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Das war’s im April: Notfall-SMS und Richter Olli

Samstag, 2. April: Eine SMS. Diese Nummer kennen nur die engsten Familienangehörigen, und die simsen erst gar nicht, weil sie wissen, dass dieses Handy nur für Notfälle mitgeführt wird. Was ist bloß geschehen? »Hi Papa, Daum ist neuer Eintracht-Trainer. Ansonsten geht’s mir gut. Reg dich nicht auf.«
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Sich auf Daum einzulassen, ist Selbstaufgabe und verstößt gegen die Empfehlung von Erich Kästner, nicht so tief zu sinken, den Kakao, durch den man gezogen wird, auch noch zu trinken. Klar, Daum hat eine zweite Chance verdient. Allerdings nur, was die Kokserei angeht. Lässliche Sünde, Schnee von gestern. Es gibt andere Gründe, sich ihn nicht ins eigene Haus zu wünschen, und die haben mit Stil, Geschmack und, ja, vielleicht mit Würde zu tun.
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Marcel Reif, Diskussion in Sport-Bild. Ist er der Beste oder arrogant? Wieso oder? Zweimal ja.
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Mittwoch, 6. April: Skispringen für Frauen olympisch, wie finde ich denn das? Sehr gut. Warum sollte es nicht olympisch sein? Schöne, grundlegende Wintersportart. Aber Mixed-Staffel Biathlon, Teamwettbewerbe Eiskunstlauf und Rodeln; das ist Quatsch, quätscher geht’s nicht. Fehlt nur noch unsere Kindheits-Wintersportart Nummer eins, unsere zu »Bobs« zusammengebundenen Schlitten, manchmal zehn, elf, mit denen wir auf der Bahn am Friedhof (!) runterbretterten, Bahn frei, Kartoffelbrei!
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Und sonst? Kaum verschwindet der Reaktor in Japan aus den Top-Schlagzeilen, schon sucht uns wieder das Ozonloch heim. Aber Warnung an alle german-angst-Freunde: Eine von mir in Auftrag gegebene Studie einer von mir nicht unabhängigen Forschungsgesellschaft hat ergeben, dass Sonnencreme kontaminiert ist und man sich besser mit Feinstaub einpudern sollte.
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Oder mit Hasch. Ein litauischer Fußballer ist vom Zoll mit 162 Kilo Haschisch erwischt worden. Als sein Anwalt reklamiere ich für den armen Jungen Eigenbedarf. Hast du Haschisch in der Blutbahn, kannst dich sonnen wie ein Truthahn.
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Ich kann auch ernsthaft: Die Öffnung des Sportwettmarktes bringt den Profis ein paar hundert Millionen Euro mehr, den Amateuren ein paar Millionen weniger (weil weniger Lotto und Toto gespielt wird), und es gibt mehr Betrug bei den Wetten und auf dem Fußballplatz. Wie’s euch gefällt.
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Donnerstag, 7. April: Skandälchen im Sperrbezirk verhaltensauffälliger Torhüter: Lehmann sagt, Wiese hält schlecht. Wiese sagt, Lehmann ist doof (»Soll in die Muppet-Show gehen. Einweisen, am besten in die Geschlossene.«). Lehmann sagt: Ich bin nicht doof. (»Ich kann nicht hinnehmen, als geistesgestört hingestellt zu werden.«). Lehmann verklagt Wiese auf 20 000 Euro Schmerzensgeld, DFB-Boss Theo Zwanziger, Humor hat er, schlägt Olli Kahn als Richter vor.
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Sonntag, 10. April. Aintree. Zwei tote Pferde. Was für den Fußballer der Ball, ist für den Reiter das Pfe . . . nee, das hatte ich ja erst beim letzten Grand National. Auch, dass dort Pferde sterben, aber bisher alle ihnen physiognomisch oft sehr nahe stehenden Zuschauerinnen überlebt haben und nicht unter der Last ihrer zentnerschweren Huträder zusammengebrochen sind.
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Donnerstag, 21. April: Kaum ist aus Andrea Petkovic »unsere Petko« geworden, schon sitzt SPD-Gabriel bei ihr in der Box. Früher hat sie ein Praktikum bei Roland Koch gemacht, jetzt macht Sigmar Gabriel ein Tele-PR-Praktikum bei ihr. Was der Mutti ihr’n Mesut, ist dem … hat er schon einen Spitznamen? Arm, die Politiker, parteienübergreifend, in ihrem Wahn, als Groupies von Populäreren Popularitätspunkte zu sammeln.
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Samstag, 23. April: Marathonlauf: Diese ihm fernstliegende aller leichtathletischen Disziplinen fasziniert auch den Dauerlaufhasser. Unfassbar, dass Geoffrey Mutai bei seiner Weltbestzeit einen Schnitt von über 20 km/h lief – unter uns Oster-Radlern: Dafür müssten wir zwei Stunden lang tüchtig strampeln!
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Ohne weitere Worte: Senor Raul Gonzales, worüber würden Sie sich gerne unterhalten? – »Wie wäre es zum Beispiel mit Fußball?« (Beginn eines SZ-Interviews mit Raul)  (gw)

Baumhausbeichte - Novelle