Archiv für Oktober 2011

Sonntag, 30. Oktober, 5.45 Uhr.

Um diese Zeit wurde früher zurückgeschossen. Vor sechs in die Redaktion zu kommen, bedeutet auch, vom Nachtwächter argwöhnisch beäugt zu werden, wenn man die Sonntags-FAZ aus dem Briefkasten zieht. Um sechs ist Wachtwechsel, die Nachtwächter davor kenne ich nicht (und umgekehrt), danach kommen die Nachtwächterinnen, wir kennen uns. Meist junge Frauen, Studentinnen?, die die Zeit nutzen, am Laptop zu arbeiten oder Bücher zu lesen.

Fünf Uhr fünfundvierzig bedeutet auch, noch die lärmende ARD-Rocknacht hören zu müssen statt die sanft in den Tag geleitenden HR-Impressionen. Die Rocknacht-Musik ist nicht für Frühaufsteher, sondern für Spätheimkehrer. Und wenn’s mal ruhiger wird, nölt und knautscht James Blunt. Warnmeldung: Toter Fuchs liegt bei Memmingen auf der Fahrbahn. Mein neuer Fuchs (ja, es ist nicht der alte räudige liebgewonnene Vorstadt-Fuchs, der schnürt wohl zusammen mit dem Memminger Kollegen in den ewigen Jagdgründen herum) war auch gestern wieder sehr lebendig. Zum dritten Mal hintereinander sah ich ihn auf der Wiese unterhalb des Hohensolmser Waldes nach Mäusen buddeln, er blickt auf, sieht mich auf dem Rad, rennt schnell, aber nicht hastig zurück in den Wald, mit wehender buschiger Lunte (ja, so nennen wir „Horst wird Förster“-Leser den Schwanz bei Fuchs und Marder), dabei recht nah meinen Radweg kreuzend. Im Gegensatz zum Vorstadt-Räudo würdigt er mich aber keines Blickes.

Fünf Uhr fünfundvierzig. Nacht-Meldungen: Schnee-Chaos in New York, Autobahn-Überfall auf einer Raststätte bei Stuttgart. Vermummte VfB-Fans greifen BVB-Bus an, plus Verfolgungsjagd. Beides beiseite gelegt für die Montagsthemen. Ansonsten noch keinen Plan dafür, aber das  kenne ich ja und macht noch keine Leere-Seiten-Panik.

Fünf Uhr fünfundvierzig. So früh war ich seit Jahren nicht hier. Beim letzten Mal, war wohl auch Sommerzeit-Wende, blinkte am Telefon die Nummer des Verlegers. Noch schlaftrunken, aber schon alarmiert, zurückgerufen. War was in der Nacht? Produktionsprobleme? Ist wer tot? Es läutet lange. Dann der Dialog (beider Stimmen verschlafen, belegt, leicht krächzend): „Was’n los?“ – „Was’n los?“ – „Was los ist?“ – „Ja, was’n los?“ – „Frag ich Sie.“ – „Wieso?“ Undsoweiter. Stellte sich heraus, dass der Anruf vom Freitag Abend und mittlerweile unwichtig war und ich am Samstag das Telefon nicht beachtet hatte. Der Verleger zeigte menschliche Größe: Statt sauer zu sein, lachte er. Ich wünschte noch eine gute Nacht.

Veröffentlicht von gw am 30. Oktober 2011 .
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Freitag, 28. Oktober, 17.30 Uhr.

Nach den gestrigen Sportteilen in den Abendnachrichten drängen sich mir immer wieder Fragen auf: Wer zahlt für den notwendigen Polizeieinsatz – der Steuerzahler oder die Veranstalter? Warum trauen sich weder Fußballverband noch Veranstalter noch Schiedsrichter bei bereits solcher Randale im Vorfeld oder während des Spiels das Spiel abzubrechen, die betroffenen Vereine zumindest zeitweise von weiteren Spielen auszuschließen oder ähnlich hart zu bestrafen? Bruchhagens sinngemäßes Statement: »Wir arbeiten daran« ist doch eigentlich lachhaft. Und die Feststellung, dass angesichts der Vorfälle das Spielergebnis eigentlich gar keine Rolle mehr spiele, zeigt doch welchen Wert diese Spiele überhaupt noch besitzen. (Ulrich Dürr)

