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Ohne weitere Worte (vom 29. November)

Sie kamen 1981 (…) von Guadeloupe nach Paris. Wurden Sie wegen Ihrer dunklen Haut gehänselt? – »In Frankreich lief gerade eine Fernsehserie mit einer schwarzen Kuh, die dumm und tollpatschig war, und einer weißen intelligenten Kuh. In der Schule nannten mich meine Mitschüler deshalb ›schwarze Kuh‹.« (Frankreichs Fußball-Rekordnationalspieler Lilian Thuram im Stern-Interview)
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»Als ganzes Team haben wir versagt in der Hinrichtung.« (Lewis Holtbys »Versprecher des Tages« bei sid)
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»Wir spielen sieben gegen sieben. Die Feldspieler haben nur ein Bein, die Torhüter einen Arm. Unsere Krücken benutzen wir ausschließlich zur Fortbewegung, wir dürfen damit nicht den Ball schlagen.« (Maxwell Fornah, Kapitän der Mannschaft von Sierra Leone, im Spiegel über die Regeln bei der Fußball-Afrikameisterschaft für Amputierte)
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David Garrett ist der Pilawa der klassischen Musik. (…) Aber es regt sich Widerstand, (…) beim Länderspiel, als Garrett (…) die Hymne spielte, fiel es Hansi Flick auf der Trainerbank offenbar schwer, beim Mitsingen nicht zu lachen, genau wie Per Mertesacker. Da wusste ich, dass wir Europameister werden. (»Teletext« von Tobias Rüther in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung)
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Was machen Sie genau? – »Ich gehe ins Hotel. Die Gäste tuscheln: Oh, die Olympiasiegerin. Ich soll fragen, ob ich ein Zimmer haben kann. Sie wollen mir die Suite geben, aber ich sage: Nein, ein einfaches Zimmer, bitte.« (Magdalena Neuner in der FR über ihre Gastrolle bei »Sturm der Liebe«)
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Die Morde der Zwickauer Terroristen sind (…) für das politische Klima der Bundesrepublik so repräsentativ wie eine Giftnatter im Kuschelzoo. (…) Undenkbar auch, dass ein bekannter Theaterregisseur einem wegen vielfachen Mordes verurteilten Rechtsextremisten nach dessen Entlassung aus der Haft ein »Praktikum« anbieten würde, wie es Claus Peymann gegenüber Cristian Klar getan hat. Linker Terrorismus kommt irgendwie sexy daher, (…) rechter Terror riecht nach Kotzbecken und Männerschweiß. Die Zwickauer Terroristen sind ein Furunkel am Arsch der Demokratie. (Henryk M. Broder in der Welt am Sonntag)
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Der Sabine Christiansen haben Sie mal abgesagt mit dem Satz: Ich kann unmöglich kommen, weil ich um die Zeit immer daheim bin. – »Daheimsein hat für mich eben einen hohen Stellenwert. Das hat die nicht verstanden.« (Gerhard Polt im SZ-Magazin-Interview)
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»Wenn ich weiterhin so viel Erfolg habe, dann kaufe ich euch die Mandschurei«, sagte Ungerer einmal einem japanischen Reporter. Der Reporter nickte höflich. »Wenn du im Alter noch alle Murmeln beisammen hast, kannst du sie viel besser abschießen«, findet der Künstler heute. (aus einem Seite-3-Porträt von Tomi Ungerer, 80, in der Süddeutschen Zeitung) (gw)

Baumhausbeichte - Novelle