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Sonntag, 18. Dezember, 6.25 Uhr.

Nieselig, aber kein Frost, nicht glatt, kein Schnee. Gut vom Berg runtergekommen. Vor einem Jahr über „Vronisihrnfreundfreund“ und die Hannover-Clique gealbert. Für die „Montagsthemen“ aufbereiten? Was überhaupt geschrieben? Mal ins Archiv schauen. 

Hannover? Hannover? Hannover? Bislang am treffendsten beschrieben durch das Wort eines Satirikers: »Hätte Gott nicht Braunschweig erschaffen, der Hannoveraner könnte auf nichts außer sich selbst herabblicken.« * Name des Satirikers: Wischmeyer. Nicht Maschmeyer. Obwohl manche behaupten, auch der Finanz-Tausendsassa aus Hannover sei ein Realsatiriker, denn er sammelt Freunde wie andere Autogramme, von Schröder bis Wulff, die Freundin heißt Ferres, und die Scorpions machen die Altherrenmusik dazu. Außerdem hat die Stadt zu bieten: Steinmeier, von der Leyen, Rösler, Ernst August und: Lena! Hannover leuchtet! Selbst bizarre Bestleistungen werden dort von Einheimischen aufgestellt: 1,54 – Bischöfinnen-Weltrekord! Nun ja, ein Mixa könnte darüber nur müde lächeln. (18.8.10)

 . . . von Aserbaidschanistan nach Kasachstanistan, denn aus Sicht der Spieler war die erfreulichste Nebenwirkung der Mammutreise, dem Populismus von oben entkommen zu sein, der Äintschie und Vronisihrnfreund-Freund Wulffi samt Teenie-Töchterlein dazu getrieben hatte, nach dem Türkei-Spiel als Landesbande in die Kabine einzufallen. (14.10.10)

Wer ist dieser Vronisihrnfreund-Freund, von dem am Donnerstag die Rede war? Fangen wir bei Vroni an: Veronica Ferres ist die Freundin von Carsten Maschmeyer, des Finanz-Tausendsassas aus Hannover, der prominente Freunde sammelt wie andere Autogramme, von Schröder bis Wulff. Dieser, eben Vronisihrnfreund-Freund, urlaubte im Sommer bei Kumpel Maschi auf Malle, und all das und noch viel mehr wie das Bundespräsidentengattinnentattoo lernt man aus täglicher BILDungslektüre. * Dass auch Bert Rürup zu Maschmeyers Freunden gehört, genannt Renten-Rürup, dass dieser einst einer der besten deutschen Kugelstoßer war, obwohl er heute aussieht wie ein Zwilling des leptosomen Komikers Piet Klocke, das erfährt man nur in dieser Kolumne (bzw. in einer auf Ganzseitenformat ausgelagerten Rürup-Story vom 14.5.08). (16.10.10.)

Nein, wird nicht aufgewärmt. Auch nicht die Neoliberalen (Unendliches Wachstum, dieser Fetisch von schnöselbürschlingsglatten Flachseelen des Neo-Liberalismus, funktioniert nur zu Beginn von Schneeball-Systemen … usw, 5.1.11). Für FDP und Wulff gilt das alte Credo, nicht auf jemanden zu treten, der schon am Boden liegt. Das tun nur, ganz alter Gag des fast vergessenen Revoluzzerchen-Theologen Drewermann, nicht mal Pferde, nur Kroaten (Fußball-EM 96).

In der Post eine Mail von Ralf Protzel, sehr langjähriger Leser der „Anstoß“-Kolumnen. Für Leser wie ihn gibt es Blog und Online-Archiv überhaupt: Eingeführt vor x Jahren (sonntagmorgens zu faul, um die Zahl x zu verifizieren) für Menschen aus dem Verbreitungsgebiet unserer Zeitungen, die es aus Mittelhessen in die Welt hinausgeführt hat, für kurz oder über lang. Ralf Protzel zum Beispiel hat in Japan gelesen und aus Japan manches zum „Anstoß“ beigetragen. Mittlerweilen ist er zwar nicht wieder in Mittelhessen, aber schon viel näher dran und uns weiterhin online verbunden. Seine Mail ist aus mehreren Gründen interessant. Dazu dann gleich mehr.

