Beitrag ausdrucken Beitrag ausdrucken

Montag, 26. Dezember, 12.25 Uhr.

Angestoßen hat den “Anstoß” vom 24. Dezember ein langjähriger Leser, ein Pfarrer, der die Redaktion der Zeitschrift “Brennpunkt Gemeinde” auf unsere Kolumne aufmerksam gemacht und dort angeregt hatte, mich um einen Beitrag zu bitten. Fast regelmäßig lehne ich solche Ansinnen ab, da ich mich als Zeitungs- und seit einem Jahr auch Blog-Vielschreiber nicht verzetteln will und außerdem die vielleicht etwas altmodische Überzeugung habe, dass die volle Arbeitskraft dem Arbeitgeber zusteht. Selbst der “Seemannsköpper” ist im Laufe der letzten Jahre in wesentlichen Teilen vorab in der Zeitung erschienen (zum Beispiel die Anleihen aus dem “Sport-Leben” sowie die Zehnkampf-Episode, die während Olympia 2000 in Langform als Serie unter dem Titel “Die elf Disziplinen des Zehnkampfs” abgedruckt wurde). Auch die “Baumhausbeichte” war nur in der Zeitung und (ist noch) online zu lesen, auch sie gehört zu einem vor vielen Jahren begonnen und später aufgegebenen “großen” Romanprojekt, aus dem dann auch der “Seemannsköpper” als Fragment herausgebrochen und mit einem kleinen Krimi-Plot verselbständigt wurde.

Dass ich den Text für die Pfarrerzeitschrift dennoch schrieb, hatte mehrere Gründe: Zum einen bewegte mich die Fragestellung, es gab dazu schon einige Sätze im “Anstoß”, vor allem im Rahmen der Serie (2000 – 2004) “Auf der Suche nach der Seele des Sports”, und schließlich ging ich an den Text mit der festen Absicht, ihn ohne Rücksicht auf mögliche pfarrerliche Bedenken zu schreiben, sondern von vornherein als Kolumne für unsere Leser. Um so schöner, dass er auch den Pfarrern offenbar sehr gut gefiel. Auch “unserem” Pfarrer, der den Anstoß gegeben hatte. Ich meinte, seine Reaktion auf den Text gehöre unbedingt in den Blog. Auf meine Bitte um Erlaubnis antwortete er:  

Meine Mail ist nicht für die Veröffentlichung gedacht. Aber wenn Sie
daraus zitieren wollen, dann traue ich Ihnen zu, dass sie damit
entsprechend sorgsam umgehen.

Ich versuche es.

 

Ich bin sehr berührt. Vor allem durch das, was sie zum Thema “Sieg über den Krebs” schreiben. Das hat persönliche Gründe: Mein Sohn, großes hessisches und  deutsches Lauftalent der frühen 90er Jahre, erkrankte 1997 am  Hodentumor. Und dann kamen die gut gemeinten Sätze: Das ist eine Krebsart, da ist die Überlebenschance 80%, und es wurde aufgezählt, wer es alles “geschafft” hat. Und ich als Vater sagte manchmal nur – verzagt und nicht sonderlich hoffnungsvoll: Und wer spricht von den 20%, die es nicht geschafft haben?  Wir haben das große Glück gehabt, im Provinzkrankenhaus Schotten an einen absoluten Fachmann – Prof. Dr. Graubner, zu geraten.  Mein Sohn hat überlebt. Die Karriere war schon vorher zu Ende. Heute ist er Physiotherapeut und arbeitet, weil das Körperbewusstsein immer schon zu ihm gehört, mit seinen Händen an Menschen und für Menschen. Der  tiefe Schnitt von damals bleibt nicht nur als Narbe – er ist auch Last. Von daher lese ich Ihren wundervollen Text noch einmal mit ganz anderen Augen.  Haben Sie vielen Dank!

Baumhausbeichte - Novelle