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Mittwoch, 11. Januar, 13.25 Uhr.

Der Hund vom Leiterhof kommt mir am Waldrand entgegengelaufen. Verbellt mich wütend. Beschwichtigend raune ich ihm Liebkosungen ins Ohr. Freundlich . . . nein, nicht leckt, aber beschnüffelt er die hingehaltene Hand. Der Hundeflüsterer fährt weiter, erstmals seit vielen vermatschten Tagen wieder auf der Standardstecke unterwegs. Wie gut das tut. Und wie schön, dass das Hundchen doch noch ab und zu auf Streife gehen darf (siehe Blog-Eintrag vom . . . von wann? Weiß nicht mehr. Irgendwo weit hinten).
Lange keine böse Post mehr bekommen. Jetzt ist eine da. Kommt aber leider nicht in den »Anstoß«, da der Absender seinen Verriss mit »Leserbrief« überschrieben hat. Da ich mir aber sonst nichts gönne, mache ich ihn wenigstens im Blog auch für Nicht-WZ-Leser zugänglich.
 

In der Sport-Glosse »Anstoß« der WZ hat sich ein (gw) darüber mokiert, dass die ARD einen ganzen Tag lang Wintersport übertragen habe (»von Sonnenauf- bis weit nach Sonnenuntergang«), darunter auch so abseitige Sportarten wie Skeleton. Als ehemaliger Redakteur eines ARD-Senders finde ich das auch nicht sonderlich unterhaltsam, doch könnte ich mir vorstellen, dass es durchaus gute Gründe für solch eine Programmentscheidung gibt. Beispielsweise ist denkbar, dass so auch Randsportarten eine finanzielle Unterstützung erhalten und nicht nur der Profifußball mit seinen oft hirnverletzten Großverdienern. Auch die Konzentration beim Sendetermin lässt sich leicht erklären: Angesichts des Klimawandels kann niemand genau vorhersagen, ob und wie lange das Winterwetter mitspielt. Daran sollte man eigentlich denken, wenn man sich über Kollegen lustig macht (»Bahn frei, Kartoffelbrei!«). Zumal dann, wenn man gerade über einen längeren Zeitraum Uraltglossen neu gedruckt hat, die man einst selbst verfasst hat, und die schon bei ihrem Ersterscheinen nicht sonderlich lustig waren. Gewiss, Plagiatsvorwürfe sind da nicht so sehr zu befürchten. Aber auch mir fällt dabei ein Spruch aus jüngeren Jahren ein: »Wenn über eine dumme Sache endlich Gras gewachsen ist, kommt sicher ein (gw) gelaufen, das alles wieder runter frisst. (Dr. Czaplinski,  Friedberg)

Eigentlich gut, dass ich nicht im »Anstoß« darauf eingehen kann, denn obwohl bei mir die journalistische Grundregel gilt, dass der Leser immer Recht hat (jedenfalls wenn er Abonnent ist), fiele es mir sehr schwer, nicht  die aparte Klimawandel-Argumentation des ehemaligen ARD-Redakteurs zu kommentieren. Bedenkenswert ist aber in jedem Fall die Kritik an den »Uraltglossen«, also an der Rubrik »Nachdruck«. Zwar bin ich der Meinung, dass einer der wenigen Vorteile fortschreitenden Alters die Tatsache ist, mehr, länger und intensiver als andere  Journalisten Sporthistorie miterlebt und mitkommentiert zu haben, und zudem als Ex-Leistungssportler mit dem glaubwürdigsten Informanten, den man haben kann (Einschränkung: Wenn man der eigenen Erinnerung vertrauen darf; dazu mehr auch am Samstag in der »Nach-Lese« im Ressort  Feuilleton), aufwarten kann, so dass Rückblenden durchaus interessant sein und  informative Rückschlüsse auf aktuelle Themen erlauben sollten, aber (uff, das wird ja wieder ein parataktisches Satzungeheuer! Sorry, aber jetzt muss ich durch:) vielleicht stehe ich mit dieser Meinung alleine da. Was halten Sie von den Uraltglossen? Falls nichts, fliegen sie raus.
Berichtigen will ich in der Samstag-Kolumne eine echte Fehlleistung: Wie ich gestern gesehen und heute gelesen habe, war die »Rallye Absurdistan« der Münchner Bayern nicht so absurd wie von mir beschrieben, denn entgegen anderslautender Vorabinformationen lag die  Neu-Delhi-Etappe nicht zwischen den Trainingseinheiten von Katar, sondern am Ende als Zwischenstopp auf dem Rückflug nach München. Auch ein ganz schöner »Schlauch«, aber eben doch kein »Absurdistan«.
So, gleich kommt auch die »literarische« Kolumne für Donnerstag online, mit aus meiner Sicht herrlichen Zitaten von Julian Barnes und Martin Mosebach.
Zuletzt noch ein Gefühl: Overkill. Kommt langsam auf in Sachen Wulff. Unabhängig von der Qualität und/oder Aufrichtigkeit der vorgebrachten Vorwürfe erlahmt langsam das Aufnahmevermögen und Aufnahmebedürfnis der Öffentlichkeit, und wenn das Trommelfeuer dennoch weitergeht,  wird der Ärger, weiter wachsend, das Objekt vom Angegriffenen auf die Angreifer wechseln. Das »Aussitzen« könnte also funktionieren, wenn nicht noch silberne Löffel gefunden werden, die aber echte »Hämmer« sein müssten.

Baumhausbeichte - Novelle