Archiv für Dezember 2011

Mittwoch, 21. Dezember, 13.15 Uhr

Vor einigen Jahren (2003) gab es in Gießen Diskussionen über die Ehrenbürgerschaft  von Horst Eberhard Richter.  Dazu schrieb ich im „Anstoß“:

Das kleingeistige Gezeter und Gezerre um die Zuerkennung ist armselig genug. Und da Richter – unfreiwillig – unsere Kolumnen seit Jahrzehnten begleitet, da er außerdem viel mit Sport zu tun hat, u. a. Jahre lang bester aktiver AH-Kicker unter allen Psychosomatikern war, und gerade auch weil wir mit dem »gutsten Menschen von Gießen« und »analytisch erhobenen moralischen Zeigefinger der Nation« (Anstoß) manchen Scherz getrieben haben, also des Horst-Ebi-Sympathisantentums unverdächtig sind, muss ich Politzwergen jeglicher Couleur die Frage stellen: Wollt ihr Gießen denn in ganz Deutschland lächerlich machen? Horst-Eberhard Richter ist als Figur der Zeitgeschichte schon längst ohne eure gnädige Zustimmung oder ungnädige Ablehnung Ehrenbürger honoris causa – auch für Gießener, denen Richter gehörig auf den Wecker gehen kann.  Mir zum Beispiel. Einst irritierte mich anlässlich eines Porträts seine dünnhäutige Gekränktheit bei Kritik, seine strikte Verneinung eigener (doch recht ausgeprägter) Eitelkeit amüsierte mich, auch macht mir seine kategorische Gesinnungsethik verantwortungsethisch zu schaffen – aber kaum jemand hat Gießen in der Welt so bekannt gemacht wie Richter, und zwar nicht durch Schandtaten, wie manch anderer Ehrenbürger in Deutschland. Also: Wenn nicht er, wer dann?

 

Horst Eberhard Richter hat zu Beginn meiner sportjournalistischen Tätigkeit eine wichtige Rolle gespielt. Ich widmete ihm eine Sonderseite – oder besser: er als schon weltberühmter Mann gewährte sie mir als jungem Provinz-Journalisten – über Sport als „Miniaturkopie der Arbeitswelt“. Der Mann faszinierte und irritierte mich. Als ich ihn fragte, wie er mit Kritik umgehe (die gab es aus konservativen Kreisen zuhauf), disqualifizierte er alle seine Kritiker in Bausch und Bogen als unwissend und bösartig und verwies auf eine Regalwand voller Ordner . . . in denen er veröffentlichte Lobeshymnen auf  sich gesammelt hatte. Wenn ich ihn auf eine bestimmte Kritik ansprach, von wem auch immer, von Strauß, auch vom „Spiegel“, ging er inhaltlich erst gar nicht darauf ein, sondern zückte zum „Gegenbeweis“ einen der Ordner und las mir vor, was „Cosmopolitan“ oder ein anderes ihm gewogenes Blatt geschrieben hatte. Sehr absurd, sehr komisch, aber auch irgendwie sympathisch, diese eitle Verletzlichkeit. Sport war immer eine Leidenschaft für ihn, legendär ist sein ehrgeiziges Engagement als Fußballer in einer Dozentenrunde. Mir hat die Sonderseite unverdiente Ehren eingebracht: Nicht so genau wissend bzw. wissen wollend, dass zwischen Richter und dem Patriarchen unseres Verlags eine verbissene Intimfeindschaft herrschte, hatte ich mich begeistert auf diese Sonderseite eingelassen, meine eigene und mit niemandem abgesprochene Idee, und daher wurde mir von Richter-Sympathisanten Mut vor Königsthronen attestiert. Aber es war kein Mut, sondern naive jugendliche Bedenkenlosigkeit, und Ärger bekam ich vom Patriarchen, mit dem ich außerordentlich gut zurechtkam und der fast 100 Jahre alt wurde, sowieso nie. Nun ist auch Horst Eberhard Richter tot. Mögen sich beide auf Wolke sieben versöhnen.

Veröffentlicht von gw am 21. Dezember 2011 .
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Dienstag, 20. Dezember, 17.20 Uhr.

