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Montagsthemen (vom 9. Januar)

Bei uns nur Fußball. In Köln schleimt sich ein NRW-Minister bei den FC-Fans ein, indem er Lukas Podolski in einem Offenen Brief bittet, dem Verein treu zu bleiben. Genauso peinlich wie damals der Offene Brief eines heutigen Hessen-Ministers, in dem er forderte, Friedhelm Funkel zu feuern. Sie reden dem Volk nach dem Mund, weil sie glauben, ihm aufs Maul zu schauen. Sie sollten es lieber halten. Das Maul. Und das Volk bei der Stange, statt dessen Politikverdrossenheit zu steigern.
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Selbst bei den größten Prinz-Poldi-Royalisten dürfte der Offene Brief das Gegenteil des Erhofften bewirken: Spott. Denn das Ressort des Ministers sind ausgerechnet die Finanzen. Logik der FC-Fans: Da in NRW besonders gerne Schulden gemacht werden, sollte der Finanzminister keinen Offenen Brief schreiben, sondern einen Zwanzig-Millionen-Etatposten »Poldi« im Haushalt verstecken. Sind dort sowieso nur Schulden-Peanuts.
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Die HR-Sportreporterin spricht von einer »Blamage« für Eintracht Frankfurt beim Hallenturnier. Keine frauliche Fußball-Fehlinterpretation, sondern auch männliche Fußballflachfachfloskel in diesen fußballfreien Tagen. Fußballprofis können sich vielerlei blamieren, aber nicht in der Winterpause beim fröhlichen Hallenkick. Seit das unselige Hallen-Masters keine Rolle mehr spielt (einst, alte »Anstoß«-Litanei, ein Abstiegs-Sargnagel für Eintracht Frankfurt), ist gegen das lustvolle »Räusen« unterm Dach nichts mehr einzuwenden, wenn es als auflockernde Abwechslung ins monotone Aufbautraining integriert wird. »Blamieren« kann sich dabei ein Profi allenfalls wie beim Ringtennis oder sonstigem Bewegungs-Schabernack. Für den weiteren Saisonverlauf spielt die »Blamage« eine geringere Rolle als ein in China umkippendes Hallentor.
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Empört-fassungslose Kommentare zur Randale beim Hallenturnier in Hamburg: »Das hat mit Fußball nichts mehr zu tun!« Stimmt. Sondern mit Randale. »Ist das noch Fußball?« steht unter unserem Lieblings-Zeichenwitz (von Bernd Pfarr). Das Bild zum Text: Ein Mann mit Skiern an den Füßen, Taucherbrille auf der Nase und einer Hantel in den Händen springt vom Zehnmeterturm ins Wasser. »Ist das noch Fußball?«
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Manche schmeißen sich weg, andere suchen vergeblich nach dem Witz im Witz. Was ist Humor? Wie wird er definiert? Berufenere haben sich daran abgearbeitet, wir lassen das lieber und geben zu: keine Ahnung. Nur eine vage Vermutung: Humor ist Ausdruck einer Lebenshaltung. Jeder hat seine(n) eigene(n). Den wahren Witz im Pfarr-Cartoon, ihn kann man nicht erjagen, nur erfühlen.
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Manchmal aber hilft beim Humor etwas Fachwissen. Wer bei Pfarrs Turmspringer nicht weiß, wie oft in Sportreportagen und Interviews die entrüstete vorgetragene Fußballflachfachfloskel »Das hat mit Fußball nichts mehr zu tun« auftaucht, wird den Witz nicht voll auskosten können.
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Zugabe: Bitte dreimal schnell hintereinander sagen: Fußballflachfachfloskel, Fußballflachfachfloskel, Fußballfachflachfoskel. Ein neues Flanellläppchen unter den Verbalalkoholtests. (gw)

Baumhausbeichte - Novelle