Archiv für Februar 2012

Wer bin ich? (Auflösung Runde eins + Auftakt Runde 2)

1. Ein späterer US-Präsident verletzte sich am Knie, als er in einem Footballspiel versuchte, den späteren Olympiasieger zu stoppen, der in der Februar-Runde gesucht wurde (wer den Namen schon nach diesem kargen Hinweis wusste, erhielt drei Punkte). 2. Der Gesuchte spielte zwar Football, war aber kein Fußballer. Als er Olympiasieger wurde, traten zwei später sehr bekannte und auch umstrittene Sportführer gegen ihn an und platzierten sich immerhin auf Endkampfplätzen (nach diesem zweiten Hinweis gab es noch zwei Punkte). 3. Er gewann zwei Goldmedaillen, verlor sie, gewann sie wieder und galt/gilt als einer der größten Athleten der Sportgeschichte (ein Punkt).
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Der US-Präsident hieß Dwight D. Eisenhower, die umstrittenen Sportführer Ritter von Halt (Achter im Zehnkampf) und Avery Brundage (Fünfter im Fünfkampf), und beide olympischen Wettkämpfe gewann 1912 in Stockholm einer der größten Athleten der Sportgeschichte: Jim Thorpe aus den USA. Ein Jahr später wurden ihm die Goldmedaillen aberkannt, weil er vor Olympia für ein paar Dollar Baseball gespielt hatte. Thorpe starb 1953 mit 65 Jahren verarmt und fast vergessen, wurde erst 1982 rehabilitiert und erhielt posthum beide Goldmedaillen zurück.
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Die Zehnkampf-Legende Jim Thorpe spielte nach 1912 als Profi Baseball und Football und gilt noch heute als einer der besten Footballspieler aller Zeiten. Legendär wurde seine Reaktion auf die Gratulation des schwedischen Königs Karl Gustav (»Sie sind der größte Athlet der Welt«) in Stockholm: »Thanks, King.«

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Dieser Satz gefiel (erster kleiner Hinweis) auch jenem Mann, der in der neuen Runde gesucht wird. Doch zunächst Ehre, wem Ehre gebührt – den 19 Teilnehmern, die Jim Thorpe erkannt haben:

Dr. Joachim Bille, Beate Dachauer, Dr. Gerd-Ludwig Fängewisch, Doris Heyer, Andreas Hofmann, Uwe Lemke, Paul-Ulrich Lenz, Dr. Paul Limberg, Walther Roeber, Karola Schleiter, Rüdiger Schlick, Paul-Gerhard Schmidt, Jochen Schneider, Manfred Stein, Peter Storm (alle 3), Jost-Eckhard Armbrecht, Dr. Sylvia Börgens, Peter Schubert (alle 2), Inge Wittich (1).
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Die Jahreswertung 2012 ist noch nicht sehr aussagekräftig, zwölf der oben aufgeführten Teilnehmer stehen mit der Maximalpunktzahl vier gemeinsam auf Platz eins. Daher veröffentlichen wir heute wieder einmal die »ewige« Gesamt-Top 15 (alle Runden 2011 und 2012/12). Auch hier gab es nur wenige Verschiebungen.
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In der dritten und wieder dreigeteilten Runde 2012 geht es um einen Mann, der nicht durch eigene sportliche Leistungen, sondern – unter anderem – mit Beobachtungen und Einschätzungen der sportlichen Leistungen anderer aufgefallen ist. Schon früh war er ein scharfer Beobachter des Sports und seiner Rolle in der Gesellschaft. Wie er als Knabe den 4. Juli 1954 erlebte, schilderte er später . . .
. . . ja, auch bei uns erst später, denn das muss für drei Punkte zunächst einmal genügen. Die erhält gutgeschrieben, wer den richtigen Namen bis einschließlich Donnerstag (1. März) in der »Anstoß«-Mailbox abliefert.
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Raten schadet nicht, denn wer daneben liegt, kann am Samstag wieder einsteigen, wenn der Zwei-Punkte-Hinweis folgt. Bis dann! (gw)