Unter den kleinen Meldungen des Tages auch die vom Karrieende des Markus Pröll. Wusste gar nicht, dass er zuletzt in Athen spielte. Ist 32, hört auf. Wäre einiges dazu zu sagen, angefangen beim ehemaligen Gießener  Jürgen Schäfer, dem früheren Kölner FC-Physiotherapeuten, der uns vor zehn Jahren in einer Exklusiv-Serie über psychische Gründe der Verletzungsanfälligkeit bei Fußballprofis einiges erzählt hat, u.a. das:

»Organsprache« ist das Stichwort: »Welcher geistig-seelische Zusammenhang besteht zu einem körperlichen Defekt? Da gibt es Zuordnungen, die wir kennen, die auch der Volksmund kennt: Laus über die Leber gelaufen, Galle hochkommen usw. Das versuche ich immer in meine Arbeit einzubringen.«. Bei seinen Sportlern beobachtet Jürgen Schäfer aufmerksam, ob sie sich nicht bei Gelegenheit unbewusst in das ihnen bzw. zu ihnen passende Krankheitsbild flüchten. »Ich will dies verhindern, will helfen, aus dieser Stress-Situation herauszukommen. Es ist immer wieder erstaunlich, warum welche Spieler immer wieder mit den gleichen körperlichen Beschwerden reagieren. Da gibt es keine Zufälligkeiten.«

Markus Pröll gehörte in Köln zu Schäfers Klienten und galt schon damals als besonders sensibel. In Frankfurt war er die Nr. 1, bis ihn, zunächst verletzungsbedingt, der ewige Oka wieder ablöste. Überhaupt wäre Nikolov die ideale Testperson, um den Geheimnnissen einer stabilen Psyche, die auch Körper und Leistung stabilisiert, auf die Spur zu kommen. Gibt’s das Oka-Gen?

Hoffentlich verschwindet im neuen Jahr meine langsam aufkeimende Eintracht-Skepsis. Die Mannschaft scheint sich sehr mühsam und mit dem berüchtigten „leeren Akku“ in die Pause gerettet zu haben. Spielerisch erkennbar besser als die Aufstiegskonkurrenz, wirkt sie immer noch nicht geschlossen, ohne deutliches Profil und ohne „corporate identity“.  War aber auch ein sehr schwieriger Umbruch nach dem Abstieg.

Das Aufreger-Thema von St. Pauli: Offenbar haben die Zuständigen immer noch nicht erkannt, welche Motivation die Typen treibt, die krakeelen, Randale machen und Spieler mit Gegenständen bewerfen. Sie lechzen doch nur danach, behandelt zu werden, wie sie behandelt werden: als „Idioten“, „Einzeltäter“, „Schande für echte Fans“, kurz gesagt als Objekte der öffentlichen Empörung. Hinter den meisten dieser Taten steckt viel mehr Kalkül, als die Empörten den „primitiven, betrunkenen Einzeltätern“ zutrauen. Unsere Empörung, medial größtmöglich verbreitet, ist deren Auszeichnung.

Ein sehr alter Freund unserer Kolumnen hat sich wieder gemeldet:

Wollte nur bestätigen dass ich mit meinen 88 Jahren immer noch treuer Leser Deiner Artikel bin. Bereiten mir immer noch Freude beim morgendlichen Kaffee. Ich versuche mich einigermassen fit zu halten mit Frühgymnastik, und meine Frau Adriana und ich ( inzwischen 61 Jahre verheiratet ) schwimmen noch regelmässig. Unseren Lieblingssport Langlaufen neben Schwimmen haben wir vor einigen Jahren ganz  aufgegeben. Ich  wünsche Dir  gesegnete Weihnachten und freue mich auch
im nächsten Jahr auf weitere Artikel aus Deiner Feder (Douglas Herbert/Bad Nauheim)
Eine Mail, die mir große Freude macht. Ich bedanke mich für die liebenswürdigen  Zeilen und auch für die bereits angekommenen von anderen Freunden unserer Kolumne. Das macht unser altes hessisches Motto noch leichter umsetzbar: Als weider!

Veröffentlicht von gw am 20. Dezember 2011 .
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Dienstag, 20. Dezember, 10.30 Uhr.

