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Dienstag, 22. November, 18.30 Uhr.

Morgens (für mich) jetzt zu kalt zum Draußenfahren. Aber das Treten im Keller auf dem alten Heimtrainer ist ätzend langweilig. Beim Draußenfahren vergeht die Zeit wie im Flug, im Keller steht sie. Trotz DVD-Gucken. Mittlerweile komme ich bei »Lost«, deren erste Staffel mir Henni Nachtsheim vor etwa zwei Jahren geschenkt hat, langsam zum Schluss (Mitte sechste Staffel). Bin gespannt, ob sich das alles einigermaßen logisch und human löst. Anderenfalls wäre diese massenhafte Totschlägerei nur  pseudo-mythischer Gewalt-Exzess. Was sagen eigentlich Pädagogen und Psychologen dazu?

Apropos Pädagogen und Psychologen:
Als langjähriger BVB-Fan habe ich mit Interesse die Einschätzungen zu den »Benotungen« von Götze gelesen. Von der Sache halte ich Ihre Einschätzung für korrekt, aufgefallen ist mir, dass die notorisch BVB-freundliche Sportredaktion der Ruhr-Nachrichten einen präzisen Blick hatte, ich will die Noten nicht vorenthalten:
http://www.ruhrnachrichten.de/sport/bvb/spielerzeugnis/
Als Zyniker könnte man vermuten, dass die RN Götze nicht zu hochloben wollen, damit er  möglichst lange beim BVB bleibt – aber als Optimist hoffe ich, dass Götze weiß, wo er die nächsten drei – fünf Jahre eine spielentscheidende Rolle spielen wird. Eher beim BVB als bei den in schöner Regelmäßigkeit genannten Clubs. (Walter Lochmann)

Walter Lochmann ist  Diplom-Pädagoge und leitet die Bad Vilbeler Kairosagentur, Bad Vilbel). Kairos (griech.) ist der »günstige Augenblick«, der dem Menschen nach Auffassung der Antike schicksalhaft entgegentritt und von ihm zu nutzen ist. Heute als »Die Gunst der Stunde nutzen« und »Die Gelegenheit beim Schopf packen« gebräuchlich. Kairophobie gilt als die Unfähigkeit, sich zu entscheiden.

Der Name von Dr. Sylvia Börgens (Wölfersheim) ist Kolumnen- wie Bloglesern wohlbekannt, als kritisch-konstruktive Begleiterin sowie als in der WBI-Spitzengruppe  Topplatzierte.  In unserer Wetterauer Zeitung ist heute mehr über sie zu erfahren. Für die Leser unserer anderen Zeitungen zwischen Alsfeld und Gießen folgt der WZ-Artikel.

Liebevolle Erinnerung kann das Leben bereichern

Diplom-Psychologin und Trauerbegleiterin Dr. Sylvia Börgens stellt bei »Friedberg lässt lesen« ihr drittes Buch »Wie aus Trauer Neues wächst« vor