»Ewige« Top 15
 

 1. Rüdiger Schlick 22
 

 2. Walther Roeber
  Karola Schleiter
  Jochen Schneider alle 21

 5. Dr. Joachim Bille 20

 6. Paul Gerhard Schmidt 19

 7. Jost-Eckhard Armbrecht 17

 8. Dr. Gerd-Ludwig Fängewisch 16

 9. Dr. Sylvia Börgens
  Dr. Hans-Ulrich Hauschild
  Andreas Hofmann alle 15

 12. Dr. Paul Limberg
  Manfred Stein
  Peter Storm alle  14

 15. Doris Heyer
  Andreas Kautz beide 13

Veröffentlicht von gw am 28. Februar 2012 .
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Ohne weitere Worte (vom 28. Februar)

Wie kann es sein, dass dieselbe Mannschaft, die von August bis Oktober glanzvoll kombinierte, nun meist herumkreiselt wie ein Handballteam? Und zwar eines, das keinen Rückraumwerfer hat und den Kreisläufer nicht findet. (FAZ nach dem Spiel in Basel)
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Gegen das schnelle Spiel der Dortmunder wirkte das Quergeschiebe der Bayern wie Fußball aus dem vorigen Jahrhundert (Alfred Draxler in seiner »Bild«-Kolumne nach dem Spiel in Basel)
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Jupp Heynckes: Schema F statt Plan B (FAS-Schlagzeile vor dem Spiel gegen Schalke)
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»Wenn man jung ist, hat man die ganze Geschichte noch nicht so hundertprozentig durchschaut, aber dazu bin ich ja da. (…) Ich muss nicht in der Zeitung stehen, mich kennt sowieso jeder. (…) Ich habe eine Schatztruhe an Erfahrung.« (Otto Rehhagel im Kicker-Interview vor dem 0:3 in Augsburg)
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Rehhagel sieht alt aus. (WamS-Schlagzeile nach dem 0:3 in Augsburg)
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Im Grunde ist Rudi Assauer ein liebenswürdiger Kerl, der einfach zu viel vergisst. (Zeit-Magazin)
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»In der Theorie, darin, Konzepte auf Pressekonferenzen und so weiter zu verkaufen, sind wir ja Weltmeister – das Blabla habe ich in Deutschland schon ein paar Mal erlebt.« (der neue/alte Basketball-Bundestrainer Svetislav Pesic im SZ-Interview)
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Der Premier will sich als fit mit 59, sportlich, kraftstrotzend, männlich zeigen, als immer noch viriler Gegenentwurf zu seinem Vorgänger im Präsidentenamt, dem erschlafften Säufer Jelzin (Spiegel zum ARD-Film über Putin)
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Christina Schwanitz (…) klagt leidenschaftlich über das, was Lang (Anm.: ihr Trainer) ihr abverlangt. »Wir machen Ausdauertraining, Laufen, Schwimmen, Skilanglauf«, ruft sie. »Ich habe doch ein Auto!« (FAZ über die Kugelstoßerin, die um 12 Kilogramm auf 99 Kilogramm abgespeckt hat)
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So zu stehen! So stolz und gerade, so aufrecht schön. Bettina Wulff ist ganz am Ende ihrer Präsidentschaft eine Übersichselbsthinausgewachsene. (…) Sie wich den Schüssen der Kameras so wenig aus, wie sie zuvor ihren eigenen knallenden Pumps-Schritten ausgewichen war. (…) Man musste an Claudia Cardinale denken, wie die am Ende von »Spiel mir das Lied vom Tod« königlich durch den Staub schreitet und den verrohten Männern das Wasser reicht. (Stern über Bettina Wulff) (gw)

Veröffentlicht von gw am 27. Februar 2012 .
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Zwischenruf “Paderborn” (“Anstoß extra” vom 27. Februar)

Das Tor zum 4:2 erzählt die ganze verkorkste Geschichte: Von Paderborn wunderbar herausgespielt, aber nur dank Frankfurter Begleitschutz. Arbeitsdevise: Nur gucken, nicht eingreifen. Der Gegner, dessen Name für die »Zumutung« stand, in Liga zwei spielen zu müssen, bestätigte »Montagsthemen«-Befürchtungen aus der Winterpause: »Wer genau hinschaut, erkennt, dass die Eintracht nicht so stark und die Konkurrenz nicht so schwach ist, dass die unehrenhafte Sitzenbleiber-Runde viertelherzig zu absolvieren wäre, dreiviertelherzig schon in der nächsten Saison schwelgend, den Bayern, BVB und Co. im stolzen Geiste Paroli bietend. Um sich nicht mit . . . Paderborn beschäftigen zu müssen.« – Und so spielten sie auch in der zweiten Halbzeit: Mit weniger Herz als der stets einen Schritt gedankenschnellere Gegner.
Wer’s positiv sehen will: Spätestens seit Paderborn ist die Eintracht endlich in Liga zwei angekommen – das ist auch die erste Voraussetzung, da wieder raus zu kommen. (gw)

