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Sonntag, 1. Januar 2012, 7.00 Uhr.

Mit dem Bild ins neue Jahr: Auf regennass glänzender Straße, auf dem Bürgersteig kurz vor der Redaktion, küsst sich eng umschlungen ein selbstvergessenes Paar. Guten Morgen, 2012. Die ersten Meldungen der Nachrichtenagenturen: Regen, Samba, Volksfeststimmung in Sao Paulo, Seehofer stellt Rente mit 67 in Frage, New York feiert mit Lady Gaga, US-Zwillingssonde in der Mond-Umlaufbahn, Volk soll Kim Jong bis zum Tod schützen. Na ja, noch nichts Weltbewegendes. Aber jetzt, um 6:47 Uhr gemeldet: Schweres Erdbeben in Tokio der Stärke 7,0. Noch keine näheren Angaben.

In Hessen wurde gedämpft gefeiert, zumindest phonmäßig. Kracher und Raketen hatten kaum eine  Chance gegen Nieselregen und Nebel. Bei uns geht’s weiter as every year: “Montagsthemen”, “Ohne weitere Worte”, ein WBI-Rätsel, ein “Nachdruck” (vielleicht als Doppel-Ausgabe), dann schon wieder Samstags-”Stammtisch”.  Die gleich zu schreibende Kolumne wird bei Stammlesern ebenfalls das Murmeltier grüßen lassen.

Das ineinander und umeinander verschlungene Paar auf dem Bürgersteig. Es hält sich und die Welt zusammen. Bürgersteig: Ein merkwürdig gravitätisch klingendes Wort. Das gleichbedeutende wurde in der Kindheit das erste benutzte Fremdwort: “Trottwa”. Nett wahr?

Baumhausbeichte - Novelle