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Sonntag, 11. Dezember, 5.30 Uhr.

Bisschen arg früh heute. Senile Bettflucht des Kurzzeit-Strohwitwers? Noch nicht per Auto, sondern per “Tunnel” in der Redaktion angekommen. Wunder der Technik. Wunderlich, welche komplizierten Dinge ich anwenden kann (Danke, liebe Kollegen von der Systemtechnik), wenn’s um Blog, Kolumnen und Zeitungsmachen geht. Gestern dagegen, beim Kauf eines Weihnachts-iPads, von den jungen Verkäufern behandelt worden wie der letzte Depp, zwar freundlich, aber herablassend und leicht genervt ob der seltsamen Fragen des seltsamen Alten. Stichwort wunderlich: Statt des ewigen Fußballs sollen heute zwei wunderbare junge Frauen die Montagsthemen beherrschen (bedamen hat sich gendermäßig ja noch nicht durchgesetzt): Britta Steffens Comeback nach einer der wunderlichsten Affären der jüngeren deutschen Sportgeschichte und Magdalena Neuners angekündigtes Karriereende sowie ihr neues, uns alle tröstendes Lebensziel. Und eine Gemeinsamkeit der beiden, das lebenssinngefährliche Verwirklichen von Lebensträumen. Selbst wir, die wir weit entfernt davon waren, olympische Lebensträume auch nur annähernd zu verwirklichen wie die beiden Olympiasiegerinnen, kennen das tiefe Loch, das uns angähnt, wenn wir nur davon träumen, diese Ziele verwirklicht zu haben. Der große Moment, in dem im Tagwunschtraum alles erreicht ist, ist gleichzeitig der Moment, in dem die erträumte Euphorie abfällt und wir uns bang fragen: Und jetzt?

Ist Siegen alles und der Zweite schon der erste Verlierer? Großes Thema für den “Anstoß” an Heiligabend, wenn der von der Pfarrer-Vierteljahreszeitschrift “Brennpunkt Gemeinde” erbetene Artikel bei uns vorabgedruckt wird. Irgendwann habe ich mal im Blog erwähnt, dass ich von den Pfarrers kein Honorar will (sie mögen es spenden zugunsten unglücklicher Ungläubiger), aber die Glosse in jedem Fall auch bei uns veröffentlichen werde, zumal ich wegen der wahrscheinlich (dachte ich) zu speziellen gw-Handhabung des Themas auf wenig christliche Gegenliebe bei den Christen vom Fach stoßen könnte. Scheint aber nicht der Fall zu sein, der verantwortliche “Brennpunkt”-Redakteur hat sich jedenfalls mit überraschenden und ungewöhnlichen Worten bedankt (“großartige Glosse, ein Meisterwerk!”). Ich würde lügen, wenn ich behauptete, mich nicht geschmeichelt zu fühlen. So, jetzt den alten Pino Gassi führen und dann physisch und nicht nur virtuell ab in die Redaktion.

Baumhausbeichte - Novelle