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Sonntag, 15. Januar, 7 Uhr.

Verschlafen. Erst um sechs Uhr aufgewacht. Hektik. Ausgerechnet heute ist das Auto von einer hartnäckigen Eisschicht überzogen. Wie ein alter Vettel in die Redaktion gedüst. Thema bei den HR-”Inspirationen”: Treue. Für mich wäre ein anderes Thema angebracht: Zwanghaftigkeit. Niemand zwingt mich, niemand lobt mich, niemand tadelt mich, niemand belohnt oder bestraft mich dafür, wenn ich am Sonntag Morgen statt um halb sieben schon um viertel nach sechs oder um viertel vor sieben in meinem Redaktionsstübchen sitze. Die Viertelstunde heute könnte auch eine halbe oder ganze Stunde oder gar zwei sein, irgendwie würde ich die Zeit wieder einarbeiten, zumal heute am Nachmittag keine mich interessierenden Fußballspiele anstehen, die ablenken und Zeit rauben könnten. Ich weiß also, was Zwanghaftigkeit ist. Sie auch, zumindest einige von Ihnen, die bei den “Wer bin ich?”-Runden mitmachen. Im Lauf des letzten Jahres wurden die Teilnehmerzahlen etwas geringer und der Einsatz der weiter Mitmachenden sehr viel größer. Einige stiegen aus, weil sie der Sucht entkommen wollten, sich ein, zwei und mehr Wochen lang in den jeweils aktuellen Fall zu verbeißen, manche aber wurden rückfällig und danach um so engagierter, da sie Punkte verpasst hatten. Wieder andere machen immer weiter, obwohl sie sich gerne abnabeln und nur noch zum Spaß mitraten würden. Ich weiß das alles, weil die “Süchtigen” in Mails  ihre Sucht eingestehen und sich manchmal sogar mit herzlichen, bedauernden Worten verabschieden (um dann doch wieder mitzumachen). Wenn ich schon nicht die eigene Zwanghaftigkeit ablegen kann, will ich wenigstens helfen, die der Leser zu therapieren. Wie, weiß ich noch nicht so richtig. Vielleicht die nächsten Runden dezent und beiläufig im Rahmen des Sport-Stammtischs veröffentlichen, die “ewige” Top 10 seltener auflisten, die Runden in noch größeren Abständen bringen – mal sehen. Erst einmal bekommt die abgeschlossene Runde in dieser Woche ihre Auflösung plus ehrenvolle Erwähnung der erfolgreichen WBI-Spurensucher.

Spurensuche in den Nachtmeldungen der Agenturen: Streit ums Schneeschippen  – Ex-Rodler Hackl verletzt / Bonnie und Clydes Waffen werden versteigert / Alaska stöhnt über ungewöhnlich harten Winter / Katze aus dem Fenster geworfen  Passantin im Koma / Polizei jagt Nackten – Ausrede verblüfft Beamte. Die letzten beiden Meldungen klingen nach Fake. Mal reinschauen:

(dpa) – Ein hitziger Ehestreit hatte in Argentinien
dramatische Folgen für eine unbeteiligte Passantin. In Buenos Aires
wollte Medienberichten zufolge ein wütender Ehegatte seiner Frau eine
 Katze an den Kopf werfen. Er verfehlte allerdings sein Ziel und die
Katze flog aus dem Fenster im vierten Stock. Das Tier landete auf dem
Kopf einer 85-jährigen Passantin. Die Frau erlitt einen Schädelbruch
und lag längere Zeit im Koma. Der Vorfall ereignete sich bereits im
Juli, wurde aber erst am Freitag (Ortszeit) bekannt, berichtete die
Nachrichtenagentur DyN. Das Unfallopfer liege immer noch im
Krankenhaus, hieß es. Über den Gesundheitszustand der Katze gab es
keine Informationen.

 Wetten, dass die dpa-Kollegen feixten, als sie die Meldung versendeten!? Auch der Nackte ist obskur:

 (dpa) – Ein splitterfasernackter Mann hat der Polizei
in Geislingen bei Stuttgart eine erstaunliche Begründung für seinen
unbekleideten Ausflug aufgetischt. Er übe fürs Nacktbaden, erklärte
der 25-Jährige den verdutzten Beamten, die ihn am Samstag um 3 Uhr
morgens auf einer Straße erwischten.

Hier noch eine Meldung für die Montagsthemen, ein echter Knüller: Die Australian Open wurden kurz vor dem Start abgesagt. Von einem Deutschen! Schlagzeile: Mayer sagt die Australian Open ab. Ja, ja, ich weiß, alte Rumreiterei auf Sprachschlampigkeiten. Bin doch selbst schlampig genug. Hoffentlich nicht in den gleich zu schreibenden Montagsthemen. Zeit zur Unschlampigkeit ist ja genug.

Baumhausbeichte - Novelle