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Anstoß (vom 14. Oktober / Auszüge aus “Sport, Gott & die Welt”)

Parallel zu den gedruckten Kolumnen steht seit Januar der Blog »Sport, Gott & die Welt« im Internet, in dem »Anstoß«-Themen vertieft und bemerkenswerte Leser-Diskussionen geführt werden (zuletzt über die Theodizee). Manche Themen ziehen sich wie rote Fädchen durch die Blog-Monate und werden plötzlich aktuell, wie die Solaranlage im ehemaligen Nato-Tanklager bei Erda oder die Kopten (in ihrem beeindruckenden Kloster in Kröffelbach nahe Wetzlar/Besuchs-Tipp!). Aber es gibt auch typische Blog-Plaudereien vom Apfelweinkeltern bis zur Walnussernte im eigenen Garten. Wer den Blog noch nicht kennt, dessen Interesse wollen wir heute mit drei sehr unterschiedlichen (stark gekürzten) Beispielen wecken.
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Samstag, 1. Oktober, 16.00 Uhr: Ein ehemaliger Vereinskamerad beim USC Heidelberg, Prof. Gerhard Treutlein, der für sein Engagement als Anti-Doping-Kämpfer 2009 das Bundesverdienstkreuz erhielt, ist auf den »Staatsdoping«-Anstoß vom Freitag gestoßen (worden). Daraus entwickelte sich dieser Mail-Dialog: Treutlein an gw: »Dein Artikel ist absolute Spitze, Günter Eisinger hat ihn mir vorgelesen. Kannst Du ihn mir als Attachement schicken? Bei der Vorstellung der Ergebnisse der beiden Dopinggeschichtsprojekte war ich empört, wie so getan wird, als sei alles ganz neu. Deshalb will ich Deinen Artikel an verschiedene Personen schicken, vor allem an die Mitglieder der Evaluierungskommission für die Freiburger Sportmedizin.« – gw an Treutlein: »Es freut mich, dass Dir meine Auswahl früherer Artikel gefällt. Ich schicke sie Dir gerne als Attachement (muss mich bei unserer Technik nur erkundigen, was das ist und wie das geht …).« – Treutlein an gw: »Die Kommissionsvorsitzende fragt an, ob Du über Keul/Klümper etwas sagen kannst und der Kommission als Zeitzeuge zur Verfügung stehen könntest.« – gw an Treutlein: »Vor Kommissionen gleich welcher Art trete ich nicht auf, es sei denn, Nichterscheinen wird mit standrechtlicher Erschießung geahndet. Ich habe auch über das hinaus, was ich in unseren Zeitungen schreibe, nichts zu sagen. Zum Thema Doping äußere ich mich nur noch schreibend für unsere Leser.«
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Im Blog (vom Dienstag) ist ein Mail-Dialog mit Matthias Weidner aus Lollar zu lesen. Was mit freundlichem Lob beginnt, mündet in sehr beachtenswerte Kritik: »Als begeisterter Stammleser Ihrer Kolumnen, die zum Glück nicht nur mit Sport zu tun haben und deren Fundiertheit zum einen und deren sprachliche Gewandtheit zum anderen ich sehr schätze, fühlte und fühle ich in zunehmenden Maße das Bedürfnis, Ihnen eine Rückmeldung zur Behandlung des Themas ›Burnout‹ im ›Anstoß‹ zu geben. Dies tue ich heute als Betroffener, der ich, obwohl weder Promi, noch Spitzensportler, noch Topmanager, sondern nur Angestellter, Familienvater und Normalbürger, Anfang des Jahres von dieser ›Modekrankheit‹ erwischt wurde, jetzt im zehnten Monat arbeitsunfähig bin und mich nun in der beruflichen Wiedereingliederung in das Berufsleben zurückkämpfe. Jedenfalls habe ich das Gefühl, dass Sie das Thema ›Burnout‹ nicht sehr ernst nehmen. Wenn dies so wäre, weil Sie nicht auf gewisse Modethemenzüge mit aufspringen wollen, könnte ich das verstehen. Wenn es darum geht, den Medien-Hype um prominente Betroffene wie eben Ralf Rangnick zu kritisieren, hätten Sie meine volle Sympathie. Wenn es so wäre, dass in irgendeiner Ecke Ihrer sonst so empathischen Persönlichkeit doch die Vorstellung haust, dass Burnout gerade in Mode und daher keine ernstzunehmende Entwicklung ist, fände ich es sehr schade. Darüberhinaus würde ich Ihnen gerne aus der Sicht eines Betroffenen einige Denkanstöße geben.« – Und das tut Matthias Weidner dann, ausführlich und überzeugend. Alles nachzulesen im Blog, nebst gw-Antwort und weiterer Leser-Reaktion. Eine sehr zu empfehlende Lektüre.
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Was bei anderen Blog-Plaudereien eher Geschmacksfrage ist. Zum Schluss auch davon eine Kostprobe: »Sonntag, 18. September, 6.20 Uhr: Dunkel. Nass. Klammkühl. Auf dem Weg in die Redaktion klingt ein Lied aus vergangenen Tagen aus dem HR-Radio: ›Dont bring me down.‹ Passt wie die Faust aufs Auge, denke ich, bzw. wie die Igel auf die Straße, denn das Lied ist von den Eagles. Das heißt zwar Adler, ist aber mit dem Igel ein … ja, was eigentlich? Ein Homonym? Homophon? Gleichlautend, unterschiedlich geschrieben, wie heißt der Terminus? Vergessen. Wie so vieles. Macht aber in diesem Fall nichts, denn auf dem Display leuchtet der Name der Gruppe auf. Nix Eagles. ELO, Electric Light Orchestra. Na klar. Auch den platt gewalzten »Igels« auf der Straße ist’s egal. Heute früh schon zwei gesehen, gestern drei – beginnt die Igel-Plattfahrzeit?« (gw)

Baumhausbeichte - Novelle