Archiv für Januar 2012

Montag, 30. Januar, 11.30 Uhr

Auf dem Heimtrainer „Ostrock in Klassik live“ gesehen und gehört. Berliner Konzert 2007. Das geht selbst dem steineskältesten Wessiknochen ans Herz. Selbst kannte man die Ostzone, SBZ und Gänsefüßchen-DDR ja nur durch die Grenzkontrollen in Helmstedt und Dreilinden oder im Zug und eventuell beim Tagesbesuch in Ostberlin. Die Diktatur des Spießerproletariats, in dem die Blockwart-Mentalität ihre sadistischen Triumphe feierte, die Schikanen der Grenzwächter, die allgegenwärtigen Mini-Apparatschiks, die martialischen Wachwechsel in Ostberlin, die Geducktheit der Machtlosen, der graue Geruch des armseligen deutschen Realsozialismus, das alles schmetterte den Bundesdeutschen nieder, der, auf der Rückfahrt, endlich auf  „richtigem“ deutschen Boden, vor Erleichterung, diesem kalten Grauen entkommen zu sein,  im Auto vor Freude laut schrie und das nächste beste bundesdeutsche Polizeiauto übermütig anhupte und winkend grüßte. Aber wer dort lebte, leben musste, geduckt oder gefährdet ungeduckt, für den war es trotz allem auch Heimat, Jugend, Liebe, Leben. Ihm das in herzloser Arroganz zu nehmen, indem man zusammen mit dem zu verachtenden System auch den einzelnen Menschen wenn nicht verachtete, dann doch geringschätzte  und von ihm erwartete, nicht nur den Staat, seine Schergen und die vielen Mittäter zu verdammen, sondern auch das eigene Leben als ein schlecht gelebtes und minderwertiges einzugestehen, das baute neue Mauern auf, die immer noch stehen und hinter denen auch, vielleicht nur aus Trotz und dem Widerspruchsgeist des Nichtakzeptierten, manches gedeiht, was uns heute Sorgen macht.

Wenn die Kamera über die Gesichter der seligen Zuschauer fährt, spürt der Heimtrainierende einen Kloß im Hals und schämt sich für manches, was er geschrieben hat, System und Mensch nicht trennend. Und die Musik: ganz groß. Vieles jedenfalls. Karat, natürlich mit den Sieben Brücken, aber auch dem Blauen Planeten, die Puhdys mit dem mitreißenden Alt wie ein Baum, oder ein Solist, dessen Namen nicht einmal gekannt zu haben weitere Scham bereitet: Dirk Michaelis. Als ich fortging und sein a capella gesungenes Wie ein Fischlein unterm Eis sind große späte Entdeckungen des ignoranten Wessis, der bei Wikipedia erfährt, dass Michaelis auf seiner aktuellen Platte deutsch getextete Welthits singt. Wird bestellt! 

Bei den Griechen scheinen wir ähnlich wenig Fingerspitzengefühl zu entwickeln. An unserem Wesen werden sie nicht genesen (wollen). Sie müssen selbst genesen, als Volk das Gefühl haben, die Wende zum Besseren aus eigener Kraft anzugehen und schaffen zu können, mit zurückhaltender und nicht auftrumpfender Hilfe europäischer Freunde. Die können  und sollen aber unnachgiebig bleiben, was die wenigen griechischen Millionen- und Milliardenabzocker betrifft und das System, das es ermöglichte.

Das alles unkontrolliert dahingeschrieben. Für Zwecke außerhalb des Blogs wäre es nur eine Notizensammlung.

Veröffentlicht von gw am 30. Januar 2012 .
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Sonntag, 29. Januar, 6.30 Uhr.

