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Sonntag, 20. November, 15.15 Uhr.

An der Kleine-Meldungen-Seite gearbeitet (meine Lieblingsseite, nur für Hardcore-Sportfans, die einfach ALLES wissen wollen), Mittagspäuschen und danach kleine Änderungen an den “Montagsthemen” gemacht und auch im Blog nachgebessert. Zwischenzeitlich kamen schon die ersten Mails als Reaktion auf Rafatis Suizidversuch bzw. auf Thomas Hübners Zeilen. Drei ebenfalls bemerkenswerte Beispiele folgen. Noch einmal: Diese Art Blog- und Kolumnenbegleitung motiviert immer aufs Neue. Danke! “Ohne” würde ich langsam ans Aufhören denken. “Mit” bedeutet: Als weiter!

 

Ich kann Herrn Hübner nur beipflichten, dass sich ein weiteres Breittreten des Suizidversuches von Herrn Rafati verbietet. Ich kam, nach einem langen Tag auswärts, abends rechtzeitig zum Aktuellen Sportstudio heim und verfolgte mit steigendem Unbehagen die Berichterstattung dort. Obgleich ich Herrn Zwanziger persönlich keine unlauteren Motive unterstelle, war er viel zu mitteilsam. Ein Vorgehen des DFB, das die Intimsphäre von Herrn Rafati respektiert, hätte so ausgesehen: Das Spiel findet mit einem Ersatzschiedsrichter statt, der DFB gibt bekannt, dass Rafati kurzfristig erkrankt sei und ins Krankenhaus eingeliefert werden musste. Falls das Hotelpersonal Einzelheiten ausplaudert – womit gerechnet werden muss -, hätte man den Suizidversuch bestätigen und ansonsten auf den Schutz der Persönlichkeitssphäre verweisen sollen.
Aber das sind wohl unerfüllbare Idealvorstellungen angesichts einer sensationsgeilen (Medien-)Öffentlichkeit.
Schönen Sonntag noch!
Sylvia Börgens

 

 

War ganz schön kalt auf dem Rad heute früh,oder? Ich werde mich trotzdem heute aufs Rad schwingen und ein paar Kilometer pedalieren. Wer weiß wie lange es noch geht.
Kleine Anmerkung zum sehr guten Beitag meines Kumpels Thomas Hübner, mit dem ich in den besagten 20 Jahren schon einige Spiele zwischen den beiden Fcks besucht habe, da ich fast genau solange Fan des wahren FCK bin.
Das erste was mir zum Thema Rafati gestern einfiel, war genau diese Kicker-Umfrage.Und ich habe mir schon oft gedacht wie sich ein Profi fühlen würde,wenn er zum schlechtesten Profi der Hinrunde gewählt werden würde.
Des weiteren sprach man überall davon, dass sich jede Spekulation verbieten würde, und dann wurde munter drauflos spekuliert.
So, und nun muss ich es irgendwie schaffen, den Anstoss/die Montagsthemen nicht schon Abends vorher Online zu lesen, weil das morgens der wunderbarste Einstieg in den Tag ist. Aber manchmal erlieg ich schon der Versuchung, wie früher beim Adventskalender.
Das gute ist, heute schimpft mich keiner, weils keiner merkt … ausser vielleicht??….(gw) Gruss aus der schönen Wetterau und einen schönen Sonntag
Andreas Kautz

 

 

Irgendwie will die Tragödie – ein Begriff, der sehr absichtlich hier hin gesetzt wird – um den Schiedsrichter Rafati zu Ihrer „Ausarbeitung“ zum Begriff Sport passen. Wie das? Sie halten Sport offenbar als fairen Wettkampf mit körperlichen Mitteln für definierbar, aber gesellschaftlich auch möglich. Dass dies beides derzeit mehrheitlich nicht der Fall ist, haben Sie oft genug deutlich gemacht – aber Sie halten es eben für möglich.

