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Freitag, 9. Dezember, 18.30 Uhr.

Da der letzte Blog-Eintrag vom Sonntag stammt, sollte vielleicht noch einmal allen Nicht-Zeitungslesern klargemacht werden, dass hier keiner der üblichen Blogs zu lesen ist, sondern eine Online-Begleitung für die in unseren Zeitungsausgaben veröffentlichten “Anstoß”-Kolumnen von “gw”, wobei ich manchmal mit den Medien bzw. mit mir selbst Ping-Pong spiele (und den Blog bisweilen auch als Steinbruch für zu schreibende Zeitungs-Kolumnen benutze).  So gab es auch keine Sendepause seit Sonntag, sondern es sind seitdem diverse Zeitungs-Kolumnen online gestellt worden: Die “Montagsthemen”, die Zitatensammlung “Ohne weitere Worte”, ein Extra-”Anstoß” mit dem Titel “Ausgebrannt” und heute auch der “Sport-Stammtisch” (alles unter “gw-Beiträge Anstoß” anzuklicken) sowie die Feuilleton-Kolumne “Nach-Lese”, mein Baby, das der Feuilleton-Kollege mm adoptiert hat und für das ich nur noch als Babysitter einspringe (Titel diesmal: “Die wunderbare Welt des Internets”/siehe “gw-Beiträge Kultur”). Also habe ich nicht gefaulenzt, sondern wenigstens ein Fleißpünktchen verdient. Zwanzigers Zeugnis für mich: “gw hat sich bemüht. Er ist ein geeigneter Kandidat fürs Kolumnenschreiben.” (Ping-Pong, siehe “Sport-Stammtisch”)

Über die “wunderbare Welt” des Internets habe ich im Blog und in den Kolumnen schon des öfteren gelästert und mich auch ernsthaft damit auseinandergesetzt, der Tucholsky-Fake (Pong-Ping: siehe aktuelle “Nach-Lese”) ist da nur eine kleine Randnotiz, eher um zu lächeln als sich zu gruseln. Jetzt lese ich im “Spiegel” einen Beitrag von Erik Fosnes Hansen (der mit dem Titanic-Roman “Choral am Ende der Reise”) über seinen norwegischen Landsmann und Massenmörder, dessen Name keiner Erwähnung wert ist. Hansen verteidigt die umstrittene und heiß diskutierte Unzurechnungsfähigkeit des Irren, und ich bin da nicht “ganz nahe bei ihm” (furchtbare Neu-Floskel), sondern sogar deckungsgleich, zumal der norwegische Erfolgsautor einen Gedanken  formuliert, der meine Beschäftigung mit dem Internet schon lange begleitet (ich weiß allerdings nicht mehr, ob ich schon einmal darüber geschrieben habe): Der ganz gewöhnliche Irrsinnige und/oder Perverse, den es schon immer gab, findet im Internet plötzlich Gleichgesinnte und fühlt sich dadurch legitimiert, seine Phantasien auszuleben. Früher, nicht im globalen virtuellen Dorf, sondern im eigenen echten und in dessen naher und weiter Umgebung, fand er niemanden seines Irrsinns-Kalibers und war sich eher bewusst, dass das, was in ihm wütet, nackter Wahnsinn ist, der nicht ausgelebt werden darf. Jetzt findet er aber hundert Dörfer weiter einen gleichgesinnten Irren, tausend Dörfer weiter den nächsten, und je mehr sie sind, desto weniger hoch wird die Hemmschwelle.

Diese Sätze habe ich, wie fast immer im Blog, nur so dahingeschrieben, mit der Gefahr stilistischer und intellektueller Blößen. Für eine Zeitungs-Kolumne  müsste das alles durchdacht und ausformuliert werden.

Noch das: Morgen (Samstag) ist Einsendeschluss für die 19. “Wer-bin-ich?”-Runde (ja, Danke für die Hinweise, hab mich verzählt, ist nicht die 18.). Falls nicht noch auf den letzten Drücker viele richtige Lösungen kommen, ist mir diesmal die ungoogelisierbare Selektion gelungen: Bisher nur drei “Richtige” als Endlösung und keine einzige komplett richtige Zwischenlösung (bei den zwölf Einzelfragen).

Selektion? Endlösung? Ping-Pong (siehe “Sport-Stammtisch”)

Baumhausbeichte - Novelle