Auf 50 Metern Bürgersteig Schnee schippen ist eine echte Alternative zum Radfahren. Auf dem Hometrainer danach erste Folge von Breaking Bad geguckt. Modewort dazu: abgefahren. Bei Youtube mehrmals ein neues Trainings-Video von Jacko Gill angesehen. Eine Steigerung von abgefahren. Irre bis irrsinnig. Der Junge ist 16 und springt buchstäblich über Tische und Bänke. Halbe Kniebeugen mit 300 kg, Stoßen mit 170 kg, Dunking mit der Kugel, seltsame Übungen mit der Hantel, schon beim Sehen tut die eigene Wirbelsäule weh, quietschen die eigenen Gelenke. Krachendes Boxen am Sandsack. Irre Übungen im und rund ums Elternhaus. Den Jungen treibt was. Hoffentlich nicht der Wahnsinn. Hoffentlich hat er vernünftige Erwachsene, auf die er hört. Schule schon geschmissen, ist Profi-Kugelstoßer, trainiert in Aufbauzeiten dreimal am Tag bzw. in der Nacht (steht erst um 12 auf, dritte Trainingseinheit nachts um zwei). Sensationell die Sprungkraft, scheint auch sehr sprintschnell zu sein. Wiegt jetzt immerhin schon 107 kg, hat mit der Männerkugel 20,38 gestoßen, gestern aber „nur“ 20,07, dafür hat er seinen allerabgefahrensten Weltrekord verbessert, den mit der 5-kg-Kugel seiner Altersklasse auf 24,45 m. Hoffentlich geht das alles gut. Falls ja, geht es nicht nur gut, sondern wird eine Weltsensation. Falls nicht . . . oh je.

Zum „Wer bin ich?“-Modus eine Anregung von Walter Roeber (zur Apfelwein-Nachfrage: nach erstem Abstich beginnt die Trinkzeit, schmeckt schon gut).

Könnten Sie sich folgende Konstruktion vorstellen:
WBI in Portionen (vielleicht etwas ‚arbeitsintensiv‘, aber vielleicht auch mit Spaß und Freude verbunden). Und es gibt Ihnen ein weiteres ‚Steines‘-Bruch für Kolumnen…
Sie stellen wie bisher ein Thema/eine Aufgabe sowohl online im Blog, als auch in der Zeitung, aber zu Beginn vielleicht sogar noch etwas unvollständiger; wer mag und wer meint, etwas dazu beitragen zu können, mailt Ihnen Kommentare oder stellt auch Frage(n), die Sie dann beantworten (oder auch nicht) – ggf. auch nach der alten „Was bin ich?“-Methode mit Ja oder Nein. Daraus könnte eine Art Dialog entstehen, der weniger verbissen ist, den Mitlesenden mehr Vergnügen bringt und Ihnen sogar noch das „Bewerten“ vereinfachen würde, weil Sie dann eine Rangfolge nach Eingang richtiger Lösungen im Zeitablauf erstellen können; nicht im Sekundentakt, sondern vielleicht tageweise.
Es wäre dazu allerdings evtl. notwendig, die Kommentar-Funktion im Blog zu aktivieren (wo Sie moderierend eingreifen könnten), oder Sie treffen wie bisher eine Auswahl der Zuschriften, die Sie für „beachtenswert“ halten.
Begrenzenderweise sollten Kommentare/Fragen dann nicht länger sein als z.B. 2000 Zeichen o.ä.
Das ist noch nicht ganz „ausgegoren“ (was macht übrigens der Apfelwein???), aber ich habe das Gefühl, dass es aufgrund der Verbundenheit zwischen Ihrer „Leserschaft“ und Ihnen funktionieren könnte, ohne dass es zu wüsten spam-Aktionen käme. (Walther Roeber)

Veröffentlicht von gw am 20. Dezember 2011 .
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Sonntag, 18. Dezember, 9.45 Uhr