Morgens knapp unter null, trocken, Scheiben eisfrei, Straßen auch, daher in zehn Minuten in die Redaktion geflutscht. In der Stadt staunend an einem ramponierten Helden der Nacht vorbeigefahren: Die Handbewegung kenn ich doch? Selbst oft gemacht? Damit bis nach Marseille gekommen: Arm lässig knapp unter der Horizontalen seitwärts gehalten, Daumen nach oben gereckt. Tatsächlich, ein Anhalter! Bevor mir’s aufgeht, bin ich schon vorbei. Na ja, Hitchhiking in der Stadt, um von der Kneipe nach Hause zu kommen, ist auch nicht gerade cool. Echtes Trampen, über Grenzen hinweg, gibt es nicht mehr. Der Daumen war das Logo einer Generation.
Gestern ein anderes ikonenartiges Logo gesichtet. Auf dem Heimtrainer beim Strampeln den Stones-Film von Scorsese angeschaut. Wieder mal abgestoßen vom Bühnengehabe des Mick Jagger. Keith Richards geht’s wohl ähnlich. Unnachahmlich: Charlie Watts trommelt gelassen vor sich hin, leicht gelangweilt sieht er zu, wie die Buben vor ihm rumturnen. Tags zuvor auf dem Heimtrainer Ringo gesehen. Auch eine DVD: Ringo & Friends live. Mit alten Kämpen wie dem Albino Edgar Winter. Bei ihm stört immer der Gedanke, dass er Scientologe sein soll. Nicht abschweifen. Was wollte ich schreiben? Ach so, das ikonenartige Logo. Nicht der Daumen, sondern die Zunge: Am Ende des Stones-Films, die Leute verlassen das Theater, hängt über der Stadt ein riesiger Vollmond, der sich in den aufgerissenen und von knallroten Lippen umrahmten Stones-Mund verwandelt, mit einsteinartig rausgestreckter Zunge. Und jetzt die dpa-Meldung der Nacht: Skandal im Museum von Lüchow! Lüchow, Lüchow . . . ? Dannenberg! Na klar, da  war ich doch auch mal drin. Jedenfalls dort in der Nähe, direkt am Elbufer. Zonengrenzen-Museum, gruselig, mit allen Grausamkeiten, zu denen die verspießerte Diktatur des Proletariats fähig war. Aber nein, es geht um ein Rolling-Stones-Museum. Es sei  frauenfeindlich, weil im Klo zwei Pissoirs im Stones-Maul-Look hängen, nur ohne Zunge. Aber warum soll das frauenfeindlich sein? Ich dachte immer, das Stones-Erkennungszeichen ist vom berühmten Einstein-Foto inspiriert und soll das Mundmaul von Jagger zeigen. Aber bevor’s beim Montagsthemen-Warmschreiben am Oralurinal zu schlüpfrig wird, schlüpfe ich zum Kaffeeautomaten, hole den Kuchen aus dem Kühlschrank, stapele SZ, FAS, Welt, FR, WamS und BamS neben mir auf, und der Tag beginnt. Same procedure as every sunday.
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Veröffentlicht von gw am 29. Januar 2012 .
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Freitag, 27. Januar, 14.45 Uhr.

Zum „Sport-Stammtisch“ (soeben online gestellt): Ich sei ein Feigling, behauptet der Kollege, weil ich das von Arndt Schöniger geschickte „Brustmuskel“-Bild nicht in die Kolumne stelle. Der hat gut reden, der Maulheld. Er würde, genau wie ich, zu Hause ausquartiert, zum Teufel geschickt oder im Schweinestall endgelagert werden, wenn er’s täte. Im Blog würde ich es tun, doch da mir das Copyright nicht klar ist (wahrscheinlich hat unser Leser das Bild aus dem Internet gefischt), lass ich’s lieber.

