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Sport-Stammtisch (vom 21. Januar)

Zum Rückrundenstart hat Bayern München schon den ersten Titel gewonnen: »Ineffizientester Verein der Bundesliga«. Weil: Beim FCB kostet jedes Tor 1 162 791 Euro. Tabellenerster: Freiburg mit nur 321 429 Euro pro Tor. Was sagt uns das? Nichts. Zahlen-Nonsens. Nicht das Papier wert, auf dem er gedruckt wurde. Verzapft hat ihn ja auch die »Zeit online« mit ihrem neuen Spielzeug »Bundesliga-Effizienzrechner«. Papier mag geduldig sein, aber am geduldigsten ist das Internet, was Quatsch aller Art angeht.
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In der EU-Effizienztabelle liegt Griechenland ähnlich weit hinten wie Bayern München bei »Zeit online«: Jeden dort selbst verdienten Euro lässt sich die EU etwa eine Million Euro kosten.
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War nur Spaß. Bringt uns aber zu einem schönen Beispiel für die These, die der kürzlich verstorbene Horst Eberhard Richter vor Jahrzehnten im Gespräch mit uns aufgestellt hatte: »Leistungssport ist eine Miniaturkopie der Arbeitswelt.« Und nicht nur der Arbeitswelt, sondern der Welt überhaupt: Nachdem die UEFA dem Pleiteklub FC PAOK Saloniki Lizenzentzug angedroht hatte, ging Präsident Thodoris Zagorakis auf Konsolidierungskurs und damit seinem ganzen Land vorbildlich voran. Er verkaufte zum Beispiel »Tafelsilber« wie seinen Starspieler Vieirinha. Mit vier Konsequenzen: 1. Dem Verein geht es besser. 2. Die Fans verfluchen Zagorakis, der Mann lebt gefährlich. 3. Magath reibt sich das Geldhändchen, denn VW Wolfsburg schnappte sich das Schnäppchen Vieirinha. 4. Die Griechen lieben uns jetzt noch ein bisschen weniger.
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Alles also wie im richtigen Euro-Leben. Im früheren Euro-Leben hatten die Griechen noch ihre helle hellenische Freude an uns, vor allem schlitzohrige Bauern, die für’n Appel und eine Olive Felder pachteten, sie gar nicht erst bestellten, sondern von der EU für »Ernteausfälle« pro Feld 1500 bis 2000 Euro erstattet bekamen. Berichtet Hans Eideneier in der aktuellen Ausgabe der »Griechenland-Zeitung«, und Eideneier ist kein Stammtisch-Schwadroneur, sondern ein Nestor deutscher Griechenlandfreunde.
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Wie kommen wir jetzt zurück zum Sport? Assoziationskettchen: Griechenland – Euro – wer hat ihn erfunden? Theo Waigel (der mit den Augenbrauen) – verheiratet mit Irene Epple – Ex-Skistar, früher Freundin von Sebastian Coe – der war ein Weltklasse-Mittelstreckler und ist heute Lord und Olympia-Chef in London.
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Dass Coe auch nach dem Sport Karriere machen würde, deutete sich schon früh an. Coe galt in seinen aktiven Zeiten als der »Brave« im Gegensatz zu seinem ständigen Rivalen, dem »bösen Buben« Steve Ovett. Als Coe 1982 von Königin Elisabeth im Buckingham-Palast mit dem Orden »Member of the British Empire« ausgezeichnet wurde, kam der liebe Sebastian in Begleitung seiner Eltern und heuchelte in die Mikrofone, diese Auszeichnung sei ihm wichtiger als die Goldmedaille von Moskau (dort gewann er über 1500 Meter vor Ovett). Außerdem behauptete er, lupenreiner Amateur zu sein. Die Queen war amused, die Fachwelt lachte schallend. Und die Moral von der Geschicht’: Man muss nicht die Wahrheit sagen, um große Karriere zu machen.
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Ein Engländer Olympiasieger 1980 in Moskau? Geht das überhaupt, wir haben doch boykottiert? Ja. Wir. Die Engländer fuhren nach Moskau, fast der gesamte Westen außer den USA machte mit, nur der Carter-treue deutsche Kanzler Schmidt setzte bei uns den Olympiaboykott durch. Unvergessen das »Boykotterl« der Österreicher: Beim Einmarsch grüßten sie freudig in die Runde, nur vor der Ehrentribüne, wo die politische Prominenz saß, schauten sie streng und strafend geradeaus. Einer soll sogar ein Fäustchen in der Trainingshose geballt haben.
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Alte Geschichten. Noch so eine, die wieder hoch kam, als Mona Barthel jetzt in Australien bis zu ihrem Ausscheiden Schlagzeilen schrieb. Sie ist die Tochter des einst größten deutschen Kugelstoß-Talentes Wolfgang Barthel. Der damalige Junioren-Europameister beeindruckte seine Konkurrenz nicht nur mit großen Weiten, sondern auch mit einer Spezialübung: Er konnte im Stehen eine volle Bierflasche halten.
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Können viele? Ja, mit der Hand. Aber Barthel trug die Flasche freihändig, gehalten nur von und zwischen seinen gewaltigen Brustmuskeln.
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Können Sie auch? Glaub ich nicht. Aber Foto-Beweise werden gerne veröffentlicht.  (gw)

Baumhausbeichte - Novelle