Das ging ja fix. „Montagsthemen“ schon im rotgelben „Anstoß“-Kasten und auch online. Bei dieser Gelegenheit gesehen, dass ich vergessen habe, den Januar-Rückblick („Siegwurz und Doppelpresswurst“) online zu stellen. Ist schon nachgeholt. Dr. Hans-Ulrich Hauschild hat bereits auf den frühen Blog-Eintrag reagiert, auch auf das „Wer bin ich?“-Überdenken, es folgen seine wie immer sehr anregenden und anstoßenden Gedanken und auch die ebenfalls den Stolz auf solche Leser bestätigenden Zeilen von Dr. Sylvia Börgens. Ach so, ja: Nach den „Montagsthemen“ folgen die restlichen „Das war’s“-Folgen, unterbrochen nur am Samstag (Heiligabend) vom Vorabdruck der Glosse für die Pfarrer-Zeitschrift, bevor an Silvester die Jahresabschlusskolumne folgt, leider als ganz normaler „Anstoß“ und solo und nicht wie in seligen früheren Jahren als doppelseitenfüllender Highlight-Dialog von Matthias Beltz (2012 zehnter Todestag) und Matthias „Jan Segher“ Altenburg mit „gw“-Moderation. Ach, das waren Zeiten . . .

 

 

Nach Lektüre Ihrer Frühzeilen – guten Morgen übrigens – kommen mir doch Zweifel, ob ich das Leben bislang wirklich richtig »gelesen« und »gelebt« habe. Zuvor aber doch noch eine Anmerkung zu Ihrer Frage nach dem Procedere von »Wer bin ich?«.

Ein Jüngling, den des Wissens heißer Durst
Nach Sais in Ägypten trieb, der Priester
Geheime Weisheit zu erlernen, hatte
Schon manchen Grad mit schnellem Geist durcheilt,
Stets riß ihn seine Forschbegierde weiter,
Und kaum besänftigte der Hierophant
Den ungeduldig Strebenden. »Was hab ich,
Wenn ich nicht alles habe?« sprach der Jüngling,
»Gibts etwa hier ein Weniger und Mehr?
Ist deine Wahrheit wie der Sinne Glück
Nur eine Summe, die man größer, kleiner
Besitzen kann und immer doch besitzt?
Ist sie nicht eine einzge, ungeteilte?

 

Kein Sterblicher, sprach des Orakels Mund,
Rückt diesen Schleier, bis ich selbst ihn hebe.
Doch setzte nicht derselbe Mund hinzu:
Wer diesen Schleier hebt, soll Wahrheit schauen?
»Sei hinter ihm, was will! Ich heb ihn auf.«
(Er rufts mit lauter Stimm.) »Ich will sie schauen.«
Schauen!
Gellt ihm ein langes Echo spottend nach.

 

Er sprichts und hat den Schleier aufgedeckt.
Nun, fragt ihr, und was zeigte sich ihm hier?
Ich weiß es nicht. Besinnungslos und bleich,
So fanden ihn am andern Tag die Priester
Am Fußgestell der Isis ausgestreckt.
Was er allda gesehen und erfahren,
Hat seine Zunge nie bekannt. Auf ewig
War seines Lebens Heiterkeit dahin,
Ihn riß ein tiefer Gram zum frühen Grabe.
»Weh dem«, dies war sein warnungsvolles Wort,
Wenn ungestüme Frager in ihn drangen,
»Weh dem, der zu der Wahrheit geht durch Schuld,
Sie wird ihm nimmermehr erfreulich sein.«

Friedrich Schiller: Auszug aus: Das verschleierte Bild zu Sais

Was soll das? Die Warnungen dieses Schiller – Gedichtes sollten wir Teilnehmer/innen alle Ernst nehmen. Begnügen wir uns mit den erreichten Graden, die wir alle, die wir uns bislang beteiligt haben, mit unserem »schnellen Geist« ereilt haben und kehren zurück zu des »Lebens Heiterkeit«, also zu den höheren Indianerspielen und dem ernsten Spaß, zur Freude, die Erkennen macht und verzichten auf Selektion und verbissenes Googlen, wer immer dazu versucht war. Ihr Vorschlag ist gut so und bedarf keiner Korrektur.

