Beitrag ausdrucken Beitrag ausdrucken

Wer bin ich? (Runde 18 und Auflösung 17. Runde)

Leicht war’s nicht, aber immerhin haben  knapp zwei Dutzend Teilnehmer die richtige Lösung für Runde 17 gefunden. Immer wieder erstaunlich, auf welch verschlungenen Wegen dabei gedacht wird – die manchmal, obwohl logisch scheinbar überzeugend, in die Irre führen. Zum Beispiel zu Leni Riefenstahl. Doch der Gesuchte heißt … aber lassen wir Dr. Paul Limberg die 17. Runde auflösen, einen Späteinsteiger, der nichtsdestotrotz schon in der Verfolgergruppe platziert ist: »Das angesprochene Sportfoto ist wirklich legendär. Mir ist es zum ersten Mal wohl Anfang der 1960er Jahre in einer der damals populären Jugendbuchserien (›Durch die weite Welt‹, ›Das neue Universum‹) begegnet, später natürlich auch noch mehrfach, und es ist haften geblieben. Es zeigt den Marathonläufer Dorando Pietri bei den Olympischen Spielen 1908 in London, wie er – klar in Führung liegend und den Sieg vor Augen – kurz vor dem Ziel völlig entkräftet zusammenzubrechen droht. Mitfühlende Herren, Kampfrichter oder Funktionäre, verhindern dies durch beherzte Griffe unter die Arme des Erschöpften, der sich so tatsächlich als Erster über die Ziellinie quält. Leider folgte umgehend die Disqualifikation wegen unerlaubter Unterstützung, und der bedauernswerte Pietri stand mit leeren Händen da. Eine anrührende Geschichte aus dem wahren Leben, voller Dramatik, Emotion, Tragik – letztlich philosophische Dimensionen erreichend. Ach ja, die Lösung fehlt noch: Ein gewisser Conan Doyle saß damals auf der Tribüne und beobachtete das Schauspiel. Später wurde er zu Unrecht, aber mit großer Hartnäckigkeit beschuldigt, einer der illegalen ›Unterstützer‹ des unglücklichen Athleten gewesen zu sein. Also lautet die Antwort: Sir Arthur Conan Doyle, Schöpfer des berühmten Sherlock Holmes. Es war äußerst vergnüglich, wieder in diese spektakuläre Episode der Sportgeschichte einzutauchen. Aber ich fürchte, dass die Experten an der Tabellenspitze den Gesuchten ebenfalls erkannt haben.«
*
Stimmt. Walther Roeber, einer der beiden Spitzenreiter (Kollege »mac« bleibt außer Konkurrenz der Dritte im Bunde), gibt uns Einblicke in seine Lösungs-Strategien: »Erst zwei, dreimal lesen, sogar halblaut mit unterschiedlicher Betonung. Dann akribisch lesen und auf einem Blatt Papier Notizen machen. Getrennt nach Fakten, Andeutungen und Verbrämungen, für die ein gw inzwischen bekannt ist. Diese Notizen werden dann in Beziehungen gebracht und – beiseite gelegt! Ich lasse das tatsächlich gern erstmal eine Weile sacken und lasse es auf mich einwirken. Das hat dieses Mal eine nicht unwichtige Rolle gespielt! Die wesentlichen Stichworte waren zunächst mal: Geadelter Arzt, Kokain, Strychnin, Sport, Doping, Photographie . . . Falsche Spuren gingen dann zu Sigmund Freud, Carl Koller, Leni Riefenstahl. Beim Sackenlassen dann das Pferd vom anderen Ende aufgezäumt: Bekannte Kokser? Dabei relativ schnell bei Sherlock Holmes gelandet, Lebensläufe nachgeschlagen und HEUREKA gebrummt.
 

 

Top 10 und Verfolger

 1. Walther Roeber
     Rüdiger Schlick                       beide 16
 3. Dr. Joachim Bille
     Karola Schleiter
     Jochen Schneider                       alle 15
 6. Jost-Eckhard Armbrecht
     Dr. Hans-Ulrich Hauschild
    Paul-Gerhard Schmidt
                                                           alle 14
 9. Dr. Sylvia Börgens
     Dr. Gerd-Ludwig Fängewisch
     Andreas Kautz                            alle 12

12. Norbert Roth
      Andreas Hofmann                  beide 10
14. Doris Heyer
      Dr. Paul Limberg
      Peter Storm                                 alle 9
17. Manfred Stein                                     8
18. Thorsten Düringer
       Norbert Fisch                         beide  7
 

Runde 18: Ich, der Floß-Fan und …?

»Die Bewegung ist träge, gleitend, sanft und geräuschlos; sie schläfert alle nervige Hast ein; unter ihrem beruhigenden Einfluss schwinden Ärger, Verdruss, Kummer, und das Leben wird zum Traum.«
*
Diese Sätze (vom »Wer-bin-ich?«-Redakteur zwecks Entgooglisierung leicht verändert) hat ein Landsmann von mir geschrieben, der Deutschland zu Fuß und zu Floß bereist hat und unter seinem Künstlernamen weltberühmt wurde. Mich wundert nur, dass er sich nicht »Mississippiman« genannt hat, zu Ehren der Flößer in Deutschland, die auf diese Art in die Zunftordnung eingetragen wurden und so zu ihren Namen kamen. Sie glauben, ich schweife ab? Gewiss nicht. Auch nicht, wenn ich Ihnen verrate, dass einer meiner Songs zu den Lieblingsliedern des »Wer bin ich?«-Redakteurs gehört. Wie heißt der Titel in Ihrer Sprache? Ik spräke ein klaines bisskän Deutsch. Redlichkeit? Anständigkeit? Offenheit? Ehrlichkeit? Viele Synonyme für ein einsames Wort. Mich wundert auch, dass der Redakteur dieses und nicht mein berühmtestes Lied bevorzugt, das wiederum zu einem Synonym für meinen Namen geworden ist. Aber das ist seine Sache.
*
Was meine Sache ist, sollte Sie gar nicht interessieren. Meine Hochzeiten, meine Scheidungen, meine Tiefzeiten, der Alkohol, mein Selbstmordversuch mit einem Reinigungsmittel, als ich eine Affäre mit der Frau eines Band-Kumpels hatte (der mich dennoch rettete) – alles Schnee (haha!) von gestern und für Sie unwichtig. Was vorgestern war, bringt Sie eher zum Ziel: Mein Großvater, wie übel ihm mitgespielt wurde und wer daran schuld war. Mit den Enkeln dieses Mannes habe ich mich vor ein paar Jahren getroffen. Sie sagten, ihr Opa habe nur Gutes tun wollen. Okay. Es war nicht ihre Schuld. Aber »Gutes getan« hat er meinem Opa ganz sicher nicht. Und dieser Mensch wird hier gesucht, nicht ich oder mein Opa oder der Floß-Fan. Mein Name führt sie nur zu ihm und die Flößer zu seinem Namen – und der hat, im Gegensatz zu mir und dem Floß-Fan, sehr viel mit Sport, mit deutschem Sport zu tun. Wer ist es?  (gw)
*
(Einsendeschluss: 26. 11)

Baumhausbeichte - Novelle