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Dienstag, 20. Dezember, 17.20 Uhr.

Unter den kleinen Meldungen des Tages auch die vom Karrieende des Markus Pröll. Wusste gar nicht, dass er zuletzt in Athen spielte. Ist 32, hört auf. Wäre einiges dazu zu sagen, angefangen beim ehemaligen Gießener  Jürgen Schäfer, dem früheren Kölner FC-Physiotherapeuten, der uns vor zehn Jahren in einer Exklusiv-Serie über psychische Gründe der Verletzungsanfälligkeit bei Fußballprofis einiges erzählt hat, u.a. das:

»Organsprache« ist das Stichwort: »Welcher geistig-seelische Zusammenhang besteht zu einem körperlichen Defekt? Da gibt es Zuordnungen, die wir kennen, die auch der Volksmund kennt: Laus über die Leber gelaufen, Galle hochkommen usw. Das versuche ich immer in meine Arbeit einzubringen.«. Bei seinen Sportlern beobachtet Jürgen Schäfer aufmerksam, ob sie sich nicht bei Gelegenheit unbewusst in das ihnen bzw. zu ihnen passende Krankheitsbild flüchten. »Ich will dies verhindern, will helfen, aus dieser Stress-Situation herauszukommen. Es ist immer wieder erstaunlich, warum welche Spieler immer wieder mit den gleichen körperlichen Beschwerden reagieren. Da gibt es keine Zufälligkeiten.«

Markus Pröll gehörte in Köln zu Schäfers Klienten und galt schon damals als besonders sensibel. In Frankfurt war er die Nr. 1, bis ihn, zunächst verletzungsbedingt, der ewige Oka wieder ablöste. Überhaupt wäre Nikolov die ideale Testperson, um den Geheimnnissen einer stabilen Psyche, die auch Körper und Leistung stabilisiert, auf die Spur zu kommen. Gibt’s das Oka-Gen?

Hoffentlich verschwindet im neuen Jahr meine langsam aufkeimende Eintracht-Skepsis. Die Mannschaft scheint sich sehr mühsam und mit dem berüchtigten “leeren Akku” in die Pause gerettet zu haben. Spielerisch erkennbar besser als die Aufstiegskonkurrenz, wirkt sie immer noch nicht geschlossen, ohne deutliches Profil und ohne “corporate identity”.  War aber auch ein sehr schwieriger Umbruch nach dem Abstieg.

Das Aufreger-Thema von St. Pauli: Offenbar haben die Zuständigen immer noch nicht erkannt, welche Motivation die Typen treibt, die krakeelen, Randale machen und Spieler mit Gegenständen bewerfen. Sie lechzen doch nur danach, behandelt zu werden, wie sie behandelt werden: als “Idioten”, “Einzeltäter”, “Schande für echte Fans”, kurz gesagt als Objekte der öffentlichen Empörung. Hinter den meisten dieser Taten steckt viel mehr Kalkül, als die Empörten den “primitiven, betrunkenen Einzeltätern” zutrauen. Unsere Empörung, medial größtmöglich verbreitet, ist deren Auszeichnung.

Ein sehr alter Freund unserer Kolumnen hat sich wieder gemeldet:

Wollte nur bestätigen dass ich mit meinen 88 Jahren immer noch treuer Leser Deiner Artikel bin. Bereiten mir immer noch Freude beim morgendlichen Kaffee. Ich versuche mich einigermassen fit zu halten mit Frühgymnastik, und meine Frau Adriana und ich ( inzwischen 61 Jahre verheiratet ) schwimmen noch regelmässig. Unseren Lieblingssport Langlaufen neben Schwimmen haben wir vor einigen Jahren ganz  aufgegeben. Ich  wünsche Dir  gesegnete Weihnachten und freue mich auch
im nächsten Jahr auf weitere Artikel aus Deiner Feder (Douglas Herbert/Bad Nauheim)
Eine Mail, die mir große Freude macht. Ich bedanke mich für die liebenswürdigen  Zeilen und auch für die bereits angekommenen von anderen Freunden unserer Kolumne. Das macht unser altes hessisches Motto noch leichter umsetzbar: Als weider!

Baumhausbeichte - Novelle