Zum Eintrag von heute Morgen. Sehen Sie, das kommt davon, wenn eine Gesellschaft – vielleicht auch zuweilen in diesem Blog – unentwegt dann von Moralisieren spricht, wenn man an jene Prinzipien erinnert, die für ein humanes, menschenwürdiges und rücksichtsvolles Miteinander einfach gelten. Moralisieren steht häufig im Kontrast zum Pragmatischen. Den Pragmatiker stören ideelle und ethische Erinnerungen, also Einwände. So auch hier. Weil es alle machen, gibt es den Rat, alles auszunutzen, was man bekommen kann; hier: die Frage Ihrer Bekannten nach Schmerzensgeld, die Simulation von Schleudertraumata und anderes. Nein, all diese sind keinen Deut, nun wirklich keinen, besser als jene von Ihnen heute Morgen mit Recht äußerst negativ gekennzeichneten Neoliberalen:

Unendliches Wachstum, dieser Fetisch von schnöselbürschlingsglatten Flachseelen des Neo-Liberalismus, funktioniert nur zu Beginn von Schneeball-Systemen …

Genau diese schöne Wortkonstruktion geht einem im Kopf herum, wenn man Ihre Geschichten vom Schleudertrauma und vom Schmerzensgeld zur Kenntnis nehmen muss: schnöselbürschlingsglatte Flachseelen (Hans-Ulrich Hauschild)

 

 

Ein paar Ideen zu Ihrem Nachdenken, wie es mit WBI weitergehen könnte. Aus der Test-Psychologie: Eine gute Testaufgabe hat eine mittlere Schwierigkeit, d.h. 40 – 60 % der Testkandidaten können sie lösen. Aus mehreren solcher Aufgaben setzt sich dann das Gesamttestergebnis zusammen. Sind die Aufgaben zu leicht, kann jeder sie lösen. Sind sie zu schwer, erlauben sie zwar, die Spreu vom Weizen zu trennen, aber das Gros der Testteilnehmer bleibt ratlos und entmutigt zurück. So betrachtet, waren die Aufgaben Otmar Walter und Bud Spencer vielleicht zu leicht, Frank Bascombe und auch die letzte Runde zu schwer. Die letzte Runde hatte auch das Manko, dass die Aufgabenformulierung für verschiedene Personen mehrdeutig war; z.B. der Herr, der näher als alle anderen am Titel von Birgit Prinz dran war, hätte auch Oliver Kahn sein können (2. der Wahl zum Weltfußballer 2002).

Testpsychologen machen Voruntersuchungen. Vielleicht könnten Sie Ihre Rätsel redaktionsintern einigen Kollegen vorlegen und dadurch einen Anhaltspunkt für die Schwierigkeit bekommen.

Von der Aufspaltung »Hardcore-Rater« online, »Spaßrater« in der Druckversion halte ich gefühlsmäßig nicht so viel. Ein oder zwei Tage Ratefrist zwischen Onlineversion und Auflösung ist auch ein bisschen wenig.

Viele Ihrer Rätsel haben mir großes Vergnügen bereitet. Beim Neckermann-Rätsel habe ich fast bedauert, dass ich die Lösung sofort wusste (weil mir die Begegnung von Billy Joel mit den Neckermann-Kindern bekannt war); das war geradezu von poetischer Schönheit.

Das größte »Heureka«-Erlebnis hatte ich bei Halla. Ich hatte aus dem Satz »In meiner Sportart gab es keinen Größeren und keine Größere« gefolgert, dass es eine Sportart sein musste, bei der Männer und Frauen gemeinsam antreten. Außer den verschiedenen Disziplinen der Reiterei war mir da nichts eingefallen. Der Wikipedia-Eintrag »Berühmte Darmstädter« ergab aber nicht eine berühmte Darmstädter Reiterin. Während einer Zugfahrt nach Mainz dachte ich darüber nach, bis plötzlich der Groschen fiel: Kein Mensch, sondern ein Gaul! Meine Mitreisenden wunderten sich über mein Gelächter …

Ich hoffe also, dass Sie die Serie 2012 fortsetzen werden, selbst wenn ich mich nicht mehr regelmäßig beteiligen werde. Und ich wünsche Ihnen und allen, die Ihnen wichtig sind, friedvolle Weihnachtstage und einen guten Start ins Jahr 2012! (Sylvia Börgens)

 

Veröffentlicht von gw am 18. Dezember 2011 .
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Sonntag, 18. Dezember, 6.25 Uhr.

