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Montagsthemen (vom 6. Februar)

Enden die Bayern oben so wie im Vorjahr ihr hessisches Pendant unten? Die Eintracht war viel zu gut um abzusteigen. München ist viel zu gut, um nicht Meister zu werden. In Frankfurt wurde ein Hauptschuldiger erst ausgeguckt, als es zu spät war. Was macht eigentlich Hertha? Ach so.
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In München verdient sich Heynckes menschlich zu Recht alle die Sympathien, die er einst in Frankfurt ebenfalls zu Recht verloren hatte. Aber welchen Plan, welche Idee hat der altersmild Gereifte? Noch wird er von allen Seiten mit Lobeslorbeer bekränzt. Aber was, wenn von gewünschten drei Titeln nur zwei übrig bleiben, oder nur einer? Die Meisterschaft bleibt das Minimum. Wenn selbst dieser Muss-Titel in Gefahr gerät oder gar, Bavaria behüte, die Champions-League-Teilnahme, wird aus dem Bekränzten schnell der Begrenzte.
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Aber, trotz aktueller Skepsis: Dazu sind die Bayern einfach zu gut aufgestellt. Nicht im Sinne des Modeworts, sondern im mannschaftssportlich ursprünglichen der Aufstellung. Wäre da nur nicht das Menetekel wie an der Wand des Palastes von Belsazar: Mene-Tekel . . . gezählt sind die Tage deiner Herrschaft, du wurdest gewogen und zu leicht befunden.
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Von der angestrengten Bildungsbürgerlichkeit zurück zur hemmungslos subjektiven  sportlichen Sympathie für die vorderen vier, denen jeder Erfolg zu gönnen ist. Aufteilungs-Vorschlag: Bayern gewinnt die Champions League, Dortmund die Meisterschaft, Gladbach den Pokal, Schalke wird Vizemeister, und alle vier kommen in die Champions League.
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»Sind Sie verrückt oder was?« Faucht Lucien Favre nicht mich, sondern den Sky-Reporter an, der nach dem 0:0 in Wolfsburg gefragt hatte, ob das ein Rückschlag im Titelkampf sei. Gut gefaucht, dumm gefragt.
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Apropos dumm. Dazu später mehr. Kurzer Einschub: Ariane Friedrich und das mühsame Comeback. Wenn sie springt, springen alle unsere Sympathien für sie (und ihren Friedberger Trainer Günter Eisinger) mit. Einer springt noch nicht mit: der Kopf. Nach ihrer schweren Verletzung gilt für Ariane Friedrich mehr noch als für Skispringer deren Erfolgsrezept: Man muss denken können, darf beim Springen aber nicht denken müssen. Wie kann sie die Gedanken an den Fuß aussperren? Wäre Hypnose eine Option?
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Noch eine Zwischenbemerkung: Verfahren gegen Armstrong eingestellt. Heute nach Lage der Dinge in Lausanne ähnlicher Ausgang für Contador. Nur Ullrich bleibt auch ohne Urteil lebenslänglich dopingverurteilt, obwohl die Beweise gegen ihn vergleichsweise unbedeutend sind.
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Jetzt zur anderen Dummheit. Eigener. Im »Sport-Stammtisch« am Samstag oberlehrerhaft den Zeigefinger auf eine SZ-Überschrift (Dietl’s Albtraum«) gerichtet. »Als regelmäßiger Leser Ihrer Beiträge . . . « – schreibt nun Peter Schubert aus Friedberg (was mich freut, zumal unser Leser wohlbekannter Professor für Didaktik der Kunst ist, aber nun folgt das Unerfreuliche) » . . . darf ich mir sicher folgenden Hinweis erlauben: ›Dietl’s Albtraum‹ ist für den literarisch Informierten natürlich als eine Anspielung auf Arno Schmidts 1970 erschienenes Riesenwerk ›Zettel’s Traum‹ zu verstehen – dort ›Zettel’s‹ als Bezug zum träumenden Handwerker in Shakespeares Sommernachtstraum und damit zur englischen Genitivbildung.«
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In der Ecke stehend, mich schämend, tröstet nicht einmal, dass Prof. Schubert, meinen Fitness-Tipp vom Samstag übernehmend, seine Korrektur »noch schnell vor dem täglichen Viertelstündchen ganz langsamer Kniebeugen« geschrieben hat.
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Aber sogar in der Ecke stehend hat der Besserwisser seinen Zeigefinger nicht im Griff: Ätsch, selbst die kluge Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung kriegt einen mit. Vom Grünen-Vorsitzenden Cem Özdemir, unter dessen Foto in der FAS der Name von Günter Wallraff stand. Genüsslich konnte Özdemir dagegen Einspruch einlegen: »Ich bin nicht Wallraff.« Nun wurde aber auch bekannt, dass Özdemir von einem berühmt-berüchtigten »Party-Manager« zu einem Fußballspiel in Barcelona eingeladen worden war »und für das Ticket möglicherweise nicht den ganzen Preis bezahlt habe« (dpa). Also: Özdemir ist nicht Wallraff. Aber wer ist er dann? Ist er Wulff? (gw)

Baumhausbeichte - Novelle