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Wer bin ich? (1. Runde 2012)

Die »Wer bin ich?«-Saison beginnt mit dem Startschuss zu einem Suchlauf, bei dem jeder gewinnt, der ans Ziel kommt. Siegespreis: eine ehrenvolle namentliche Erwähnung im Rahmen dieser Kolumne. Der heute Gesuchte gewann allerdings auch, ohne ans Ziel zu kommen. Ob das schon ein Tipp zu viel ist?
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Als Vater starb (ich trauerte ihm nicht sonderlich nach) und die Lebensversicherung ausgezahlt wurde, dachte ich, endlich auch einmal ein Stück vom Kuchen erwischt zu haben. Wir kauften einen Fernseher, was damals und vor allem in meiner sozialen Umgebung ein teures neues Statussymbol war. Wir kauften . . . und kauften und kauften. Dann war das Geld weg und ich arm dran wie eh und je. Nach einem Bruch in einer Bäckerei wanderte ich in den Knast, und dort wanderte ich dann nicht mehr, denn ich entdeckte eine andere Form der sportlichen Betätigung.
Das Training gefiel mir. Mir wurde dabei einiges über mich klar. Meine psychische und soziale Situation ist zusammen mit meiner Sportart sprichwörtlich geworden.
Ich startete für den Verein ZJM, den Klub der zornigen jungen Männer. Das heißt, nicht ich startete für den Klub, sondern der Klub beziehungsweise einer seiner Macker ließ mich unter der ZJM-Flagge starten. Ich weiß übrigens nicht, ob »meiner« sauer war auf den damals populärsten ZJM-Macker, der ein noch bekannteres geflügeltes Wort geprägt hatte.
Ich aber blicke nicht im Zorn zurück. Das Training hat mich geprägt, und was ich im Wettkampf tat, hat mich unsterblich gemacht. Verlierend habe ich zu mir selbst gefunden. Finden auch Sie mich?
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Gesucht wird der volle Name des Sportlers, nicht das mit ihm verbundene geflügelte Wort und auch nicht der Name des »ZJM-Mackers«. Einsendeschluss: 13. Januar. (gw)

Baumhausbeichte - Novelle