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“Türken” ist so korrekt oder unkorrekt wie “linken” (komisch, dass sich die politische Linke da noch nie beklagt hat …) und geht vermutlich auf einen vorgeblichen Schachautomaten des 18./19. Jhdts zurück mit einem “Türken” als Spieler, der mit großem Erfolg durch Europa tourte, in dem aber tatsächlich ein Mann hockte, der von unten die Schachfiguren bediente. Alternative laut Grimm: “einen Türken stellen” = “bei Besichtigungen jemandem etwas vormachen”, also eher sowas wie “Potemkin’sche Dörfer” (Quelle: http://faql.de/etymologie.html).
Mit der “political correctness” schlagen zwei Seelen in meiner Brust: Einerseits kann der gedankenlose Sprachgebrauch schon ein Vehikel für Diskriminierung sein; andererseits ändert sich durch das gleichsam “magische” Verbieten bestimmter Begriffe noch gar nichts am Faktum. Und “Neger”, das ich als Kind völlig unbefangen für einen Menschen dunkler Hautfarbe verwendete, geht eben auf lateinisch “niger = schwarz” zurück und kam in Deutschland erst in Verruf, als es mit dem englischsprachigen “nigger”, das tatsächlich pejorativ verwendet wird, assoziiert wurde. Schönes Beispiel für den Krampf, der jetzt entsteht, ist “stark pigmentiert”.
Über die Diskrimierung der Linkshänder, die in Begriffen wie “adroit” für “geschickt” oder “linkisch” steckt, habe ich ja im Zusammenhang mit dem “adretten” Herrn Tiersch schon mal geschrieben.
Eigentlich sind das Luxusprobleme – uns geht’s ja noch gold (siehe Griechenland, Syrien, um nur zwei Krisenländer zu nennen). Schönen Sonntag! (Dr. Sylvia Börgens/Wölfersheim)

Baumhausbeichte - Novelle