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Mittwoch, 23. November, 11.15 Uhr.

So, in diesem Moment habe ich die “Nachdruck”-Kolumne online gestellt. Gestern noch lange daran herumgekürzt (nicht am alten Text, sondern an den neuen Anmerkungen), um den Kollegen heute Abend das Leben nicht zu schwer zu machen, denn neben dem Anstoß müssen die beiden aktuellen Champions-League-Spiele auf die erste Sportseite. Wird schwierig, denn trotz aller Kürzungen ist die Kolumne ein Riesentrumm geworden. Hätte ich nicht gekürzt und wären die Themen noch dazu gekommen, die gut dazu gepasst hätten (Nachrichtenmagazin, Algerien, Friedek, ein berühmter Radfahrer), hätte ich die erste Seite komplett mit der Kolumne zugeschrieben. Wär ja auch mal ein apartes Ding.

Heb ich mir’s halt für Samstag auf. Das heißt, die Nachrichtenmagazin-Geschichte wohl eher nicht. Da geht es darum, dass ein Nachrichtenmagazin, für sein Archiv und seine peniblen Recherchen be- und gerühmt, vor vielen Jahren einmal frech abgeschrieben hat. Von mir. Und dass ich es beweisen konnte. Es ist allerdings so lange her, dass ich den Anlass (Doping?) vergessen habe und auch im elektronischen Archiv nicht fündig wurde. Der Beweisgrund ist ein ähnlich peinlicher (aber zum Glück verjährt) wie die Peinlichkeiten (für FAZ und mich) in der Nachdruck-Folge “Novembergedanken”. Ich hatte in einer gewissen Angelegenheit (wie gesagt: vergessen, worum es ging) schlampig recherchiert und um ein gewisses Faktum herum andere “Fakten” kreativ herbeifantasiert, und ausgerechnet diese kreative Fantasie wurde von dem Magazin  später als knallhart selbst recherchierte Tatsache verkauft. Da ich für die “Nachdruck”-Serie in allen meinen alten Artikeln (es sind tausende) wühle, werde ich irgendwann darauf  stoßen und dann diese jetzt noch – wegen Vergesslichkeit – kryptisch klingenden Sätze mit dem richtigen Sachverhalt verständlich machen. Vielleicht macht’s aber auch vorher schon “klick”. Gestern habe ich bestimmt eine Stunde lang hoch konzentriert versucht, den “Klick” herbeizuzwingen, aber das kennt ja jeder, so etwas geht immer total in die Hose.

In die Hose. Schönes Stichwort. Einmal, ich war frustriert wegen eines mich enttäuschenden Kugelstoß-Wettkampfs, fabrizierte ich ohne zweideutige Absicht den zweideutigen “Spruch des Tages” für die Bild-Zeitung: “Wenn mein Ausstoß nicht schnell genug ist, geht alles in die Hose.”

Dass Charles Friedek versucht, die Sesselfurzer mit ihren eigenen bürokratischen Mitteln zu schlagen, hat weniger mit Sport als mit Sophismus zu tun, hat aber meine volle Sympathie. Das und dass der “berühmte Radfahrer” (wie heißt er bloß?; hier hab ich keine senile, sondern juristische Amnesie)  ehrlich überzeugt gewesen sein muss, nicht mit Clenbuterol gedopt zu haben, dass er das Kälbermastmittel aber schon lange vorher als trojanisches U-Boot in seine Blutbahn geschickt haben muss, wo es in der Warteschleife rumschipperte, bis es, fast schon vergessen, zur Unzeit wieder auftauchte, das hebe ich mir alles für die Samstags-Kolumne auf. Bis dann.

Halt, nein. Hab ja Algerien vergessen. Kommt auch auf den Samstags-Zettel: Mein heuchlerisches Entschuldigungs-Telegramm 1982 an die algerische Botschaft, mit dem ich mich selbst reinlegte, und dazu das aktuelle Nachhaken. Jetzt aber wirklich: Bis dann!

Baumhausbeichte - Novelle