Archiv für Januar 2012

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Anbei ein Link zu einem Bericht über eine 13-jährige Gewichtheberin. Ich bin aus dem Thema »Trainingswissenschaft« lange draußen, dachte aber behalten zu haben, dass Krafttraining »über Eigengewicht« in der Wachstumsphase eher unterbleiben sollte.  Kannst Du das bestätigen oder korrigieren? (Richard (Albrecht)

  http://de.eurosport.yahoo.com/29012012/73/buntes-staerkste-13-jaehrige-welt.html

Angeguckt. Grenzwertig, aber von den Übungen her nicht so schlimm, wie ich dachte. Dass Mädchen überhaupt Leistungs-Gewichtheberinnen werden wollen/sollen und hart dafür trainieren, halte ich jedoch generell für ziemlich irr.

Veröffentlicht von gw am 31. Januar 2012 .
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Ein neuer alter Hut (vom 1. Februar)

Niemand glaubt noch, dass die Quadratur des Kreises gelingen oder das Perpetuum mobile gefunden wird. Aber fast im Jahrestakt werden neue Zauberformeln aus dem Zylinder gezogen, die den Fitnesswundergläubigen in die wie magisch anziehende Falle tappen lassen, mit minimalem Aufwand maximale Wirkung erzielen zu können. Doch die aus dem Zylinder gezogenen Kaninchen sind nur alte Hüte. Wenn man den Zauberern genau auf die Finger schaut, erkennt man das wahre Kunststück: Die jeweils neue Zauberformel verwandelt sich über das Kaninchen und den Hut in einen neuen Schlauch, in dem alter Wein ruht. Und in vino veritas.
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Der neueste Hit ist der bisher älteste Hut: »Endurex«, gerade erst im »Wissen«-Ressort der »Zeit« enthusiastisch vorgestellt: »Hier hat man ihn vielleicht gefunden, den Stein der sportwissenschaftlichen Weisen – die Formel, die schon Hunderte Ratgeberautoren und Pillenhersteller versprochen und nicht geliefert haben: kurzes Training = große Wirkung auf Kraft und Ausdauer.«
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Da haben wir es wieder: Minimaler Aufwand, maximale Wirkung, verbunden mit dem Bekenntnis, dass der Hokuspokus zuvor jeweils nur fauler Zauber war. Wie zuletzt das 2010 im »Spiegel« vorgestellte Intervalltraining, das »doppelt so wirksam wie ein normales Workout« sei: »Schon weniger als eine Stunde pro Woche zeitigt offenbar den gleichen Effekt wie die Quälerei jeden zweiten, dritten Tag beim Joggen oder Fahrradfahren.« Doch dieses »brandneue« Intervalltraining war in den 50er Jahren das Normaltraining der Mittel- und Langstreckenläufer (mit Varianten wie dem – schönes altmodisches Wort – »Fahrtspiel«), und erst, als das Intervalltraining seine Hauptrolle an das stete und sehr lange Laufen verlor, kam es im Ausdauersport zu einem Leistungs-Quantensprung. Mittlerweile sind die Trainingssysteme im Hochleistungssport hochkompliziert, auch in Intervallen wird trainiert, doch Gelegenheitsjoggern ist von der Nachahmung wegen Verletzungs- und Gesundheitsrisiken dringend abzuraten.
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Ein Jahr zuvor hatte der »Spiegel« einen anderen »HIT« (»Hochintensitätstraining«) als »Turbo-Trainingsmethode« angepriesen, die, na klar, »bei minimalem Zeitaufwand rasanten Muskelzuwachs« verspreche. Doch auch dieser Hit war ein Oldie, basierend auf dem guten alten Pyramidensystem, also, vereinfacht ausgedrückt, mit steigenden Gewichten bei sinkender Wiederholungszahl zu trainieren, bei einmaligem Heben des maximal möglichen Gewichts als Pyramidenspitze. Die so antrainierten Muskeln sehen nicht nur stark aus, sondern sind es auch, im Gegensatz zu denen, die durch typisches Bodybuilding (sehr viele Wiederholungen im sehr submaximalen Bereich) erworben werden.
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Und nun also »Endurex«. Ein »Zeit«-Redakteur macht den Selbstversuch: »Meine Beine sind abgebunden. In ihnen fließt kein Blut mehr, es steht still. Druckmanschetten um die Oberschenkel halten es zurück.« Aha, der neueste Hit ist also ein doppelt alter Hut, denn er basiert nicht nur, wie die Erfinder sogar zugeben, auf dem »HIT« (siehe oben), sondern letztlich auf dem »Flushing« (Blutzufluss), das schon V. M. Zaciorskij in den 60er Jahren in seinem trainingswissenschaftlichen Standardwerk »Die körperlichen Eigenschaften des Sportlers« beschrieben hat. Zaciorskij ging von der noch viel älteren muskelphysiologischen Regel aus, dass es schon bei 25-prozentiger Anspannung zu einer kompletten Gefäßkompression kommt – auch ohne Druckmanschette. Denn dann ist die Blutzufuhr unterbrochen, der Muskel arbeitet anaerob, und je länger er das tut (die maximale Anspannungszeit wird physiologisch durch die Maximalkraft bestimmt), desto mehr schmerzt das »Flushing«, wenn das Blut wieder zurück fließt. Und je mehr es »flusht«, desto größer ist der Trainingseffekt (warum und wieso, würde hier zu weit führen, es hat mit biochemischen Prozessen zu tun).
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Das Naturgesetz des Trainings verheißt keine wundersamen HITs, mit wenig Training viel Erfolg zu haben, sondern verlangt unerbittlich für auch nur kleine Erfolge größtmögliche Anstrengung. Wer anderes verspricht, ist ein Scharlatan. Also, was tun? Was tun!
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Warum aber werden immer wieder neue Zauberformeln aus dem Hut gezogen? Weil es, und nun sei es zugegeben, dennoch möglich ist, mit minimalem Aufwand maximalen Erfolg zu haben. Wichtigster Hinweis im »Endurex«-Artikel der »Zeit«: Eine Trainingseinheit (zwischen 15 und 45 Minuten) kostet 100 Euro. (gw)