Veröffentlicht von gw am 26. Februar 2012 .
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Montagsthemen vom 27. Februar

Machen wir’s  kurz, um auf dieser Zeitungsseite die zwei Top-Spiele des Sonntags gebührend würdigen zu können. Rückblende »Sport-Stammtisch«: Der Gauck-Einstiegssatz war natürlich keine plumpe Meinungsäußerung, sondern diente als selbstironisches Stilmittel, um eigene Besserwisserei in Sachen Heynckes/Bayern auf die Schippe zu nehmen – und prompt widerlegen furios aufspielende Bayern zumindest gestern die Vor- und Zwischenurteile. Wenn nun Hertha trotz oder wegen Rehhagel und Wolfsburg trotz oder wegen Magath in dieser Saison abstiegen, wäre dies auch eine Art Selbstironie – eine der Bundesliga, die sich selbst auf die Schippe nimmt. Wenn dann noch Augsburg und Freiburg oder auch Kaiserslautern drin blieben, würde der wahre Sport einen Triumph über die Ware Sport feiern. Aber die Sportwelt, sie ist nicht so.
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Oder? In der Welt der Popmusik gibt es solche Wunder. Wie Adele, dieser weibliche Nowitzki der Musikszene. »Allstar« Dirk wiederum, unter den Selbstdarstellern, bunten Vögeln, Macho-Charismatikern und »Gangsta«-Typen der NBA eher graue Maus mit Übergröße, bekäme wie Adele von den Rating-Agenturen den Glamour-Faktor DDD minus verpasst, aber in sportlicher Kreditwürdigkeit ein Triple AAA mit dreifachem Plus.
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Alles ist relativ, selbst Ironie, selbst Selbstironie. Es gibt auch unfreiwillige. Zum Beispiel, dass SPD und Grüne einen Kandidaten anpreisen, der ihnen eher fern steht, und dass Merkel ihn zähneknirschend akzeptieren muss, obwohl er ihr nahe steht. Na ja, halt parteipolitischer Scheuklappenkampf.
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Selbst die Relativitätstheorie hat ihren Absolutheitsanspruch verloren. Dank CERN. Dort, in Genf, spielen oberschlaue Kinder mit dem weltgrößten Physikbaukasten, wie diese ignorante Kolumne mal geulkt hat. Im Sommer wurde dort die Entdeckung überlichtschneller Neutrinos gefeiert, für die »ganze Planeten wie Spinnweben für einen rasenden Hirsch« sind (die SZ damals in einem akuten lyrischen Fieberanfall). Aber ach, Einstein streckt seine berühmte Zunge jetzt weiter heraus als  Mick Jagger: CERN hat sich selbst den Stecker gezogen, weil nur ein solcher, falsch gesteckt, wacklig oder sonstwas, für die Überlichtschnelle gesorgt haben soll.
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Was ein simpler Stecker alles anrichten kann! Was passiert zum Beispiel, wenn man dieser Kolumne zugunsten der Liga-Topspiele sofort den Stecker zieh ….. (gw)

Veröffentlicht von gw am 26. Februar 2012 .
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Sonntag, 26. Februar, 6.30 Uhr.

Von Bob Marley in die Redaktion begleitet. Nicht der “Eichhörnchensheriff” (I shot the sheriff), aber wie heißt das Lied? “Could you beloved”?  Bei Marley immer auch der Gedanke an Dr.Issels, an Knochenmehl und letzte Mittel in Grenzbereichen. Als Marleys Melanom im Endstadium war, vertraute sich der Star aus der Musikszene einem obskuren Star der buntesten deutschen Frauenblätter an. Eine bizarre Verbindung. In Gefahr und höchster Not bringt der Mittelweg den Tod. Der andere Weg aber auch. Knochenmehl: Altgediente Leser erinnern sich. Für alle anderen greife ich mal kurz ins Archiv:

