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Dienstag, 4. Oktober, 22.45 Uhr.

Es geht auf Mitternacht zu, ganz neue Zeiten für den Blog. Es blubbert und blubbert. Gut? Schlecht? Im ganzen Haus riecht es von unten her – merkwürdig. Vergoren. Aber wenn man die Nase direkt ans Gärgläschen hält … apfeligsüßsauer. Also doch ein gutes Zeichen?

Das ist ein echtes Kontrastprogramm im Blog! Interessant und anregend … Ohne an die »Feuerzangenbowle« zu denken: http://de.wikipedia.org/wiki/Alkoholische_G%C3%A4rung … zur Theorie wenigstens … Mir kommt dieser stürmische Beginn etwas verdächtig vor, hoffentlich fliegen Ihnen die Ballons nicht um die Ohren und die wertvolle Flüssigkeit verspritzt und verdunstet… Bin gespannt! Gutes Gelingen! (Walther Roeber?

Danke. Und nun das Kontrastprogramm.

In einem Blog, der »Sport, Gott und die Welt« heißt, haben natürlich theologische Fragen auch ihren Platz! Als Christin, evangelische Kirchenvorsteherin und Psychologin, die schwerpunktmäßig Trauernde begleitet, gebe ich auch noch ein wenig »Senf« dazu.  Die Frage nach der Theodizee (also: Wie kann Gott als Allmächtiger und Allgütiger das Übel der Welt zulassen?), an der sich die tiefsinnigsten und klügsten Köpfe seit Jahrhunderten, wenn nicht Jahrtausenden, versuchen, werden wir hier nicht und überhaupt nicht beantworten.
Mir sind Leute suspekt, die behaupten, die Antwort zu wissen. Schauerliches Beispiel: Nach dem Tsunami in Südostasien gab es fundamentalistische Christen, die darin eine Strafe Gottes für die Verderbnis der Menschen sahen. Und wegen der Sünden in Thailands Rotlichtmilieu mussten »mal eben« Hunderttausende sterben oder ins Elend geraten??
Persönlich fand ich das Buch »Wenn guten Menschen Böses widerfährt« des amerikanischen Rabbis Harold Kushner erhellend, der schreibt, dass er sich bei der Abwägung zwischen einem all-mächtigen oder all-liebenden Gott doch eher für die zweite Vorstellung entscheiden will.
In das verbreitete Käßmann-Bashing möchte ich ungern einstimmen – ich halte sie für sympathisch, persönlich integer und last not least tief gläubig -, habe mich aber an ihrem Satz »Du kannst nicht tiefer fallen als nur in Gottes Hand« im Zusammenhang mit ihrem Rücktritt vor allem deshalb gestoßen, weil ich mit Menschen arbeite, die wirklich sehr weit »unten« sind, verglichen mit ihrem doch recht gut abgefederten Absturz.
Auf die Frage, warum uns persönlich Leid zustößt, gibt es keine Antwort. Viktor E. Frankl, der große Psychotherapeut, selbst KZ-Überlebender, hat geschrieben, dass die Frage nach der Ursache unseres Leidens die falsche Frage ist, dass es vielmehr darum geht, in unserem Leben einen Sinn zu finden. Hier ist wiederum interessant, woher »Sinn« etymologisch kommt: vom althochdeutschen sinnan = streben, gehen, reisen (vgl. senden = auf einen Weg schicken oder frz. sentier = der Weg). Demnach ist der Sinn eher die Frage nach dem »Wohin« oder »Wozu« und nicht nach dem »Warum«. Das versuche ich meinen Klienten nach und nach zu vermitteln (und auch in meinem Buch »Wie aus Trauer Neues wächst«).
So – genug philosophiert. Die nächste »WBI«-Runde ist dann leichtere Kost und willkommene Abwechslung. (Sylvia Börgens)
Die Diplom-Psychologin Dr. Sylvia Börgens aus Wölfersheim gehört auch zur Spitzengruppe der »Wer bin ich?«-Wertung, und da kann ich, der ihr und Dr. Hauschild und Pfarrer Lenz stolz und still und aufmerksam zugehört hat (mit offenem Ende), endlich auch wieder meinen Senf dazugeben: Erstens: Ich weiß, dass auch andere Leichtere-Rätsel-Kost-Genießer Fundiertes zu diesem Thema beitragen könnten (der eine oder andere hat dies früher, vor vielen Jahren, schon an anderer Stelle im Blatt getan, auch mit gw als Moderator), und zweitens: Morgen geht’s weiter mit »Wer bin ich?«, jedenfalls schon für die Online-Leser. Ich freu mich drauf, zumal ich glaube, einen besonders schwierigen, aber rauskriegbaren »Fall« vorstellen zu können. Bis dann!

Baumhausbeichte - Novelle