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Montagsthemen (vom 7. November)

Kyrgiakos, Ochs, Chris, dazu Russ auf der Bank – vom untergegangenen Frankfurter Erstliga-Schiff aufs untergehende Wolfsburger, aber in Premium-Kabinen?
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Niemand hätte sich wundern müssen, wenn Magath auch noch Amanatidis eingewechselt hätte. Wo spielt der Grieche jetzt eigentlich? Mal auf seiner Homepage nachgucken: »Aktuelles zu meinem Verein Eintracht Frankfurt findet ihr unter www.eintracht.de.« Na ja, auch Websites sind nicht immer up to date. Zweiter Versuch: Was macht Amanatidis heute? Er »kümmert sich um sein Mode-Label und um einige private Dinge«. Ach so.
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Kyrgiakos war, warum auch immer, ein Liebling der Eintracht-Fans. Der alte griechische Haudegen kam aus England, wo er sich weigerte, englisch zu lernen, nach Deutschland, wo er sich weigerte, deutsch zu lernen. Wie spricht Magath mit ihm? Ach so, überhaupt nicht. Wie mit jedem Spieler.
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Kyrgiakos selbst verständigt sich nicht mit Worten, auch nicht mit Händen und Füßen, sondern mit dem Ellbogen. Kurzes, knackiges Gespräch mit Subotic. Seitdem hat er stumm unseren Wortschatz erweitert. Wie heißt »Gesichtsmittelbruch« eigentlich auf griechisch?
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»Die große Götze-Show« (Welt-am-Sonntag-Schlagzeile) war die große Kagawa-Show. Unterhalb der Schlagzeile, in der kleingedruckten WamS-Spielerbewertung, werden die Noten gerecht verteilt: Götze 2, Kagawa 1. Das Sternchen hinter der Eins: der fußballästhetisch verzückende Pass zu Lewandowskis 4:1.
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Immer wieder unerklärlich: In den ersten zehn Minuten wackelt der BVB, danach spielt er Wolfsburg in Grund und Boden. Oder die Bayern: Erst verblüfft Neapel, weil es den FCB keck in Bedrängnis bringt, dann spielen die Bayern mit ihnen Katzundmaus-Fußball vom anderen Stern, um schließlich wieder in Bedrängnis zu geraten. Nicht wegen Schweinsteiger, das begann schon vorher. Erklären können das nur Oberexpertisten. Die Sportisten unter der Zirkuskuppel: ratlos.
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Auch hierbei: Woher kommen aktuell die tiefschürfenwollenden Verständnisversuche für Ultras (wahlweise: für »Piraten«, für den Neo-Kommunismus)? Selbst die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, der Gewaltkultur bisher ebenso unverdächtig wie der Vorliebe für spontihafte Chaos-Politik oder realsozialistische Planwirtschaft, geht den Ultras auf den Leim: »Soll man die Gewalt etwa dulden? Nein. Aber wundern muss man sich auch nicht.« Weil: »Ihr ostentativer Martialismus ist letztlich auch nur ein Versuch, Lebendigkeit und Risikobereitschaft gegen eine helmtragende Vollkaskogesellschaft zu behaupten.« Woher dieses verständnisinnige Ranschmeißen der Bürgerlichen, nicht nur in der FAS, an die neuen Nichtbürgerlichen? Leiser Verdacht: Erstens Ratlosigkeit (gut zu verstehen), zweitens der spießerhafte Reflex, aber auf wirklich gar keinen Fall als Spießer zu gelten. Nonkonformistische Haltung dagegen: Dann lieber Spießer sein!
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Schon sein Miterfinder persönlich hat den Kommunismus erledigt: Weil man seine Theorie »in dem einen Ausdruck ›Aufhebung des Privateigentums‹ zusammenfassen« kann (Marx). Wer will das schon? Bei seinem eigenen? Denn böses Privateigentum ist immer nur das des anderen. Um zum Sport zurückzufinden: Zum Beispiel das des FC Bayern. Aber fast alle, die ihn hassen, wollen so werden wie er. (gw)

Baumhausbeichte - Novelle