Vor Olympia 1976 wurde dem Bundesausschuss Leistungssport (BAL) eine Methode angeboten, mit der man Schwimmern eine bessere Wasserlage verschaffen konnte. Und zwar . . . indem man ihnen Luft in den Darm pumpte. Nie geklärt wurde, warum man die Methode nicht (wirklich nicht?) anwandte. Vielleicht ist aber auch nur das logistische Detonations-Problem der Luftentweichung beim Startsprung nicht zufriedenstellend gelöst worden.  Damals war’s auch, dass mir ein umtriebiger Erfinder ein Knochenmehlpulver (»man kann auch Menschenknochen nehmen«) anbot. Wer täglich ein paar Esslöffel zu sich nehme, spüre einen Doppel-Dopingeffekt, denn das Knochenmehlkonzentrat wirke leistungsfördernder als Anabolika und Amphetamine zusammen. Ein kleiner Nachteil sei allerdings die stark verstopfende Nebenwirkung, aber das nehme ein leistungswilliger Spitzensportler wohl auf sich. Dass damit auch das Detonations-Problem gelöst werden könnte, verriet ich dem BAL nicht. Sonst führten heute noch Luftpumpe und Knochenmehl im Doping-Duo-Ranking vor Epo und Testosteron.  Als ich seinerzeit den Artikel über den Knochenmehlerfinder geschrieben hatte, rief eine ältere Dame an. Sie habe gelesen, dass dieses Konzentrat laut Erfinder nicht nur bei Spitzensportlern, sondern auch bei Bandscheibengeschädigten Wunder wirke. Sie bitte herzlichst um die Adresse des Erfinders. – Letzte Mittel in Grenzbereichen. Wem der Arzt nicht helfen kann, der versucht sein Glück beim Wunderheiler. Wer schneller schwimmen will, lässt sich den Darm aufblasen. Ich fragte die Dame noch, was sie von der Luft-im-Darm-Geschichte halte. »Pfui Teufel«, empörte sie sich, »wie ekelhaft, da hört der Sport doch wirklich auf!« Notwendige Ergänzung: Eine wahre Geschichte, für die ich mich verbürge.

 

So, zurück aus der Vergangenheit: “Wenn’s nach mir ginge, würde Gauck nicht Bundespräsident.” Der Satz, der den “Sport-Stammtisch” vom Samstag einleitete, war keine politische Meinungsäußerung, sondern ein selbstironisches Stilmittel, was sich, nach dem scheinbar plumpen Einstieg in die Kolumne schnell herausstellen sollte. Aber welche Meinung habe ich wirklich zu Gauck? Jedenfalls keine, die mir besonders wichtig wäre.  Ein Bundespräsident ist Frühstücksdirektor der Bundesrepublik Deutschland. Ach was!? Bezeichnend, lustig, traurig usw. finde ich nur das Drumherum. Bei Wulff das Aufsteigersyndrom, jetzt auch, wie der Stern seine Frau realsatirisch hochjubelt, es aber todernst meint (ein besonders apartes Zitat folgt in “Ohne weitere Worte”). Bei Gauck, dass SPD und Grüne einen Kandidaten anpreisen,  der von ihnen politisch weit entfernt steht, und dass Merkel ihn zähneknirschend akzeptieren muss, obwohl er ihr politisch sehr nahe steht. Alles Resultat des tagesparteipolitischen Scheuklappenkampfes.

Mein Schliwwer im Finger beschäftigt mich mehr. Sehr spät im Leben erst realisiert, dass Schliwwer kein richtiges deutsches Wort ist, sondern eine Verballhornung von “Splitter”. Meiner eitert jetzt langsam raus.

Morgen im Fernsehen: Verfilmung des ersten Krimis von “unserem” Matthias Altenburg/Jan Seghers. Da befangen und solidarisch zugleich, nie etwas zur “Braut im Schnee” geschrieben.

Schon gleich sieben. Eine halbe Stunde am Blog geschrieben. Folgt die übliche Sonntags-Routine, zackzack, um dann ein Privileg des Berufs genießen zu können: Drei Spiele live am Stück, eins interessanter als das andere. Erst die Eintracht (psst, nicht verraten: nur die zweite Halbzeit, das reicht), dann die Bayern (Probe aufs Exempel der Selbstironie vom Samstag), zum Schluss ein Genuss-Spiel (hoffentlich) mit dem Lieblingsduo Kagawa/Lewandowski und deren tollen Team gegen die Stadt, die wenigstens einen Fußballverein hat,  auf den sie in diesen Tagen zu Recht stolz sein kann.

Veröffentlicht von gw am 26. Februar 2012 .
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Baumhausbeichte - Novelle