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Montagsthemen (vom 16. Januar)

Letztes Sportwochenende ohne »ihn«. Ohne Fußball. Spannende Frage: Kommt der BVB, noch ohne Reus, aber beflügelt von seinem baldigen Kommen, auf Augenhöhe mit den Bayern? Auch diese vorhersagefreudige Kolumne wagt keine Antwort. Nach Stil und Auftreten drängt sich aber eine Parallele auf: Bayern und BVB, das könnte sich zu einem Duell unterschiedlicher Fußballphilosophien entwickeln wie jahrelang zwischen Manchester United und Arsenal London. Dort hat Arsenal seinen jugendlichen Überschwang und das Duell allerdings mittlerweile verloren – und auch ManU schwächelt.
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Spannende Frage ein Stockwerk tiefer: Schafft die Eintracht, was sie einfach schaffen muss? In der Frage liegt schon das Dilemma, das auch das des vielzitierten und kritisierten »Umfelds« ist, dem mangelndes Engagement vorgeworfen wird. Nicht den echten Fans, wie »unserem« Henni Nachtsheim, die auch in Liga zwei mit heißem Herzen dabei sind. Nein, es geht um die vielen, vielen ebenso desinteressiert wie anspruchsvoll Abwartenden, die den ganzjährigen Zweitligawinter in ihren Arroganzhöhlen verschlafen.
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Das ist kein anklagendes Deuten mit dem hessenmoralpatriotischen Zeigefinger auf andere, denn dann deuteten etwa siebzehn seiner Finger auf einen gewissen mittelhessischen Sportkolumnisten zurück. Doch das Dilemma bleibt: Wer genau hinschaut, erkennt, dass die Eintracht nicht so stark und die Konkurrenz nicht so schwach ist, dass die unehrenhafte Sitzenbleiber-Runde viertelherzig zu absolvieren wäre, dreiviertelherzig schon in der nächsten Saison schwelgend, den Bayern, BVB und Co. im stolzen Geiste Paroli bietend. Um sich nicht mit . . . Paderborn beschäftigen zu müssen. Paderborn!
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Hochmut kommt in diesem »Fall« (Abstieg) nach demselben und erschwert das Wiederaufsteigen. Aber da ist einfach nichts zu machen: Wer »Achtung, Paderborn!« in die Arroganzhöhle brüllt, dem tönt entgegen: »Weckt mich gefälligst erst in Liga eins!« Und dann wird weitergeschnarcht.
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Spielerrevolte in Stuttgart: Cacau, praktizierender Christ und Menschenfreund, wird aus dem Mannschaftsrat abgewählt. Cacau hat wohl Matthäus 22 überinterpretiert: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. In der fußballerischen Gleichsetzung von Nächstem und Selbst kann man auch gleich selbst aufs Tor schießen, statt zum Nächsten zu passen. Und das passt den Nächsten nicht. Siehe oben.
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Schockmeldung: Die Australian Open fallen aus! Ausgerechnet ein Deutscher maßt sich an, die ganze Veranstaltung abzusagen, nur weil ihn die Leiste zwickt: »Verletzter Florian Mayer muss Australian Open absagen« (dpa). – Ja, schon gut, alte Rumreiterei auf Sprachschlampigkeiten. Wer selbst oft schlampig genug ist, sollte auf überhebliches Aufspießen von Schludrigkeiten anderer verzichten, sonst sagt er selbst mal eine »Olympiade« ab. Die bald gar kein Fehler mehr ist, denn so, wie die Spiele aufgeblasen werden, dauert Olympia demnächst sowieso eine ganze Olympiade (= Zeitraum zwischen den Spielen) lang bis zur jeweils nächsten Olympiade.
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Auch bei sportmedizinischen Fachfragen sollte sich der Laie zurückhalten. Zum Beispiel bei Andrea Petkovic. Sie musste ebenfalls die Australien Open »absagen«. Grund: Ermüdungsbruch im Ilio-Sakralgelenk. Sehr seltene Sache, angeblich gibt es weltweit nur 29 gleiche Fälle. Das Ilio-Sakralgelenk ist die Achillesferse im Lendenwirbelbereich (bitte nicht in den »Hohlspiegel« aufnehmen, ist Absicht). Kommt es aus der Balance, bewirkt es Beckenschiefstand mit allen daraus resultierenden Beschwerden. Der dort ansetzende Musculus iliopsoas, der Lenden-Darmbeinmuskel, ein Hüftbeuger, ist einer der wichtigsten Sportmuskeln überhaupt und wird oft vernachlässigend übersehen, da er im Gegensatz zu Oberarmbizeps oder Oberschenkel-Quadrizeps kaum zu sehen ist, obwohl er »der« Sprintmuskel schlechthin ist.
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Aber statt sportmedizinisch herumzudilettieren, sollte hier lieber die unangreifbare Diagnose des Kollegen Chefredaktionsstellvertreter aus Grevenbroich gestellt werden: »Petko« hat Rücken. (gw)

Baumhausbeichte - Novelle