Als ich am Dienstag in Ihrem Blog erstmals die Meldung vom australischen Fussballer las, dachte ich zunaechst an einen Textfehler: Warum sollte ein Sportler, der sein Fehlverhalten sofort erkannte und entsprechend handelte, auch noch bestraft werden? Am Samstag haben Sie aber ergaenzt, dass es wohl trotzdem einen Elfer gab und der Spieler dies nicht verhindert hatte. Dass Schwalben nicht nur im Sport fliegen, sondern lediglich eine Fortfuehrung oft erlebten Alltagsverhaltens ist, habe ich mal wieder an einem kleinen Beispiel selbst erlebt: Vor ein paar Wochen hatte ich einen Autounfall. Das Auto hat einen Totalschaden, gluecklicherweise blieben meine drei Kinder und ich weitgehend unverletzt. Einfach gluecklich und erleichtert, dass es „nur“ beim Blechschaden blieb, habe ich auch die von der Polizei bzw. Staatsanwaltschaft angefragte Anzeige der Unfallverursacherin wg. Koerperverletzung abgelehnt. Unser Arztbesuch mit den Kindern foerderte auch wirklich nur zwei kleinere Blessuren zutage. Jetzt zum Chuzpe: Wenn man im Bekannten- und Kollegenkreis die Unfallgeschichte erzaehlt, wird man meistens auf diverse Verletzungen (meistens Schleudertrauma und Co.) hingewiesen, die ordentlich Schmerzensgeld bringen und auch unbedingt geltend gemacht werden sollten oder besser muessten. Wenn ich dann erwiderte, dass meine Kinder und ich nahezu unverletzt waren und wir derartige Verletzungen nicht davongetragen haetten und demnach auch kein Schmerzensgeld diesbezueglich erwarten wuerden, erntete ich meist nur unglaeubiges Kopfschuetteln. Ob ich nicht doch ein wenig mehr Chuzpe an den Tag haette legen sollen, wird sich demnaechst zeigen. Ich bin gespannt, ob wir unseren tatsaechlichen finanziellen Schaden (den wir auch „nur“ angemeldet haben) ausgeglichen bekommen, oder ob die Versicherung das ein oder andere nicht anerkennen wird, da sie uns bei der Schadensermittlung entsprechendes Chuzpe unterstellt hat. Wenn es so kommen sollte, waeren wir wieder beim Sport und Ihrem Lieblingssportler: Der besass tatsaechlich lediglich die Chuzpe, unter gleichen Bedingungen gegen seine Gegner antreten zu wollen – dementsprechend hat er natuerlich auch keinen betrogen. So oder aehnlich beschreiben Sie es ja oft genug und so oder aehnlich muesste/sollte ich es dann in der Zukunft auch selbst machen, damit ich mich nicht selbst benachteilige. Es ist und bleibt einfach schwierig, das Leben – oder: Man macht viel durch 😉
Hier im Bad Godesberger Kleinen Theater gibt es uebrigens eine sehr sehenswerte Heinz-Erhard-Revue. Die habe ich mir im letzten Winter angeschaut – sehr empfehlenswert. Vielen Dank auch fuer die erhellende, spannende, manchmal traurige Lektuere Ihrer Sport-Leben-Artikel. Die habe ich erst vor ein paar Wochen gelesen. Das Ganze hatte mich so beeindruckt, dass ich mir den Eine-Kugel-fuer-Montreal-Film besorgt habe. Haben Sie sich den Film tatsaechlich nie angeschaut? Zum Schluss noch ein Tipp fuer die DVD-Radtouren im Winter: Breaking Bad. Die Serie Lost war mit einfach zu kryptisch. Genau wie Ihre Schlussbetrachtung der Serie vor ein paar Wochen im Blog – da bin ich auch nicht durchgestiegen. Somit war mein vorzeitiges Ende nach der zweiten Staffel wohl die richtige Wahl. Ansonsten kann ich nur den Wunsch aeussern, dass Sie uns Lesern noch ein paar Jahre mit Ihrem Stammtisch erhalten bleiben (Ist denn schon ein Ende in Sicht? Das Rentenalter rueckt ja naeher.), Ihnen eine ruhige und schoene Weihnachtszeit und natuerlich ein zufriedenes Jahr 2012 wuenschen. Weiter so! (Ralf Protzel)

