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Montagsthemen (vom 17. Oktober)

Thema am Samstag: Der Bundesadler soll laut Order des Innenministeriums Alleinstellungsmerkmal auf Nationaltrikots haben, ohne Stoff-Kontakt zu staatswürdelosen Verbandslogos. Fortsetzung, vom Adler auf der Brust zur Hymne auf den Lippen: »Ich möchte, dass die Trainer vorgeben, dass die Nationalhymne gesungen werden soll.« Sagt DFB-Sportdirektor Matthias Sammer. Immerhin, so tolerant sind Sammer und der Deutsche an sich: Falls Spieler »mit Migrationshintergrund aus welchen Gründen auch immer ein Problem damit haben, dann sollen sie uns das erklären.« Aber zackzack!
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Ein Problem könnte, neben genereller Sangesunlust und spezieller Özil-&-Co.-Problematik, die weitreichende Unkenntnis des Textes sein, von »Brüh im Lichte« (Sarah Connor) bis »Mit Verglück und Unterstand« (der Tenor Luciano Rondine bei einem Basketball-DM-Finale). Weil der offizielle Text der dritten Strophe nach Besinnungsaufsatz-Thema klingt? Die eingängigere erste Strophe, zuletzt öffentlich 1954 im Berner Wankdorf-Stadion gesungen, wird heute nur noch in NPD-Hinterzimmern angestimmt. Und nicht von Rainer Calmund, obwohl der in seinem auf der Buchmesse vorgestellten literarischen Werk »Jede Kalorie zählt« behauptet, dass »ich die erste Strophe auch heute noch bei Länderspielen voll mitsinge. Und meistens kriege ich dabei eine dicke Gänsehaut.« Andere auch, daher wird jetzt die komplette erste Auflage eingestampft, denn laut Verlag ist das nur ein Druckfehler. Natürlich.
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Sind Sie hymnenfest? Test: Wer schrieb den Text? Klar, Hoffmann von Fallersleben. Wer komponierte die Melodie? Ebenfalls einfach: Joseph Haydn. Aber wie hieß das spätere Lied der Deutschen im Original? Das weiß kaum jemand, nicht mal Beckenbauer: »Gott erhalte Franz den Kaiser.«
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Noch ’ne Quizfrage: Welcher Gastkommentator schrieb einst im »Anstoß«: »Es war einmal ein Volk, das fühlte sich so verarscht von der ganzen Welt, dass es sich die Deutschen nannte. Schon in der Volksschule wollte niemand mit ihm Völkerball spielen. Da beschloss das deutsche Volk in einer dunklen Stunde, Fußballweltmeister zu werden. Und so gaben sich die Deutschen eine Nationalhymne, und die hieß: Deutschland vor, noch ein Tor. Der Refrain aber lautete: Olé – olé – olé – oleolej.« – Antwort: Natürlich Matthias Beltz, dessen Todestag sich in ein paar Monaten zum zehnten Mal jährt.
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Adler auf der Brust, Alleinstellungsmerkmal . . . das haben derzeit (noch?) die Griechen, die vor einer schweren Woche stehen, denn in praktisch allen Bereichen soll gestreikt werden. Aber was haben der DFB und die Angestellten der Raffinerien von Hellenic Petroleum (ELPE) gemeinsam? Den Bestandsschutz. In Sachen Adler für den DFB, für den die BMI-Order nicht gilt. Und ELPE streikt nun doch nicht, als große Ausnahme – weil sich die Regierung bereit erklärte, für (die staatlichen) ELPE-Mitarbeiter tarifliche Sonderregelungen beizubehalten. Wozu 18 Monatsgehälter pro Jahr gehören …  (gw)

Baumhausbeichte - Novelle