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Montagsthemen (vom 5. Dezember)

Das Unentschieden der beiden Borussen sei ganz im Sinne der Bayern, heißt es in den Analysen der Liga-Experten. Wirklich? Wer das Spiel gesehen und genossen hat, dem schwant, dass die Punkteteilung beiden mehr hilft als den Bayern. Nicht in der aktuellen Tabelle, sondern für die einzig wirklich wichtige Tabellenführung – die nach dem 34. Spieltag.
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Liegt die Zukunft des deutschen Liga-Fußballs nicht im Süden, sondern im Westen? Wird die Musik im modernen Fußball nicht von Retro-Klassiktrainern wie Heynckes, sondern von Avantgardisten wie Klopp oder Favre dirigiert? Auch hier als Antwort nur eine Vermutung: nein. Denn wenn sich die leise Ahnung zum wahrscheinlichkeitsfesten Trend entwickelt, sind die Bayern elastisch und reich genug, den Paradigmenwechsel abrupt mitzuvollziehen – und zwar wieder an erster Stelle.
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So, das war der montagsthematische Abschluss der beiden Samstags-Themen Expertentum und Paradigmenwechsel. Zu einem anderen Wechsel: DFB-Boss Zwanziger hört auf, sein gutes Recht. Aber wie er aufhört, das ist schlecht (reim dich …). Obwohl ihm rieselt nicht der Kalk, geht nun auch ein Gottes Schalk (. . . oder ich fress dich).
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Also, Zwanziger und Gottschalk: Einer von beiden nimmt sich nicht wichtig, auch daher mögen ihn (fast) alle. Der andere verkündet seinen Abschied eigenwillig und selbstherrlich fast zeitgleich mit der EM-Auslosung, qualifiziert seinen logischen Nachfolger Niersbach affrontartig ab (»ein geeigneter Kandidat«) und greift dem demokratischen Wahlprozess vor, indem er autokratisch verkündet, »seit einigen Monaten diesbezüglich mit einer Persönlichkeit im Gespräch« zu sein, wobei es sich »um einen fußballexternen Kandidaten« (dpa) handeln könnte. Und da wären wir wieder bei Gottschalk, denn wer sonst könnte im Zwanziger-Sinne auf Zwanziger folgen als der zweifellos fußballexterne Mann, dessen Beliebtheit im Volk so groß ist wie das Selbstverständnis von Zwanziger? Die anderen beiden Kandidaten sind entweder nicht fußballextern genug (Frau Merkel) oder auf Lebenszeit einem anderen Amt verpflichtet (Herr Ratzinger).
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Alle Genannten haben eine Gemeinsamkeit: Sie waren noch nie die zu ratenden Kandidaten einer »Wer-bin-ich?«-Folge. Was mehr oder weniger elegant zu einer Berichtigung überleitet: Der in der laufenden Runde auftauchende (K) ist nicht, wie fälschlich angegeben, der Älteste der zu Suchenden, bleibt aber als »Vorgesetzter von Ihnen, Herr (I)« eindeutig und unzweifelhaft zu identifizieren. Wofür auch einige schon eingetroffene richtige Lösungen sprechen.
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Und da wäre dann noch ein sehr schönes Interview in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung mit »Trainer-Legende Don Turner über den Niedergang des Schwergewichtsboxens«. Etwas davon taucht morgen in »Ohne weitere Worte« auf. Heute schon der Grund, warum »Schwergewichtler nicht die Mutigsten« sind: »Weil sie nie kämpfen müssen – nicht in der Schule, nicht auf der Straße. Weil sie groß sind und viele Muskeln haben, geht ihnen automatisch jeder aus dem Weg. Schauen Sie sich die Anführer von Straßengangs an, das sind nie die großen, schweren Jungs. Die wissen gar nicht, ob sie kämpfen können, weil sie nie getestet wurden.« – Es hat sehr lange gedauert, aber warum er nie getestet wurde und nie Anführer einer Straßengang war, das weiß nun: (gw)

Baumhausbeichte - Novelle