Beitrag ausdrucken Beitrag ausdrucken

Das war’s im Februar (Vom Geschwurbel zum Geschummel)

Sonntag, 5. Februar: Hätte die Monica Lierhaus früherer Jahre fernsehöffentlich die Hochzeitsfrage gestellt? Ein großer Coup für Springer und HörZu. Reimt sich sogar
*
Freitag, 11. Februar: Zur aktuellen Lage in Ägypten mangels Wissen keine eigene Meinung außer der, dass das Volk Mubarak weg haben will, aber noch nicht weiß, was es stattdessen will, aber sicher nicht das, was wir wollen, dass die Ägypter es wollen sollen. Wir nehmen uns und unsere Einstellung zu wichtig
*
Samstag, 12. Februar: In der ewigen deutschen Weltbestenliste der Vieldrauflosquassler liegt Amanatidis auf Platz zwei hinter dem unangefochten Führenden, einem gewissen Loddar. Das nervt den Trainer, zumal Amanatidis punktgenau in der Torlos-Krise losledert und in gewissen Frankfurter Medienkreisen willige Helfer findet. Die lieben ihren »Ama«, der im Gegensatz zu manchem wortfaulen Profi immer und überall Wortschwälle absondert, sogar druckreife, denn beredt ist er, kritisch auch, er hinterfragt alles und jeden. Nur sich selbst nicht.
*
Dienstag, 15. Februar: Gottschalk hört auf, Peter Alexander stirbt, die Erde bebt und Käßmann kriegt ’nen Orden. Senf dazu: In der öffentlichen Wahrnehmung der Großen Tele-Drei ist Harald Schmidt der zynisch-schlaue, Günther Jauch der gediegen-kluge und Gottschalk der Gar-nicht-Intellektuelle. Doch in Wahrheit ist Gottschalk unter ihnen der einzige echte Gebildete. Peter Alexander: Wer ihn als harmlosen Operetten-Fuzzy und Spaß-Simpel einordnet, sollte sich mal seinen Badewannentango anhören. Gibt’s bestimmt bei youtube. Als Ami wäre er Weltstar geworden.
Mittwoch, 16. Februar: Hat Guttenberg abgeschrieben? In der SZ kann man heute vergleichen. Die Sache scheint sonnenklar. Als Medienimage-Profi weiß der Baron: Jetzt wird’s eng, Kundus ist gar nichts dagegen. Merke: Nur von sich selbst abschreiben ist erlaubt. Ich weiß, wovon ich (ab-)schreibe
*
Samstag, 19. Februar: Messi kam als klein gewachsener Bub aus einem einzigen Grund nach Barcelona: Weil die Spanier ihm eine Wachstumshormon-Kur bezahlten, eine Manipulation mit dem Ziel, die sportliche Leistung des mickrig-schwächlichen Lionel zu steigern (seitdem »verordnen« argentinische Eltern ihren Kindern Wachstumshormone, damit aus ihnen kleine Messis werden). Kaum jemand brachte das mit Doping in Verbindung, denn im Fußball gelten eigene Regeln, in Spanien allemal. Auch der aktuell heiß diskutierte Fall »Dr. Guttenberg« erfüllt die klassische Definition von Doping: Leistungssteigerung mit Hilfe verbotener Fremdmittel. Wer dem Baron böse will, könnte folgern, dass bei einem Menschen, der in seinen Reden einen solch manierierten Wort- und Satzbau pflegt, es vom Geschwurbel zum Geschummel nicht weit sein müsse.
*
Ohne weitere Worte: »Ich twitter nicht, ich bin nicht bei Facebook. Ich lehne das alles ab. Ich finde das alles total schrottig und verfluche den Tag, an dem dieser Dreck kam.« (Anke Engelke im Mediendienst DWDL)
*
Dienstag, 22. Februar: Gaddafi mit dem Regenschirm: Das Wahnsinnsbild gilt als Beleg für die Durchgeknalltheit des Diktators, doch dafür hätte es keines weiteren Beleges bedurft. Die Symbolik ist eine ganz andere. Seltsam, dass sie noch niemand angesprochen hat: Gaddafi HÄLT einen Regenschirm über sich. Wenn Potentaten den Schirm nicht mehr halten lassen, sind sie am Ende. Gaddafi wirkte schon immer wie ein von Carl Barks gezeichneter und Dr. Erika Fuchs gedolmetschter exotischer Comic-Potentat.
*
Donnerstag, 24. Februar: Leider spielt der in unserer Kolumne oft hoch gelobte Heribert Bruchhagen diesmal eine recht unrühmliche Rolle. Wenn ein Spieler (Amanatidis) seinen Trainer öffentlich derart massiv angreift, muss der Trainer handeln, wie Skibbe gehandelt hat. Und wenn der Boss den Trainer postwendend derart peinlich zurückpfeift wie Bruchhagen, beschämt und demontiert er den Trainer auf eine Weise, die sich auch negativ auf die Mannschaftsleistung auswirken muss.
*
Samstag, 26. Februar: Thesen: 1. Bayern München ist die mit Abstand beste deutsche Fußballmannschaft. 2. Borussia Dortmund ist die mit Abstand beste deutsche Bundesliga-Mannschaft. 3. These 1 und These 2 widersprechen sich nicht.
*
Montag, 28. Februar: Von und zu Guttenberg: Hatte noch viel höhere Ziele als die Eintracht und steckt noch viel tiefer im persönlichen Abstiegskampf. Langsam muss er einem leid tun. Wir als niederes Volk können uns kaum vorstellen, was es für einen wie ihn bedeutet zu wissen, dass er noch in einigen hundert Jahren in der Ahnengalerie hängt und seine Nachfahren peinlich berührt schweigen, wenn Gäste fragen: Wer ist denn das? (gw)

Baumhausbeichte - Novelle