 Sobald Sport in die Hände des globalisierten Kapitalismus fällt, ist er weder fair noch wird er lediglich mit körperlichen Mitteln ausgetragen. Sie selbst haben sich, genau mit diesen Überlegungen, wenn Sie auch für diesen Vorgang die Wendung „Megarevent“ gesetzt haben, aus allen Implikationen der Frauen – Fußball – Weltmeisterschaft herausgehalten, mit gutem Grund und unter dem Beifall vieler, auch und gerade unter meinem Beifall.

Sport ist dies alles längst nicht mehr. Um Wiederholungen zu vermeiden verweise ich auf die vielen Bemerkungen in Ihrem Anstoß zu diesem Thema, zusammengefasst unter der Formulierung „Wahrer Sport, Ware Sport?“

Der Druck auf alle Akteure im Spitzensport geht von der Eventisierung aus, mit der man unglaublich viel Geld verdienen kann – nicht die Sportler so sehr, sondern die Eventmanager und die hinter diesen stehenden „Investoren“. Das Geschehen in der Loipe, auf dem Rasenplatz, in der Halle wird – hinsichtlich seiner Definition als Sport – längst nicht mehr im Vordergrund gesehen, sondern das Feiern, sich selbst feiern, das Gemeinschaftserlebnis, wenn es schlimm kommt, dann mit Fahnen und Gesang einschlägiger Provenienz

Dies gilt für den Fußball in differenzierter Weise. .Ein großer Teil der Fußball“anhänger“ will das Event. Ein vielleicht noch etwas größerer Teil sieht sich fast existentiell mit dem Fußball, mit dem Verein, verbunden. Dies ist miteinander nicht vereinbar. Es sind zwei ganz verschiedenen Arten.  Daraus entsteht im Übrigen, das ist jetzt aber nicht mein Thema, Streit, Ärger und Unverständnis untereinander.

Zum Anfang und zum Anliegen: Sport wird nicht mehr wahrgenommen als körperliche Leistung im Vergleich. Banalstes Beispiel sind Sportarten, in denen subjektive Beurteilungen zum Ergebnis beitragen: Punktrichter in den dafür einschlägigen Wettbewerben. Diese sind manipulierbar, ebenso wie andere Schiedsrichterleistungen. Es gibt insgesamt ein massives Interesse, genau jene Sportler, Sportvereine, Wettbewerbe nach vorne zu manipulieren, die den Eventcharakter wesentlich ausmachen bzw. die sich nahtlos in eine stromlinienförmige Welt der Postmoderne einpassen lassen. Die ist im Fußball etwa bei Hoffenheim, Wolfsburg und Leverkusen der Fall. Dies ist überall da nicht der Fall, wo – wiederum im Fußball -authentische Fans mit ihrem Verein eben existentiell verbunden sind. Also bei den Traditionsvereinen wie Kaiserslautern, Köln, Hamburg und meinetwegen auch Frankfurt.

Und der arme Herr Rafati? Recht hat der FC – Fan Hübner, ich bin übrigens auch einer- seit 1957 schon -, der darüber nichts weiter schreiben will und Recht hat er auch, wenn er aufgrund der öffentlichkeitswirksamen Stellungnahmen gestern den Schiedsrichter, mindestens diesen, wenn nicht den Menschen, für erledigt hält. Jedoch hängt da eben noch mehr daran: Tragödie heißt im Wesentlichen unlösbar in etwas verstrickt zu sein. Man ist insgesamt eben unlösbar verstrickt in die Anforderungen, die Gelddruckmaschine Spitzensport am Laufen zu halten. Mehr dazu nicht.

Jedoch sollten Sie, lieber g.w., doch noch einmal darüber nachdenken, ob unter diesen Umständen nicht jene Weltsportverbände Recht haben, die eine Sportart wie Schach und eben auch Bridge genau für Sport halten, in ihre Dachverbände und Olympische Komitees aufnehmen mit der Begründung, dass auch hier eine Leistung, die zurechenbar ist, also unter Ausschaltung von Glück (unabdingbares Kriterium), erbracht wird. Es muss nicht immer körperlich zugehen, zumal nicht sichergestellt ist, dass die zurechenbare Leistung wirklich zählt.

Herzliche Grüße

 Ihr

Hauschild

(Dr. Hans-Ulrich Hauschild)

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