babbel. Der aber punktet in Bremen, beinahe sogar dreifach.
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Hopp, Stanislawski, Skibbe, Preetz, Babbel, Hopp. Da beißen sich Katzen und Kolumnisten in den Schwanz. Apropos: Am Sonntagmorgen das Thema beim HR-Radio: Religion und Humor. Wir erweitern die Thematik: Was ist die Gemeinsamkeit von Religion und Sex und Leistungssport und Humor? Niemand lacht, wenn er betet, beischläft oder sich sportlich anstrengt. Komisch wirkt’s oft nur auf andere.
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Was ist die Gemeinsamkeit von Schwarzenegger und Stallone? Haben Sie das grandiose Foto gesehen, beide barbrüstig und schulterverletzt nebeneinander im Krankenhaus-Doppelzimmer, ja fast im Doppelbett? Zwei aufgedunsene alte Kämpen, lädiert, mit faltig verquollenen Augen und ebensolchen Oberkörpern, sie grinsen sich glucksend an und haben einen Heidenspaß an ihrer schmerzhaft komischen Lage. Noch einmal die Frage, aber andersrum: Was ist das Gegensätzliche bei Schwarzenegger und Stallone im Vergleich zu Religion, Sex und Leistungssport? Die beiden  kumpeligen Hollywood-Oldies lachen über sich selbst. Zwei »dicke« Pluspunkte.
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Dennoch beschleicht den argwöhnischen Beobachter das misstrauische Gefühl, das Foto könnte getürkt sein. Oh. Entschuldigung. »Getürkt« klingt fast so rassistisch wie »Neger«. Also: gefälscht? Auch das Pressefoto des Jahres, die »arabische Pieta«, weckt das Misstrauen. Seit wir zu wissen glauben, dass sogar Robert Capas Ikone der Kriegsfotografie (der fallende Soldat im spanischen Bürgerkrieg, sterbend das Gewehr wegwerfend) ein gestelltes Bild ist, guckt immer das Misstrauen mit und hat den Satz im Hinterkopf, den einst ein Sprayer an eine Gießener Behördenwand graffitite: »Ich glaub euch nix!«
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Wenn schon Muppet-Opa, dann auch eine Zugabe: Wir wollen die Brötchen, die der Bäcker im Laden für teuer Geld verkauft, im Internet kostenlos runterladen. Oder habe ich die Botschaft der Anti-ACTA-Aktivisten missverstanden?
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Ja, ja, klar: Vergleiche hinken. Wie der in einem politischen Kommentar der Süddeutschen Zeitung, die in der Wulff-Affäre mit Box-Bildern arbeitet: Der amtierende Bundespräsident werde »x-mal angezählt, wankt, aber fällt nicht«. »Man nennt das«, so die SZ, »Steherqualitäten«. Nein, liebe Kollegen! Steherqualitäten haben Bahnradfahrer in Steher-Rennen, bei denen man aber nur am Anfang »steht« und am Ende ganz schnell sein muss, wenn man gewinnen will. Im Boxen nennt man das, was die SZ meint, »Nehmerqualitäten«.
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»Nehmer«-Qualitäten in Verbindung mit Wulff lassen uns grinsen wie Arnold und Sly im Doppelbett, sind aber ein ganz anderes Thema und haben mit Sport eventuell nicht mehr allzu viel zu tun. (gw)

Baumhausbeichte - Novelle