Nieselig, aber kein Frost, nicht glatt, kein Schnee. Gut vom Berg runtergekommen. Vor einem Jahr über „Vronisihrnfreundfreund“ und die Hannover-Clique gealbert. Für die „Montagsthemen“ aufbereiten? Was überhaupt geschrieben? Mal ins Archiv schauen. 

Hannover? Hannover? Hannover? Bislang am treffendsten beschrieben durch das Wort eines Satirikers: »Hätte Gott nicht Braunschweig erschaffen, der Hannoveraner könnte auf nichts außer sich selbst herabblicken.« * Name des Satirikers: Wischmeyer. Nicht Maschmeyer. Obwohl manche behaupten, auch der Finanz-Tausendsassa aus Hannover sei ein Realsatiriker, denn er sammelt Freunde wie andere Autogramme, von Schröder bis Wulff, die Freundin heißt Ferres, und die Scorpions machen die Altherrenmusik dazu. Außerdem hat die Stadt zu bieten: Steinmeier, von der Leyen, Rösler, Ernst August und: Lena! Hannover leuchtet! Selbst bizarre Bestleistungen werden dort von Einheimischen aufgestellt: 1,54 – Bischöfinnen-Weltrekord! Nun ja, ein Mixa könnte darüber nur müde lächeln. (18.8.10)

 . . . von Aserbaidschanistan nach Kasachstanistan, denn aus Sicht der Spieler war die erfreulichste Nebenwirkung der Mammutreise, dem Populismus von oben entkommen zu sein, der Äintschie und Vronisihrnfreund-Freund Wulffi samt Teenie-Töchterlein dazu getrieben hatte, nach dem Türkei-Spiel als Landesbande in die Kabine einzufallen. (14.10.10)

Wer ist dieser Vronisihrnfreund-Freund, von dem am Donnerstag die Rede war? Fangen wir bei Vroni an: Veronica Ferres ist die Freundin von Carsten Maschmeyer, des Finanz-Tausendsassas aus Hannover, der prominente Freunde sammelt wie andere Autogramme, von Schröder bis Wulff. Dieser, eben Vronisihrnfreund-Freund, urlaubte im Sommer bei Kumpel Maschi auf Malle, und all das und noch viel mehr wie das Bundespräsidentengattinnentattoo lernt man aus täglicher BILDungslektüre. * Dass auch Bert Rürup zu Maschmeyers Freunden gehört, genannt Renten-Rürup, dass dieser einst einer der besten deutschen Kugelstoßer war, obwohl er heute aussieht wie ein Zwilling des leptosomen Komikers Piet Klocke, das erfährt man nur in dieser Kolumne (bzw. in einer auf Ganzseitenformat ausgelagerten Rürup-Story vom 14.5.08). (16.10.10.)

Nein, wird nicht aufgewärmt. Auch nicht die Neoliberalen (Unendliches Wachstum, dieser Fetisch von schnöselbürschlingsglatten Flachseelen des Neo-Liberalismus, funktioniert nur zu Beginn von Schneeball-Systemen … usw, 5.1.11). Für FDP und Wulff gilt das alte Credo, nicht auf jemanden zu treten, der schon am Boden liegt. Das tun nur, ganz alter Gag des fast vergessenen Revoluzzerchen-Theologen Drewermann, nicht mal Pferde, nur Kroaten (Fußball-EM 96).

In der Post eine Mail von Ralf Protzel, sehr langjähriger Leser der „Anstoß“-Kolumnen. Für Leser wie ihn gibt es Blog und Online-Archiv überhaupt: Eingeführt vor x Jahren (sonntagmorgens zu faul, um die Zahl x zu verifizieren) für Menschen aus dem Verbreitungsgebiet unserer Zeitungen, die es aus Mittelhessen in die Welt hinausgeführt hat, für kurz oder über lang. Ralf Protzel zum Beispiel hat in Japan gelesen und aus Japan manches zum „Anstoß“ beigetragen. Mittlerweilen ist er zwar nicht wieder in Mittelhessen, aber schon viel näher dran und uns weiterhin online verbunden. Seine Mail ist aus mehreren Gründen interessant. Dazu dann gleich mehr.

