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Sonntag, 1. Januar, 16.10 Uhr.

Der beste Deutsche in Durchgang zwei auf Platz sieben  zurückgefallen, zwei Österreicher vorn, beide auch in der Gesamtwertung, der “alte” Deutsche nicht qualifiziert – Kurzfassung des soeben beendeten Neujahrsspringens. Das war früher, in Kinderzeiten, der Höhepunkt des Neujahrstages. Das Daumendrücken galt Max Bolkart, später Jörg Thoma. Wer kommentierte? Mägerlein? Mehl? Oder schon Valerien? Nee, das ZDF gab’s ja noch gar nicht. Zuvor spielten morgens manchmal im lokalen Stadion die Schornsteinfeger gegen die Bäcker, eine allerdings auch in der Erinnerung schon verblasste Tradition. Erst tags darauf, in der Zeitung, für die jetzt geschrieben wird, erfahren, wer den Silvesterlauf in Sao Paulo gewonnen hatte. Damit war der große Sport-Dreier des Neujahrstages komplett, von dem man noch tagelang schwärmte und zehrte. Bis zum nächsten Fußballspiel des VfB 1900 (ja, ohne Winterpause, ihr Weicheier!). Schornsteinfeger/Bäcker-Mat(s)ch gibt’s nicht mehr, Sao Paulo ist nur noch ein Randereignis, aber die Tournee übernimmt deren Rollen mit. Doch ob heute noch Zehnjährige nach dem letzten Sprung auf die Straße laufen und begeistert – Hände nach vorn! – die Springer nachahmen? Natürlich ohne Ski, so was hatten wir früher nicht. Aber auf Schnee. Den hatten wir immer, na klar, denn früher war nicht nur mehr Lametta.

Nur das nostalgische Gekreine von Früherwarallesbesser-Opas war früher nicht mehr, sondern ist heute wie früher unüberhörbar, auch wenn die, denen es vorlamentiert wird, es nicht mehr hören können. Aber da müsst ihr durch! In 50 Jahren könnt ihr euch rächen.

Um halbwegs seriös zu werden: In der neuen Rubrik “Mailbox” sollen bemerkenswerte Leser-Mails ungekürzt und kommentarlos zu lesen sein. Heute die drei ersten Mails des Jahres, im dritten Fall mit dem angesprochenen Leserbrief als Anhang. Folgt in wenigen Sekunden.

Baumhausbeichte - Novelle