(em). Wer einen geliebten Menschen verliert, schaut oft in eine graue Leere. Die Welt scheint ihre Farben verloren zu haben. Das Gefühl, nicht über den Verlust hinwegzukommen, ist erdrückend. Das war der Ausgangspunkt der jüngsten Veranstaltung der Reihe »Friedberg lässt lesen« in der Bindernagelschen Buchhandlung mit der Autorin Dr. Sylvia Börgens. Die Diplom-Psychologin und Trauerbegleiterin kennt solche Krisen aus der Arbeit in ihrer Beratungspraxis, aber auch aus eigener Erfahrung. Sie verlor ein Kind im Säuglingsalter.
Börgens leitete zusammen mit dem katholischen Pastoralreferenten Joachim Michalik und später mit Norbert Albert Selbsthilfegruppen für Hinterbliebene und setzt diese Arbeit jetzt mit Seminartagen im Kloster Ilbenstadt fort. Ihr drittes Buch »Wie aus Trauer Neues wächst« ist ein ebenso bewegendes wie authentisches Dokument, das die Zuhörer rasch in seinen Bann zog. Sehr anschaulich beschrieb Börgens, was nach dem Tod eines Partners, eines Kindes oder eines besonders nahestehenden Menschen geschieht. Auch wenn eine längere Krankheit vorausging, auch wenn es um die Beerdigung herum viel zu organisieren und damit eine gewisse Ablenkung gab, folge eine Schock- oder Lähmungs-Phase. Man könne nicht glauben, dass das Bett des Kindes jetzt für immer leer bleibt, dass der Partner nicht am Abend in seinem Lieblingssessel sitzt und der Tag in Gemeinsamkeit ausklingt.
Man wolle sich verkriechen, habe keine Kraft mehr für Außenkontakte – die Autorin sprach von einem »Notabschalteprogramm von Körper und Seele«. Nach der Betäubung kehrten die Gefühle zurück, eine schmerzliche Phase beginne. »Warum musste er so früh sterben?«, »Habe ich auch alles getan?«, »Hätte ich für die Pflege meinen Arbeitsplatz aufgeben sollen?« – es seien Fragen wie diese, mit denen sich der Trauernde selbst quäle. Erinnerungen kämen hoch, man mache sich Vorwürfe, weil man mit dem Partner gestritten oder dem Kind etwas verboten habe. Scheinbar Versäumtes provoziere zum Grübeln: »Hätten wir doch die Norwegen-Reise früher gemacht…«
Besonders schlimm sei diese Phase, wenn ein Verschulden Dritter, etwa bei einem Verkehrsunfall, eine Rolle spielt. Wut und Zorn seien dann unvermeidlich. Börgens betonte die Bedeutung dieser konfrontativen Phase als notwendige Verarbeitung, warnte aber davor, so stehen zu bleiben. Sie lud zum »Abschied und Neubeginn« am Ende eines akuten Trauerprozesses ein und berichtete von einem Vater, der sich nach dem Verlust seines Sohnes so unruhig und so getrieben gefühlt habe, dass er sich gesagt habe: »Ich muss was mit den Händen tun.« Er habe das Metallgitter eines Kellerfensters ausgeschnitten und es zu einem Kreuz umgeschmiedet, das er auf das Grab legte – die Phase anstrengender körperlicher Arbeit habe ihm Erleichterung verschafft und sei zugleich ein Zeichen des liebevollen Abschieds gewesen.
Börgens betonte den Wert solcher Rituale in der Trauerbewältigung. So berichtete sie von der schmerzlichen Situation eines jungen Ehepaares, dessen Drillinge zu früh geboren wurden. Nur eines der Kinder war lebensfähig. Die Eltern bestanden darauf, alle drei zu taufen. Mit ihrem Namen bekamen sie eine Identität, wurden zu Persönlichkeiten, auch wenn sie kaum gelebt hatten.
Die Autorin ging auch auf die individuelle Persönlichkeit des Trauernden ein, schilderte eher extrovertierte Menschen, die mit vielen anderen über den Verlust reden und sich ausweinen müssen, aber auch die Zurückgezogenen, die alles mit sich selbst ausmachen. Sie lud dazu ein, sich neuen Aufgaben zu öffnen, neue Beziehungen einzugehen oder bestehende zu aktivieren. Als schönes Beispiel nannte sie die Initiative einer Mutter, die ihre Tochter durch eine Krebserkrankung verlor und jetzt als Ehrenamtliche auf einer Krebsstation für Kinder mitarbeite.
In Übereinstimmung mit anderen Trauerbegleitern wandte sie sich auch engagiert gegen allzu schroffe Theorien, die Jahrzehnte lang propagiert wurden: »Man muss loslassen und ein neues Leben anfangen!« Dagegen machte sie Mut zur liebevollen Erinnerung, die ein Leben bereichern könne, das mit neuen Impulsen, aber auch in Loyalität zum Verstorbenen weitergehe.
Sowohl während der Lesung als auch während des anschließenden Gesprächs herrschte eine dichte Atmosphäre. Die Zuhörer, unter ihnen etliche aktuell von Verlusten betroffen, dankten Börgens mit Beifall, aber auch mit persönlichen Worten.

Baumhausbeichte - Novelle