Als ich am Dienstag in Ihrem Blog erstmals die Meldung vom australischen Fussballer las, dachte ich zunaechst an einen Textfehler: Warum sollte ein Sportler, der sein Fehlverhalten sofort erkannte und entsprechend handelte, auch noch bestraft werden? Am Samstag haben Sie aber ergaenzt, dass es wohl trotzdem einen Elfer gab und der Spieler dies nicht verhindert hatte. Dass Schwalben nicht nur im Sport fliegen, sondern lediglich eine Fortfuehrung oft erlebten Alltagsverhaltens ist, habe ich mal wieder an einem kleinen Beispiel selbst erlebt: Vor ein paar Wochen hatte ich einen Autounfall. Das Auto hat einen Totalschaden, gluecklicherweise blieben meine drei Kinder und ich weitgehend unverletzt. Einfach gluecklich und erleichtert, dass es „nur“ beim Blechschaden blieb, habe ich auch die von der Polizei bzw. Staatsanwaltschaft angefragte Anzeige der Unfallverursacherin wg. Koerperverletzung abgelehnt. Unser Arztbesuch mit den Kindern foerderte auch wirklich nur zwei kleinere Blessuren zutage. Jetzt zum Chuzpe: Wenn man im Bekannten- und Kollegenkreis die Unfallgeschichte erzaehlt, wird man meistens auf diverse Verletzungen (meistens Schleudertrauma und Co.) hingewiesen, die ordentlich Schmerzensgeld bringen und auch unbedingt geltend gemacht werden sollten oder besser muessten. Wenn ich dann erwiderte, dass meine Kinder und ich nahezu unverletzt waren und wir derartige Verletzungen nicht davongetragen haetten und demnach auch kein Schmerzensgeld diesbezueglich erwarten wuerden, erntete ich meist nur unglaeubiges Kopfschuetteln. Ob ich nicht doch ein wenig mehr Chuzpe an den Tag haette legen sollen, wird sich demnaechst zeigen. Ich bin gespannt, ob wir unseren tatsaechlichen finanziellen Schaden (den wir auch „nur“ angemeldet haben) ausgeglichen bekommen, oder ob die Versicherung das ein oder andere nicht anerkennen wird, da sie uns bei der Schadensermittlung entsprechendes Chuzpe unterstellt hat. Wenn es so kommen sollte, waeren wir wieder beim Sport und Ihrem Lieblingssportler: Der besass tatsaechlich lediglich die Chuzpe, unter gleichen Bedingungen gegen seine Gegner antreten zu wollen – dementsprechend hat er natuerlich auch keinen betrogen. So oder aehnlich beschreiben Sie es ja oft genug und so oder aehnlich muesste/sollte ich es dann in der Zukunft auch selbst machen, damit ich mich nicht selbst benachteilige. Es ist und bleibt einfach schwierig, das Leben – oder: Man macht viel durch 😉
Hier im Bad Godesberger Kleinen Theater gibt es uebrigens eine sehr sehenswerte Heinz-Erhard-Revue. Die habe ich mir im letzten Winter angeschaut – sehr empfehlenswert. Vielen Dank auch fuer die erhellende, spannende, manchmal traurige Lektuere Ihrer Sport-Leben-Artikel. Die habe ich erst vor ein paar Wochen gelesen. Das Ganze hatte mich so beeindruckt, dass ich mir den Eine-Kugel-fuer-Montreal-Film besorgt habe. Haben Sie sich den Film tatsaechlich nie angeschaut? Zum Schluss noch ein Tipp fuer die DVD-Radtouren im Winter: Breaking Bad. Die Serie Lost war mit einfach zu kryptisch. Genau wie Ihre Schlussbetrachtung der Serie vor ein paar Wochen im Blog – da bin ich auch nicht durchgestiegen. Somit war mein vorzeitiges Ende nach der zweiten Staffel wohl die richtige Wahl. Ansonsten kann ich nur den Wunsch aeussern, dass Sie uns Lesern noch ein paar Jahre mit Ihrem Stammtisch erhalten bleiben (Ist denn schon ein Ende in Sicht? Das Rentenalter rueckt ja naeher.), Ihnen eine ruhige und schoene Weihnachtszeit und natuerlich ein zufriedenes Jahr 2012 wuenschen. Weiter so! (Ralf Protzel)

