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Montag, 12. Dezember, 10.15 Uhr.

Nach der morgendlichen Radtour im Keller zu den DVD-Bildern und -Klängen von Carmen (mit Domingo, aus Wien 1979) geht’s gleich ans Aufdröseln der letzten Wer-bin-ich-Runde. Zuvor noch zwei schöne Mails zu den Samstags-Kolumnen, die erste zum “Sport-Stammtisch”, die zweite zur “Nach-Lese” im Feuilleton.

Das »Betrugs-Thema« amüsiert mich, ehrlich – und insgeheim hoffe ich, dass in naher Zukunft noch viel mehr Vereine so handeln! Anders wird es den Fans wohl auch nicht mehr beizubringen sein, dass hier nur um des TV-Fernsehgeld-Reibachs wegen die Wettberwebe künstlich aufgebläht werden und neben den Vereinen auch die Verbände »fette Beute« machen. Ich habe durchaus auch Verständnis für die Top-Vereine, deren Terminkalender seit Jahren viel zu voll ist. Aber im Endeffekt werden die Fans, die im Vorfeld teure Eintrittskarten erstanden haben und natürlich die beste Mannschaft sehen wollen, nur verschaukelt. – Es müsste sich daher viel mehr Unmut breit machen, vielleicht kommt man dann auch wieder mal auf den Punkt. Auslosung Runde 1 – der Sieger kommt weiter, der Verlierer fliegt raus – Auslosung nächste Runde. Wie früher, oder wie im DFB-Pokal, da schaut man sich auch gerne das Spiel eines Regionalligisten gegen einen Bundesligisten an, weil man genau weiß, es gibt einen ehrlichen Wettkampf und nur einen Sieger. – OK, ok, ich weiß ja selbst dass …. aber, bitte, es geht schließlich auf Weihnachten zu – man wird sich doch nochmal was wünschen dürfen. (Kay Velte)

So isses! Kay Velte aus Wetzlar nimmt mir das Thema vorweg: Die künstliche Aufblähung der CL-Termine mit ihren Gruppenspielen, bei denen immer auch »Gijon« droht. Rückkehr zu ausschließlich K.o.-Spiele wäre die Lösung, ist aber nicht mehr kompatibel mit den kommerziellen Zwängen, in die sich die Klubs freiwillig begeben haben.

Auch Friedrich Kellner zeigt in seinen Tagebüchern diese Weit- und Hellsichtigkeit. Mein Vater – er absolvierte eine siebenmonatige Ausbildung am Amtsgericht Laubach bei Herrn Kellner – liest, und liest, und liest . . . (Rosemarie Haager)
Rosemarie Haager ist eine liebe ehemalige Kollegin. Als ich bei uns und anderswo die ersten Artikel über Friedrich Kellner las, musste ich auch sofort an Haffners Buch denken. Kellner ist wohl insofern noch erstaunlicher, als Haffner in seinem intellektuellen Großstadt-Milieu eher zu seinen hellsichtigen Beobachtungen kommen konnte als Kellner in der Provinz. Seine Aufzeichnungen habe ich leider noch nicht gelesen, sie stehen aber auf meiner Leseliste.
So, nun noch ohne weitere Worte eine dritte und letzte Mail, dann ist WBI dran (es ist bei drei »Richtigen« geblieben)

Hallo, gw, als treuer, wenn auch unregelmässiger Leser blättere ich gerne mal im Anstoss, meist intressiert, mal etwas Kofschütteln, zB an Frau Neuner, in Bezug nehmend auf Deine Kolumne, also Frau Neuner erinnert mich an die Sprechstundenhilfe, die sagte. Mein Leben ist zu Ende, morgen wird ich 23, ! Frau Neuner sagt: ich habe alles erreicht und der Sport ist eh bloss Geschäft, DU, mein lieber gw, erzählts von dem grossen Loch, in das man fällt, wenn man eine grosse Aufgabe erledigt hat, welches Loch ? hast Du nie Freude, Stolz empfunden, wenn Dir was Grossartiges gelang, in ein Loch fallen, keine Motivation, es sollte eher Motivation sein, weitere Leistungen zu bringen, oder?
Frau Neuner sagt, der ganze Rummel ist ihr zuviel, die Touristen tramplen in ihrem Garten herum und das ganze ist ihr zuwider, vergessen hat das Mädchen, dass es dieser Rummel ist, der ihr viel Geld aufs Konto spült, ohne die Sportfabrik stände sie vielleicht heute im Supermarkt und würde Brötchen verkaufen, allein die Reisen, Bekanntschaft mit hohen Persönlichkeiten, die andere nur aus den Medien kennen, ein Luxusleben, alles zählt nicht, natürlich geht das gute Leben für sie weiter, erst wird sie mal in BILD ihre Memoiren schreiben, bei den Jahresrückblicken wird sie von Kanal zu Kanal eilen, Werbeverträge, man sieht auch in Unterwäsche, das bringt alle Geld, In TV Serien auftreten usw. usw., zum Schluss kommt noch der obligatorische Co Kommentatorjob bei den ÖR, also das arme Kind, mitten drin in der Sportfabrik, die sie ja so verachtet, das arme Kind ist zu bedauern, gut dass sie jetzt aufhört, denn in D ist das Leben von Sportgrössen gefährlich, siehe Krabbe. Siehe Pechstein, die beiden runter von hohem Ross, das macht jedem Spass, erst Sportlerin des Jahres, dann richtig eingetaucht, von Ullrich red ich gar nicht, die Gutmenschen jubelten, ja das macht Spass, da lässt man verdiente Sportlerinnen im Regen stehen, reisst ihnen alles von den Schultern, die Medien heulen auf, die Mitmenschen reiben sich die Hände, die Konkurrenten sind begeistert, endlich diese lästigen Leute weg, die einem die Tour vermasseln, und nach langwierigen Prozessen muss man den leuten zugestehen, dass alles nur Kacke war, aber man entschuldigt sich nicht, sondern mault hinten rum, Pechstein mit ihre 40 Jahren mischt die Konkurrenz, zum Entsetzen aller auf , aber was hilfts, die Karriere ist im Eimer, all das bleibt der Neuner erspart, weil sie rechtzeitig aufhört!
PS hoffentlich bekommt der Vettel keinen Burn out! (Georg Schmidt)

Baumhausbeichte - Novelle