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Montagsthemen (vom 24. Oktober)

Erst passives Abseits, jetzt absichtliches Handspiel – die Regelkunde taucht aus der schwarzen Tiefe des Paragraphen-Raumes plötzlich im Scheinwerferlicht des Schlagzeilen-Strafraums auf. Eine noch schönere Stilblüte trägt Mehmet Scholl ebenso lustvoll bei (hä?, wer wen?), der als ARD-Experte auf die Frage eines Interview-Experten (»Was muss ein Experte vermeiden?«) sagte: »Es darf nie so sein, dass, wenn absichtliches Handspiel vorliegt, der Experte sagt, das war Abseits!«
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In diesem Sinne als Experte ausgewiesen, kann der Kolumnist sogar die DFB-Regel 12 zitieren, die auch FIFA-Regel ist und nur zwischen absichtlichem (Hand zum Ball) und unabsichtlichem (Ball zur Hand) Handspiel unterschiedet. Und das Handspiel in Nürnberg war so unabsichtlich wie selten ein solches und daher nicht zu bestrafen.
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Noch ein Superlativ: Das Spiel in Dortmund war so einseitig wie selten ein solches und daher mit einem 0:5 für Köln noch viel zu milde bestraft. Einseitiger überlegen waren nur noch einst die Bayern gegen Eintracht Frankfurt, ein Spiel, das bekanntlich Oka Nikolov 0:0 gewann, was die Chancenauswertung des BVB in einem neuen positiven Licht sehen lässt. Wie Dortmund überhaupt  erneut die Hoffnung weckte, auch einmal in der Champions League wie die Bundesliga-Borussen zu spielen. Klopp müsste seinen europäisch verzagt über die eigenen Füße stolpernden Bubis nur eintrichtern, dass Piräus und Marseille nicht Real und Barca sind, sondern Köln und Köln, und dass Arsenal mit Mertesacker spielt (wie müssten Götze und Kagawa mit ihm tanzen!) und nicht mehr das alte Arsenal ist, das so spielte, wie das junge Dortmund heute spielen kann.
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Hübsche statistische Blüte am Rande, beim Überprüfen des Nikolov-0:0-Sieges auf  transfermarkt.de gefunden: »Oka Nikolov erzielte in insgesamt 17 Spielen gegen FC Bayern München 0 Tore (Quote: 0.00 Tore pro Spiel).«
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Noch ne statistische Randnotiz. Was vom brachial herbeigezwungenen WM-Boom blieb: Das EM-Qualispiel der Frauen sahen in Rumänien 100 Zuschauer, also immerhin etwa die Hälfte des Bundesliga-Schnitts außerhalb von Frankfurt und Potsdam.
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Die WM-Macher hatten das Hebel-Prinzip des Archimedes missverstanden: »Gebt mir einen Platz zum Stehen, und ich werde die Erde bewegen.« Sie nahmen die Medien als Hebel und als Ansatzpunkt, ruckelten daran, ergötzten sich an bewegten Bildern, dann war der Film vorbei . . . und sie bewegt sich nicht.
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Mit Hebeln ist’s halt so eine Sache. Jetzt soll einer angesetzt werden, der die Welt tatsächlich aus den Angeln heben kann. Dieser Hebel soll aus vielen Milliarden unglaublich viele Fantastillionen machen. Vielleicht sogar hyperinflationär viele, fürchten Furchtsame.
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Furchtbar furchtsam abgeschwiffen. Oder heißt es grammatisch korrekt abgeschwooft? Egal wie, Hauptsache, Übergang geschafft zum Tanz zwischen den Stangen, denn schon hat der Wintersport begonnen, diesmal allerdings später als die Lebkuchen-Saison im Supermarkt. Neu in der alpinen Saison: Maria heißt jetzt Höfl-Riesch und ist nicht mehr Freundin, sondern Feindin von Lindsey, die aber weiterhin Vonn heißt. Eine andere Lindsay heißt Lohan, ist verhaltensauffällige Schauspielerin, derzeit auf Bewährung und hat Auflagen verletzt: Kam zu spät zum Kloputzen. Im Leichenschauhaus. Über die logische  Konsequenz eines stillen Örtchens im stummen Ort sollten vor allem Atheisten  lebhaft nachdenken. (gw)

Baumhausbeichte - Novelle