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Ich bin auch nicht Rappaport, aber da muß ich Deiner Einschätzung widersprechen. Selbstredend ist der Sturm im Internetwasserglas vernachlässigbar. Andererseits ist ein Theaterstück, das den Gegensatz aka die Begegnung Schwarz / Weiß thematisiert, nur erzählbar als eine Geschichte über den Gegensatz aka die Begegnung Schwarz / Weiß. Dieser Gegensatz aka die mögliche oder erfolgte Begegnung ist Bestandteil der Geschichte der USA. Wenn nun 38 von 40 deutschen Theatern meinen und / oder gemeint haben – und dies bisher unbemerkt von Publikum und Presse und Internetzen – sich aus der Verantwortung einer Besetzung (ein Schwarzer und ein Weißer!) herausschleichen zu können, die dieses wunderbare Stück von Herb Gardner erst erzählbar macht, und trotzdem auf eine irgendwo kassenfüllende Verwertbarkeit zu spekulieren, dann spricht das eher nicht für die Sensibilität oder die eigentlich geforderte Nachdenklichkeit deutscher Theaterleiter. Keinen schwarzen Schauspieler soll es geben in Berlin? Der vermeintliche Skandal ist wohl eher die Denkfaulheit und der Druck der Kasse. (Christian Lugerth)

Christian Lugerth bezieht sich auf den letzten “Sport-Stammtisch”. Der Schauspieler und Regisseur, ein alter Freund der “Anstoß”-Kolumnen,  muss hier nicht mehr vorgestellt werden. Wer mehr von ihm erfahren will, sei auf seine sehr lesenswerte Homepage (www.lugerth.de) verwiesen. In meiner Antwort an Christian Lugerth schrieb ich: Mit meinem journalistischen Halb- bis Viertelwissen habe ich glossiert, was ich gelesen habe, ohne das Stück zu kennen. Seriös könnte ich nur etwas dazu kommentieren, wenn ich das Stück gesehen hätte. Ohne in die Tiefe gehen zu können, glaube ich aber dennoch, dass die Heftigkeit der Internet-Reaktionen nach zuvor null Aufregung zumindest typisch für heutige Empörungs-Kampagnen ist. 

 Lugerths Reaktion darauf muss nun unbedingt nachgetragen werden,  alleine wegen der Verfügung des Autors, aber auch wegen des Denkanstoßes, es mal »umgekehrt« zu sehen (übrigens eine Lieblingsposition von mir in Diskussionen mit sehr fest Überzeugten; daher hätte ich von selbst auf solche absurden Situationen wie die von Christian Lugerth geschilderten kommen müssen). 

Mit der Empörungsucht im Netz hast Du vollkommen recht. Dennoch, richtig geschickt ist das nicht, was Didi Hallervorden da macht. Früher war – bis vor etwa 10, 12 Jahren hat man dieses Stück in Deutschland gerne mit zwei alten Männern besetzt – Farbe wurscht. Irgendwann muß wohl der Autor verfügt haben, man möchte doch – wie von ihm vorgesehen – die Figur des Midge mit einem Schwarzen besetzen. Oder zumindest den Unterschied der Hautfarbe zum Thema machen. Ob das dann die Lösung ist, einen Weißen schwarz anzumalen?
Ich muß da immer an ein Erlebnis im Kölner Karneval denken. Es gibt da – immer noch – einige Truppen namens »Negerköpp« oder ähnlich,  die sich in schwarze Klamotten werfen, das Gesicht schwarz anmalen und sich einen Bastrock um den Bierbauch schnallen. Ich betrat also einstens meine damalige Stammkneipe und am Tresen tranken einige dieser »Negerköpp« ihr Kölsch, was schon lustig genug aussah. Die Tür ging auf und zwei schwarze »Normalneger« betraten das Lokal. Soviel Fassungslosigkeit sah ich selten im Blick, übrigens bei beiden Parteien dieser kuriosen Begegnung. Ich habe mir dann mit Costa, dem griechischen Wirt der Kneipe, ausgemalt, wie es wohl wäre, man beträte eine Kneipe in – sagen wir – Mombasa und am Tresen stünden zwei Schwarze in weißen Strumpfhosen, Clownsschminke im Gesicht und in Lederhose und Wadelstrumpf gewandet.
Charles Huber, seines Zeichens schwarz und Schauspieler,  hat Hallervorden vorgeschlagen, er möge sich schwarz anmalen und den Midge spielen, dann würde er sich weiß anmalen und die Rolle seines Partner Nat übernehmen. Gute Idee.  (Christian Lugerth)

Baumhausbeichte - Novelle