Da gibt es sehr frappierende Gemeinsamkeiten. Zunächst der Unfall: Auch nach meinem im Blog ausführlich genug selbstmitleidig geschilderten Schlüsselbein-Unfall verzichtete ich auf eine Anzeige (Polizei fragt den Unschuldigen schon am Unfallort, später fragt die Staatsanwaltschaft nach), da mir der junge Autofahrer gestraft genug erschien (er jammerte: „Das gibt Bußgeld ohne Ende und wieder Punkte in Flensburg“). Zum Dank musste ich dem Mann viele Male hinterhertelefonieren, er war mit einem Mietwagen unterwegs gewesen, kümmerte sich um nichts mehr und fragte nie nach, wie’s seinem Opfer ginge. Bis die Versicherung des Mietwagen-Besitzers den Fahrer ausfindig gemacht hatte, der trotz Ultimatums auf ihre Anfragen nie geantwortet hatte, so dass sie schließlich  ohne Stellungnahme des Beschuldigten zahlte (Arztrechnungen), hatte ich schon zwei Mahnungen über nicht bezahlte Rechnungen erhalten (was mir als Obergerichtsvollzieher-Sohn besonders unangenehm war), u.a. die des Rettungswagens, die schon wenige Tage nach dem Unfall kam:  knapp 500 Euro für die kurze Fahrt ins Krankenhaus. Und zum Schmerzensgeld: Auf die Idee wäre ich nie gekommen, aber das erste, was ich im Bekanntenkreis hörte, war die Frage, ob ich auch ja sofort Schmerzensgeld beantragt hätte. Die Versicherung (im übrigen sehr hilfsbereit und freundlich) kündigte aber von sich aus an, mir Schmerzensgeld anbieten zu wollen. Obwohl ich ablehnte, weil ich nicht abzocken wollte, besteht sie darauf, mir nach Abschluss der Formalitäten ein Schmerzensgeld anzubieten.

Zweite Koinzidenz. Breaking Bad. Wie sich mancehr Leser erinnern mag, war Lost vor etwa zwei Jahren ein Geburtstagsgeschenk von Henni Nachtsheim. Und raten Sie mal, was mir Henni dieses Jahr geschenkt hat? Erste Staffel von Breaking Bad, es wäre eine sehr besondere, sehr skurrile Serie. Wird demnächst überprüft, auf dem Heimtrainer.

Zu den zwei Fragen: Nein, ich habe den Film immer noch nicht gesehen (kann beim WDR bestellt werden, aus der Serie „Kraftproben“) und werde ihn mir auch nie anschauen. Ich mag keine Filme ohne Happy-End, und dieser Film ist die quälende Langzeitbeobachtung des verzweifelten Aufbäumens gegen das Unabänderliche. Dass ich selbst der Aufbäumer bin, macht’s nicht leichter. Aber selbst nach dieser langen Zeit (1975) immer noch ein seltsames Gefühl, dass damals Millionen Menschen den ARD-Film gesehen haben (es gab ja nur ARD, ZDF und das Dritte), an einem Sonntagnachmittag vor der Sportschau, und dass der Film Preise gewonnen hat, die er mit Happy-End wohl nicht gewonnen hätte (denn das Scheitern war dramaturgisch das i-Tüpfelchen).

Und das Rentenalter: Wie alt ich bin, weiß die alte eitle Diva nicht so genau, aber für die Leser ist’s egal, denn  „gw“ schreibt weiter. Falls nötig bzw. erwünscht, über das Renteneintrittsalter hinaus bis zum Lebensaustrittsalter. Und jetzt ab an die „Montagsthemen“!