Auch das komplette Piwitt-Zitat wollte ich zeitungsgedruckt meiner liebsten Zielgruppe am Frühstückstisch nicht zumuten. Hier ist es, in voller ekliger Länge:

Dieses knappe Kinderröckchen am samtlila Trikot, unschuldig und doch zu nichts anderem gut, als uns entgeisterte Blicke zu gönnen auf einen wahrhaft kostbaren, blühenden Arsch im Höschen. Diese raffinierte Aufzäumung einer shetlandponyhaften Unschuld bis zu dem kleinen Nackenflaum unter den hochgesteckten Haaren, der dich schon hinfällig macht, während du noch wartest auf den größten Moment. Sie greift mit dem Arm hinter sich, sie ergreift mit der Hand das Heck des einen Schlittschuhs und zieht das schöne lange Bein langsam hinter ihrem Rücken bis über den Kopf. In diesem Augenblick trittst du hinter sie und schiebst diesem hochgezüchteten, teuren, blonden, von sich selbst entzückten seins- und immobiliensicheren helvetischen Fleisch den gigantischsten Lümmel deiner kleinen Geschichte von hinten durch die reißende Faser.

Als Piwitt 75 wurde, 2010, feierte ihn die linksintellektuelle, feministisch bewusste feinsinnige und empathiestarke Welt als einen ihrer ganz Großen.

Ach ja: Mein F.-Wort hat mit all dem überhaupt nichts zu tun. Aber Nachfragen zwecklos (gelle, lieber Waltehr Roeber!), das Geheimnis bleibt ein Geheimnis

Veröffentlicht von gw am 27. Januar 2012 .
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Freitag, 27. Januar, 10.30 Uhr.

Das F.-Wort. Es bleibt mein kleines Geheimnis. Ungoogelbar bis in alle digitale Ewigkeit.

Veröffentlicht von gw am 27. Januar 2012 .
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Donnerstag, 26. Januar, 17.35 Uhr.

Fingochmatos.

Donnerstag ist Schwamm-Tag. Aufsaugen von Informationen, Notizen, Zettelkasten. Zusammenpuzzeln kommt später. Am zweitschönsten und zweitirrsten heute: Der Bayern-„Sturm der Entrüstung“. Das haben sie nun davon, wenn sie halsbecherisch auf den Internet-Facebook-Livestream-Zug aufspringen und scheinbar Sensationelles vertwittern wollen. „FC Bayern verpflichtet Offensiv-Stürmer“, live und exklusiv auf Facebook, und dann kommt die absolute Gag-Bombe, denn die Bayern-Fans sollen als zwölfter Mann dieser „neue Stürmer“ sein. Ha. Ha. Ha. Witzischkeit kennt keine Grenzen.  Tusch. Narrhallamarsch. Die User-Gemeinde winkt nicht gelangweilt ab, sondern nimmt erst ernst und dann richtig übel. Am schönsten und irrsten aber das Hübner-Interview heute in der Frankfurter Rundschau. Das hebe ich mir aber live und exklusiv für den „Sport-Stammtisch“ auf.

Nicht in der Zeitungskolumne, sondern nur im Blog stand der erste Eindruck von Lana Del Rey:

Sonntag, 20. November, 6.30 Uhr: Auf dem Weg in die Redaktion von einer neuen außergewöhnlichen Stimme beeindruckt. Auf dem Display steht »Video Games von Lana Del Rey.« Lana Del Rey? Noch nie gehört. Kommt auf den Wunschzettel.

Heute kommt die Platte raus. Gestern stand in der FAZ  „ein Wutausbruch anlässlich eigentlich guter Musik“. Grund: Weil’s „das nächste große Retro-Ding“ ist. Dagegen hat der Rezensent was. Sein gutes Recht. Da ich aber als reiner Tor an die Video Games geriet, mit null Wissen über die Hintergründe und sowieso bei Popmusik nicht an Texten interessiert, kann ich behaupten, dass zumindest dieses Lied und die Stimme von Lana Del Rey eine magische Wirkung haben  (jetzt natürlich nicht mehr, da es schon abgenudelt ist). Retro? Mir egal.

Nicht retrolike, sondern der Zukunft zugewandt: Fingochmatos – bis in alle digitale Ewigkeit.

(???  Morgen mehr. Vielleicht. Vielleicht heb ich’s mir aber auch für später auf)

Veröffentlicht von gw am 26. Januar 2012 .
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