Veröffentlicht von gw am 31. Januar 2012 .
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Montag, 30. Januar, 11.30 Uhr

Auf dem Heimtrainer “Ostrock in Klassik live” gesehen und gehört. Berliner Konzert 2007. Das geht selbst dem steineskältesten Wessiknochen ans Herz. Selbst kannte man die Ostzone, SBZ und Gänsefüßchen-DDR ja nur durch die Grenzkontrollen in Helmstedt und Dreilinden oder im Zug und eventuell beim Tagesbesuch in Ostberlin. Die Diktatur des Spießerproletariats, in dem die Blockwart-Mentalität ihre sadistischen Triumphe feierte, die Schikanen der Grenzwächter, die allgegenwärtigen Mini-Apparatschiks, die martialischen Wachwechsel in Ostberlin, die Geducktheit der Machtlosen, der graue Geruch des armseligen deutschen Realsozialismus, das alles schmetterte den Bundesdeutschen nieder, der, auf der Rückfahrt, endlich auf  ”richtigem” deutschen Boden, vor Erleichterung, diesem kalten Grauen entkommen zu sein,  im Auto vor Freude laut schrie und das nächste beste bundesdeutsche Polizeiauto übermütig anhupte und winkend grüßte. Aber wer dort lebte, leben musste, geduckt oder gefährdet ungeduckt, für den war es trotz allem auch Heimat, Jugend, Liebe, Leben. Ihm das in herzloser Arroganz zu nehmen, indem man zusammen mit dem zu verachtenden System auch den einzelnen Menschen wenn nicht verachtete, dann doch geringschätzte  und von ihm erwartete, nicht nur den Staat, seine Schergen und die vielen Mittäter zu verdammen, sondern auch das eigene Leben als ein schlecht gelebtes und minderwertiges einzugestehen, das baute neue Mauern auf, die immer noch stehen und hinter denen auch, vielleicht nur aus Trotz und dem Widerspruchsgeist des Nichtakzeptierten, manches gedeiht, was uns heute Sorgen macht.

Wenn die Kamera über die Gesichter der seligen Zuschauer fährt, spürt der Heimtrainierende einen Kloß im Hals und schämt sich für manches, was er geschrieben hat, System und Mensch nicht trennend. Und die Musik: ganz groß. Vieles jedenfalls. Karat, natürlich mit den Sieben Brücken, aber auch dem Blauen Planeten, die Puhdys mit dem mitreißenden Alt wie ein Baum, oder ein Solist, dessen Namen nicht einmal gekannt zu haben weitere Scham bereitet: Dirk Michaelis. Als ich fortging und sein a capella gesungenes Wie ein Fischlein unterm Eis sind große späte Entdeckungen des ignoranten Wessis, der bei Wikipedia erfährt, dass Michaelis auf seiner aktuellen Platte deutsch getextete Welthits singt. Wird bestellt! 

