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Freitag, 7. Oktober, 18.00 Uhr.

Die drei »gedopten« deutschen Wembley-Helden von 1966, das Ephedrin und der groß angekündigte Historiker-Bericht über frühe Doping-Praktiken im deutschen Fußball … Beschäftigungs-Therapie für Sichgernaufreger. In der Sache: Nicht beweisbar, nur behauptbar, nicht nur irrelevant, sondern sogar schädlich, zumindest für all jene, für die Doping nicht vorrangig Sublimierungs-Masse ist (um  primärmoralisch von eigenen Sünden abzulenken, indem man mit dem empörten Zeigefinger auf andere deutet), sondern eine Sache der Regel-Einhaltung, scheinbar »nur« eine Sekundärtugend, in Wahrheit aber, da bei Aufhebung der Regel-Einhaltung die Chancengleichheit im Wettkampfsport vernichtet wird, eine existenzielle Bedrohung des  Sports an sich.
Weia, welch ein hypotaktischer Monstersatz.  Nach »schädlich« mäandert er um die Sache herum. Also: Schädlich, weil diese zum Elefanten aufgeblasene Mücke bzw., so »World Cup Willi« Schulz, aufgeblasen zu »einer der größten Enten, von denen ich je gehört habe«, von der  wahren Doping-Problematik ablenkt, die eine den Sport existenziell bedrohende Regel-Problematik ist.
Schulz ist, als er die Meldung im Autoradio hörte, »vor Lachen fast gegen den Baum gefahren«. Hübsch naiv allerdings, was sein Mannschaftskamerad und Ex-Nationaltorwart Hans Tilkowski dazu sagt: »Ich wusste damals noch nicht mal, dass es überhaupt Dopingkontrollen gibt. Über Doping wurde bei uns und auch in der Bundesliga überhaupt nicht diskutiert.« Nicht zu wissen, dass es Dopingkontrollen gibt, ist eine ideale Voraussetzung, um beim Doping erwischt zu werden, und mit anderen Sportlern außerhalb des eigenen engsten Umfeldes nicht über Doping zu reden, gehört zur Sorgfaltspflicht des Dopingwilligen. Gilt aber ganz sicher nicht für die Tilkowskis. Selbst die heutigen Enthüller sprechen nur von minimalen Ephedrin-Spuren, mit großer Wahrscheinlichkeit also unter der Toleranzschwelle und sowieso nicht bei offiziellen Dopingtests ermittelt.
Reagiere ich bei diesem Thema wie ein Pawlowscher Hund? Erst schreibe ich, die Sache sei irrelevant, und dann kreise ich  in den verschlungensten Satzwindungen doch wieder drumrum und drumrum. Immerhin, zu meinen Gunsten stelle ich fest: Im Sport-Stammtisch (steht schon online, siehe »Anstoß«-Beiträge), habe ich die Nicht-Angelegenheit in gebührender Kürze abgefertigt. Nächste Woche gibt es für die Zeitungs-Kolumnen allerdings einige Vakanzen (wg. Urlaub), so dass ich Raum und Zeit hätte, diesen Blog wieder einmal als Steinbruch für die »richtigen« Kolumnen zu benutzen. Zum Material könnten auch zwei Rückgriffe auf frühere Kolumnen gehören. Nummer eins:

Im Übrigen beginnt nun die Jahreszeit, in der halb Deutschland gesperrt werden müsste, denn in vielen Nasentropfen wie »Otriven« oder Erkältungslinderern wie »Medinait für Kinder« ist das Amphetamin Ephedrin ewwedrin. Schneuz. Röchel. Keuch. (November 2010)

Nummer zwei: Zum Glück werden wir nicht wankelmütig und halten das selbstauferlegte Benennungs- und Kommentierungsverbot ein (für Neu-Leser: Nach der 1000. – wirklich! – »gw«-Kommentierung haben wir das Tabuwort, das mit Do beginnt und mit ping endet, zum nicht mehr zu erwähnenden Unwort erklärt). (das Datum ist leider eine echte Bankrott-Erklärung: November 1998 …)

Es gibt ja nun wirklich wichtigere Dinge. Zum Beispiel: Danke der besorgten Nachfragen, es geht schon besser. Ein bisschen. Leider weiß ich aus Erfahrung: Bis das Schlüsselbein so heil ist, dass nachts einigermaßen durchgeschlafen werden kann, wird’s noch so lange dauern wie beim Apfelwein (es blubbert noch schön), also ungefähr bis Weihnachten. Vorsichtiges Radfahren sollte etwas früher möglich sein, Senioren-Minigymnastik an der Hantel (5x10x isokinetisch 70 kg Bankdrücken) mit Sicherheit erst 2012 (ist ja sowieso fürchterlich deprimierend im Vergleich zu einst).
Kleine, nein große Freude am Rande: Walnuss-Ernte. Hervorragendes Jahr. Der alte Kerl von Baum wirft die Nüsse schneller ab, als man sie sammeln kann. Bisher mindestens einen Zentner gesammelt. 400 Gramm kosten im Supermarkt 2,49 Euro. Wenn ich noch mehr solche Monstersätze fabriziere wie heute im Blog, habe ich wenigstens eine Alternative: Walnuss-Bauer. Und wenn uns meine trotz allem geliebten Chaos-Griechen ins selbige stürzen, könnte ich den Komplettausfall der Versorgung (im nach der Chaos-Theorie, siehe Schmetterling, besonders anfälligen globalisierten Versorgungs-System nicht völlig unrealistisch) mit 100 Liter Apfelwein und 50 Kilo Nüssen … wie lange überstehen?

Baumhausbeichte - Novelle