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“Nachdruck”: Doc Holiday (Anstoß vom 2. November)

In loser Folge begeben wir uns mit »Nachdruck« auf eine Reise in die Sport-Zeit, mit unveränderten (aber gekürzten) »gw«-Texten aus fünf Jahrzehnten, die Irrungen und Wirrungen dieser Jahre in Erinnerung rufen, nicht zuletzt auch die eigenen. Heute aber geht es eher um Irrungen und Wirrungen anderer . . . etwa auch von Ihnen?

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Dass ein wegen Krankheit für verhandlungsunfähig erklärter 63-Jähriger, eine Schlüsselfigur im Berliner Bankenskandal, beim Berlin-Marathon nach respektablen knapp viereinhalb Stunden ins Ziel kam, wissen unsere Leser bereits. Dass durch diese Affäre Diepgen seinen Job verlor, seine Partei die Macht, wir Steuerzahler knapp zwei Milliarden Euro und ein paar tausend Angestellte ihren Job, ist schon Geschichte und kein Stammtisch-Thema. Die Begründung für den Start des Mannes schon eher: Sein Anwalt erklärte, der Marathonlauf seines Mandanten sei ihm als »therapeutische Maßnahme« quasi verordnet worden, denn die Ärzte hätten ihm geraten, sich zu bewegen.  (11.1. 2006)
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Ausgerechnet einem Staatsanwalt lief der Mann vor die Augen. Echt dumm gelaufen. Fast so dumm wie jener US-Amerikaner, der beim New York Marathon 240. wurde, obwohl er wegen einer Fußverletzung krankgeschrieben war und Krankengeld kassiert hatte. Die Ergebnisliste brachte es an den Tag, und der wurde richtig teuer.  
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Aber auch unser lokaler Sportteil hat seine Tücken. Zumindest für einen »Kranken«, den der Arbeitgeber im Bett wähnt – und als quicklebendigen Kicker bei uns lobend erwähnt oder abgebildet sieht . . . (4. 11. 2006)
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Eine kurze, aber gerade in diesen Tagen wieder sehr aktuelle »Nachdruck«-Folge. Aus der »Zeit«: »Hilfe von Doc Holiday. Laut einer Umfrage und Hochrechnung des Marktforschungsinstituts TNS-Emid wollen sich allein in diesem Herbst 200 000 gesunde Arbeitnehmer krankschreiben lassen. Im Herbst, weil es wegen der grassierenden Erkältungskrankheiten weniger auffällt. (…) Es gibt Hinweise darauf, dass willfährige Hausärzte nicht selten sind.« Doch: »Was selbst viele Mediziner nicht wissen: Dem Arzt, der ›unrichtige Gesundheitszeugnisse‹ ausstellt, drohen nach Paragraf 278 Strafgesetzbuch zwei Jahre Gefängnis oder eine Geldstrafe.«
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Und uns droht zumindest Glaubwürdigkeitsverlust. Daher noch einmal die schon früher geäußerte Bitte: Machen Sie als Vereins-Pressewart, -Trainer oder -Spieler uns, unsere Fotografen, unsere freien Mitarbeiter nicht zu Komplizen und fordern Sie bitte nicht auf, Namen von »kranken« Sportlern zu fälschen oder deren Fotos nicht zu veröffentlichen. Dankeschön. (gw)

Baumhausbeichte - Novelle