Bei den Griechen scheinen wir ähnlich wenig Fingerspitzengefühl zu entwickeln. An unserem Wesen werden sie nicht genesen (wollen). Sie müssen selbst genesen, als Volk das Gefühl haben, die Wende zum Besseren aus eigener Kraft anzugehen und schaffen zu können, mit zurückhaltender und nicht auftrumpfender Hilfe europäischer Freunde. Die können  und sollen aber unnachgiebig bleiben, was die wenigen griechischen Millionen- und Milliardenabzocker betrifft und das System, das es ermöglichte.

Das alles unkontrolliert dahingeschrieben. Für Zwecke außerhalb des Blogs wäre es nur eine Notizensammlung.

Veröffentlicht von gw am 30. Januar 2012 .
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Das gefällt dem auktorialen Rätselschmied, das rategeile Publikum am Nasenring über den Hof zu ziehen. Mich zieht er aber nicht, für mich gilt: So fang ich Tom!
A propos geil: Die Ergüsse des Herrn P. möchte ich noch nicht mal im Blog lesen. (Dr. Sylvia Börgens/Wölfersheim)

Ich auch nicht!

Veröffentlicht von gw am 30. Januar 2012 .
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Ohne weitere Worte (vom 31. Januar)

Durch die Verpflichtung von Ballack wurde die Balance in Leverkusen, das eine junge, aufstrebende und entwicklungsfähige Mannschaft besaß, außer Kraft gesetzt. (…) Was ich bei Ballack festgestellt habe, ist ein fehlendes Erkennen seiner Situation. (Günter Netzer in seiner Bild-am-Sonntag-Kolumne)
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In einem Anflug von Verzweiflung testete er (Anm.: Trainer Veh) schon Caio als Spitze. »Ein Experiment«, sagte er lächelnd. Er weiß, er wird den phlegmatischen Brasilianer nicht mehr ändern. »Er ruht in sich, wie andere mit 60 oder 70.« Caio ist 25. (Frankfurter Rundschau)
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Lothar Matthäus bekommt eine eigene Dokusoap auf Vox. (…) Die Sendung wird Matthäus in seinem Alltag zeigen. (…) We only hope, he has a little bit lucky. (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung)
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Was die in feineren Kreisen übliche Sprache angeht, so soll es hier einmal eine Dame gegeben haben, die ihre Gäste fragte, ob sie ihnen zum Nachtisch »Kompó« reichen dürfe. Man war damit einverstanden, nur einer wollte es genauer wissen: »Was haben Sie denn anzubieten, Apfelmú oder Ananá?« (aus Hermann Unterstögers SZ-Kolumne »Modernes Leben«)
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Es wird auch überlegt, Menschen einzuladen, die eine Herz-OP mit einem Gabelstapler durchführen oder mit einem Lkw über zehn Weinköniginnen springen können. (…) Als Sofortmaßnahme hat man eine Selbstanzeige beim Verfassungsschutz gemacht, damit Gottschalk wenigstens von dieser Behörde regelmäßig beobachtet wird. (»Zippert zappt« in der Welt über das Quotentief der neuen Gottschalk-Sendung in der ARD)
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Gottschalk: »… der alte Katschenbeck saß noch da, ich …« – Beckenbauer: »Schwarzenbeck.« – Gottschalk: »Schwarzenbeck, ja. Katsche, wer war Katsche?« – Beckenbauer: »Katsche.« – Gottschalk: »War auch da?« – Beckenbauer: »Schwarzenbeck.« (Dialog bei Gottschalk, protokolliert von der FAS)
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Wenn jemand daherkommt, dachte Hunkeler, und behauptet, im Besitz der Wahrheit zu sein, so gibt es nur eines. Sofort wegrennen. Als Nächstes wird er einem nämlich, wenn man ihm nicht glaubt, ein Messer in den Bauch stoßen. (aus Hansjörg Schneiders neuem Hunkeler-Krimi »Hunkeler und die Augen des Odysseus«)
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Politiker und Prominente beklagen sich ja oft darüber, falsch zitiert worden zu sein. Den Satz ›Ich habe heute leider kein Foto für dich‹ zum Beispiel hat Heidi Klum nie gesagt, jedenfalls nicht zu ihrem Ehemann Seal, um ihm zu bedeuten, dass er es nicht in die nächste Runde geschafft hat. Und ob Goethes letzte Worte tatsächlich ›mehr Licht‹ lauteten oder »Mer licht hier so schlecht«, ist bis heute umstritten. (SZ-»Streiflicht«) (gw)

Veröffentlicht von gw am 30. Januar 2012 .
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Baumhausbeichte - Novelle