Beitrag ausdrucken Beitrag ausdrucken

Montagsthemen (vom 23. Januar)

Wenn aus dem Solo der Bayern ein Duell mit dem BVB wird, wenn zwei sich also streiten, freut sich dann ein lächelnder Dritter? Und hat der vielleicht schon einen schmunzelnden Vierten als Schalk(e) im Nacken?
*
In München haben sie von der »optimalen Vorbereitung« geschwärmt. Eine Woche Ferien mit Fußball im Luxus-Zeltlager von Katar, Abenteuer-Trip nach Neu-Delhi, ein paar Testspielchen – »optimale Vorbereitung«? In anderen Sportarten rätselt man wie eh und je über das Phänomen Fußball.
*

Auch ganz unten ist spannende Unterhaltung garantiert. Die aktuell letzten drei Klubs würden in einer Sympathie-Abstimmung den Klassenerhalt locker schaffen, dagegen könnte der eine oder andere davor ruhig absteigen. Aber heute mal nichts gegen Wolfsburg. Oder doch. Die zynische Magath-Variante: Managerspiel mit lebenden Spielfiguren und dem Monopoly-Vorteil, bei jedem Würfeln über »Los« zu kommen und bei VW neues Startgeld zu kassieren.
*
Jetzt jammern sie wieder, die Bundesligisten. Über den Afrika-Cup. Fast wirkt es, als würden die Spieler zu einem wochenlangen Stammestanz im Dschungel fliegen statt zum afrikanischen Gegenstück zur Fußball-EM. Rassismus durch die eurozentrische Hintertür?
*
Beim Afrika-Cup sind auch einige »Arabellion«-Länder dabei. Der haushohe Wahlsieg der Islamisten hat die westliche Begeisterung getrübt. Dazu ein bisschen Besserwisserei, die ziemlich genau ein Jahr alte Vermutung, dass »das Volk Mubarak weg haben will, aber noch nicht weiß, was es stattdessen will, aber sicher nicht das, was wir wollen, dass die Ägypter es wollen sollen«.
*
Apropos Stammestanz im Dschungel: Fast sieben Millionen (alle ab ins Nagelstudio!) sehen bei der deutschen Variante zu. Wie isses bloß möglich? Fragt man sich auch bei dem dicken Dotcom-Clown oder dem obskuren »Event-König«, diesem weiteren Stolperstein für Wulff. Haben Sie die Bilder gesehen? Die sagen nun wirklich mehr als tausend Worte.
*
Fast jeder Wahnsinn hat seine Methode. Wie die »Jahresweltbestleistungen«, die in dieser Jahreszeit gemeldet werden. Jörg Dahlmann, damals gerade auf dem Sprung von unserer Sportredaktion in die des ZDF, hatte den Quatsch schon im vergangenen Jahrhundert bloßgestellt, als er im »Sport-Studio« ein paar fröhliche Mainzer Freizeitsportler Weltjahresbestleistungen im Dutzend aufstellen ließ. An einem 1. Januar.
*
Auch das noch: Am Berliner Homo-Mahnmal wird das Video ausgetauscht: Jetzt küssen sich auch Frauen. Und Männer und Frauen. Und Alte und Junge.  Und Neonazis und Altlinke … nein, so weit geht die Korrektheit nun doch nicht.
*
Fast überkorrekt der sorgsame Umgang des IOC mit seinen als »YOG DNA« plakatierten Olympischen Spielen der Jugend, also mit der speziellen DNA der Young Olympic Games. In Innsbruck sollten die jungen Olympioniken nicht nur an Sieg und Medaillenspiegel denken, der war sowieso verpönt, sondern im olympischen Geist erzogen werden. Dazu gehörten gesellschaftspolitisch wichtige Kurse wie jener zur gesunden Ernährung mit viel Obst und Gemüse, am besten viermal am Tag. Gleichzeitig brachte das IOC den neuen Vertrag mit einem Großsponsor unter Dach und Fach: McDonald’s.
*
Na ja, Fleisch gehört halt dazu? Nicht für alle. Dirk Nowitzkis Spot für seine Werbe-Hausbank hat bei Vegetariern einen Internet-Sturm der Entrüstung ausgelöst, weil der lange Lulatsch in einer Metzgerei wie ein kleiner Junge mit einem Stück Wurst beschenkt wird. Ich kann die Entrüstung verstehen. Auch ich erhielt oft ein Scheibchen Wurst und musste verstockt »Danke« murmeln, obwohl ich lieber ein Bonbon bekommen hätte.
*
War aber eine gute Schule fürs Leben: Man bekommt nie das, was man möchte, muss sich aber für das, was man gar nicht haben will, auch noch bedanken. (gw)

Baumhausbeichte - Novelle