Da gibt es sehr frappierende Gemeinsamkeiten. Zunächst der Unfall: Auch nach meinem im Blog ausführlich genug selbstmitleidig geschilderten Schlüsselbein-Unfall verzichtete ich auf eine Anzeige (Polizei fragt den Unschuldigen schon am Unfallort, später fragt die Staatsanwaltschaft nach), da mir der junge Autofahrer gestraft genug erschien (er jammerte: „Das gibt Bußgeld ohne Ende und wieder Punkte in Flensburg“). Zum Dank musste ich dem Mann viele Male hinterhertelefonieren, er war mit einem Mietwagen unterwegs gewesen, kümmerte sich um nichts mehr und fragte nie nach, wie’s seinem Opfer ginge. Bis die Versicherung des Mietwagen-Besitzers den Fahrer ausfindig gemacht hatte, der trotz Ultimatums auf ihre Anfragen nie geantwortet hatte, so dass sie schließlich  ohne Stellungnahme des Beschuldigten zahlte (Arztrechnungen), hatte ich schon zwei Mahnungen über nicht bezahlte Rechnungen erhalten (was mir als Obergerichtsvollzieher-Sohn besonders unangenehm war), u.a. die des Rettungswagens, die schon wenige Tage nach dem Unfall kam:  knapp 500 Euro für die kurze Fahrt ins Krankenhaus. Und zum Schmerzensgeld: Auf die Idee wäre ich nie gekommen, aber das erste, was ich im Bekanntenkreis hörte, war die Frage, ob ich auch ja sofort Schmerzensgeld beantragt hätte. Die Versicherung (im übrigen sehr hilfsbereit und freundlich) kündigte aber von sich aus an, mir Schmerzensgeld anbieten zu wollen. Obwohl ich ablehnte, weil ich nicht abzocken wollte, besteht sie darauf, mir nach Abschluss der Formalitäten ein Schmerzensgeld anzubieten.

Zweite Koinzidenz. Breaking Bad. Wie sich mancehr Leser erinnern mag, war Lost vor etwa zwei Jahren ein Geburtstagsgeschenk von Henni Nachtsheim. Und raten Sie mal, was mir Henni dieses Jahr geschenkt hat? Erste Staffel von Breaking Bad, es wäre eine sehr besondere, sehr skurrile Serie. Wird demnächst überprüft, auf dem Heimtrainer.

Zu den zwei Fragen: Nein, ich habe den Film immer noch nicht gesehen (kann beim WDR bestellt werden, aus der Serie „Kraftproben“) und werde ihn mir auch nie anschauen. Ich mag keine Filme ohne Happy-End, und dieser Film ist die quälende Langzeitbeobachtung des verzweifelten Aufbäumens gegen das Unabänderliche. Dass ich selbst der Aufbäumer bin, macht’s nicht leichter. Aber selbst nach dieser langen Zeit (1975) immer noch ein seltsames Gefühl, dass damals Millionen Menschen den ARD-Film gesehen haben (es gab ja nur ARD, ZDF und das Dritte), an einem Sonntagnachmittag vor der Sportschau, und dass der Film Preise gewonnen hat, die er mit Happy-End wohl nicht gewonnen hätte (denn das Scheitern war dramaturgisch das i-Tüpfelchen).

Und das Rentenalter: Wie alt ich bin, weiß die alte eitle Diva nicht so genau, aber für die Leser ist’s egal, denn  „gw“ schreibt weiter. Falls nötig bzw. erwünscht, über das Renteneintrittsalter hinaus bis zum Lebensaustrittsalter. Und jetzt ab an die „Montagsthemen“!

Veröffentlicht von gw am 18. Dezember 2011 .
Abgelegt unter: Blog – Sport, Gott und die Welt | Kommentare deaktiviert für Sonntag, 18. Dezember, 6.25 Uhr.