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Sport-Stammtisch (vom 4. Februar)

Der Sport reagiert wortreich hilflos: Die Tragödie im Stadion von Port Said ist »absolut inakzeptabel«, verletzt wurden »Grundwerte des Fußballs«. Unter den Binsen, die von FIFA und Co. gebündelt werden, darf auch die Realsatire nicht fehlen: »Das hat mit Fußball nichts mehr zu tun.« Stimmt. In der binsigsten aller Binsen steckt diesmal so viel Wahrheit wie nie.
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Als »Bild« exklusiv über Rudi Assauers Alzheimer-Erkrankung berichtete, konnte man zunächst vermuten, das Blatt sei wieder einmal indiskret und unseriös vorgeprescht. Doch schnell stellte sich heraus, dass es der offenbar geplante und abgesprochene Start einer seit Monaten vorbereiteten Medien-Kampagne war: Interviews, Aufmacher-Artikel, Titelfotos, Langzeit-Reportagen, und natürlich darf auch die gedruckte Biografie dazu nicht fehlen, ein programmierter Bestseller, der in den Verkaufslisten an den Burn-out-Büchern vorbeischießen wird.
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Assauer hat der Veröffentlichung zugestimmt, um den Gerüchten über Alkoholimus entgegenzutreten, denn auch exzessives Trinken kann auf Dauer im Gehirn ähnliche Schäden anrichten. Wir erinnern uns an Bubi Scholz, auch an Harald Juhnke. Aber Assauers Alzheimer ist ein medizinisches, Port Said ein politisches Thema, also nichts für uns Laien aus dem Sport.
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Auch in der Bewertung der Erfurter Affäre um UV-behandeltes Blut empfiehlt sich Zurückhaltung, sogar jenem, der glaubt, einigermaßen dopingfachkundig zu sein (hier schreibt so einer). Noch zu undurchsichtig das Ganze, zu viele gegensätzliche Interessen im Spiel. Knackpunkt dürfte sein, wann die UV-Behandlung von Eigenblut offiziell als Doping eingestuft wurde. Hoffentlich schreiben übereifrige Doping-Schupos heute nicht wieder, wie damals im Clenbuterol-Fall Krabbe, ein Knöllchen wegen Falschparkens und stellen erst morgen das Parkverbotsschild dazu auf. Dass es, wenn es tatsächlich um Doping gehen sollte, nicht um Doping geht, sondern um Verschleierung von Doping, wodurch es aber (natürlich zu Recht) dann doch um Doping geht, würde hier schon viel zu weit führen und nicht nur die liebste Zielgruppe sträflich langweilen.
Daher jetzt endlich zum wahren Thema der Woche: »Kälte-Schock« (»Bild« gestern). Wieso ist’s bloß so unfassbar kalt? Eine Ahnung kriecht mit klammen Fingern von den eiskalten Füßen hinauf ins froststarre Hirn: Vielleicht, weil Winter ist?
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Dass derzeit mehr als zehn Prozent aller Deutschen unter dem »Winter-Blues« leiden, liegt nicht, wie früher angenommen, am Lichtmangel (so viel Licht wie in diesen Sonne-Kälte-Tagen gab’s ja im ganzen letzten Sommer nicht), sondern daran, dass Winterdepressive einen empfindlichen Geruchssinn haben und daher jetzt unter Duftmangel leiden. Herausgefunden hat es ein US-Psychologe, als eine Patientin sofort von ihrer winterlichen Ehedepression genas, als tauender Boden den Duft faulender Blätter freigab.
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»Ihre Hinteransicht: samtig glatt wie bei einer 20-Jährigen. Cox’ Geheimnis: ›Ich mache viele Kniebeugen!‹« Schreibt »Bild« unter das Foto einer US-Schauspielerin und bestätigt damit einen uralten (von 1985) und immer noch brandaktuellen Geheimtipp unserer Kolumne: »Wie kriegt man den knackigsten Po? Tiefe Kniebeugen mit der schweren Langhantel auf dem Buckel. Ein Mörderprogramm. Aber am wirkungsvollsten. Doch jeder, der kein erfahrener Kraftsportler ist und dem seine Gesundheit, in diesem Fall vor allem die Wirbelsäule, lieb ist, sollte die Finger davon lassen. Für den zwar nur kleinen, aber auf lange Sicht auch noch sehr schönen Po-Erfolg empfehlen sich gaaanz langsame (für Kenner: isokinetische) tiefe Kniebeugen ohne Hantel.« – Kann jede für sich zu Hause machen, täglich ein Viertelstündchen. – Motto: Ein Po wie (J.) Lo.
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Oder wie Lo’s? Könnte in der »Süddeutschen« stehen, die den neuen Dietl-Film »Zettl« fürchterlich verrissen hat (wie praktisch alle anderen Zeitungen auch). Vielleicht zu Recht. Kenne den Film nicht. Aber die Überschrift! »Dietl’s Albtraum« – der Deppen-Apostroph ausgerechnet im Verriss, ausgerechnet im »klugen« Kultur-Ressort, wie peinlich!
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Oder? Die SZ könnte sich auf Paragraph 97 der Rechtschreibordnung berufen, die den Deppen-Apostroph erlaubt. Sie lasen also Gerd’s Sport-Stammtisch beziehungsweise den wo ist vom (gw’s)

Baumhausbeichte - Novelle