Zu der Randale habe ich für die morgige Kolumne ein paar Sätze aus meiner Sicht geschrieben. Zu Ihren Fragen: Der Steuerzahler kommt für die Polizeieinsätze auf, das ist schon lange ein Problem zwischen Polizei und Liga (meine unmaßgebliche Meinung: Die Vereine müssten an den Kosten beteiligt werden, die bei jedem Bundesligaspiel auftreten, denn die Polizei muss immer massiv vor Ort sein, Verkehr regeln, überhaupt die Massenströme an Menschen leiten und beaufsichtigen, auch wenn alles friedlich verläuft ein nicht unerheblicher Kostenpunkt). Das müsste allerdings auch für andere »private« Veranstaltungen wie Pop-Konzerte o.ä. gelten.
Spielabbrüche sind ein heikles Thema. Für die Randalierer, die sich mit der Aufmerksamkeit schmücken, die sie erregen, ist ein Spielabbruch der größtmögliche Erfolg und wird entsprechend gefeiert. Ganz abgesehen davon, dass dabei fast immer der Gastgeber-Verein betroffen ist, während die Randale oft von Anhängern des Gast-Klubs ausgeht.
Insgesamt ein schwieriges und komplexes Thema. Eine Möglichkeit, die Gewalt einzudämmen, versuche ich in der Kolumne aufzuzeigen. Mir ist aber bewusst, dass dies kein Patentrezept ist.

Veröffentlicht von gw am 28. Oktober 2011 .
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Freitag, 28. Oktober, 14.25 Uhr.

Nicht alles in der Kolumne für Samstag untergebracht, was untergebracht werden sollte. Same procedure as every week. Umgekehrt wäre es aber fataler: Viel Platz, keine Idee und nichts auf dem Themenzettel.

Die Vereinnahmung als Kronzeuge für alte DDR-Kameraden musste natürlich ins Blatt, aber auch meine vielleicht nicht gerade relativistische Haltung zu den Randalierern und wie mit ihnen umzugehen ist – auch auf die Gefahr hin, von betonköpfigen Weitrechtskonservativen vereinnahmt zu werden. Hilfreich bei der Bewertung solcher Dinge ist immer die Phantasie, sich selbst in die jeweiligen Rollen, vor allem  der Opfer,  versetzen zu können. Im Zweifelsfall hilft auch immer jenes Sprichwort, das Paragraph 1 aller Gesetzesbücher sein müsste: »Was du nicht willst das man dir tu …« (mit der wichtigen Ausschlussklausel: »Gilt nicht für Masochisten«)

Rauskürzen musste ich aus dem Halloween-Absatz  den schönen Satz von Hans Zippert: Halloween hat hierzulande den Reformationstag völlig verdrängt. 80 Prozent aller Deutschen sind überzeugt, dass Luther 95 Kürbisse an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg genagelt hat.

Sehr schön auch, was Kay Velte, ehemaliger freier Mitarbeiter der Gießener Sportredaktion, zum »Sport-Stammtisch« vom letzten Samstag schreibt.

Guten Morgen g(erdaus)w(etzlar), die o.a. Ausgabe »nötigt« mich zu einem Beitrag bzw. zu einer ehrfurchtsvollen Huldigung an der Zeilen Erdenker. Der im 3. Absatz verwendete Terminus »titanischer Vater aller Torhüter-Fehler« als Synonym für »hätte der Volldepp die Kugel net nach vorne un dem Lutscher vor die Füß abpralle lasse, hätte mir die Kaffeepflücker gebutzt un wär’n Weltmeister geworr’n« war bzw. ist geradezu genial und hat mich noch das gesamte (!) Wochenende mindestens ebenso erfreut, wie das grandiose Herbstwetter.

Natürlich freut mich die »Huldigung«, aber »hätte der Volldepp die Kugel net nach vorne un dem Lutscher vor die Füß abpralle lasse, hätte mir die Kaffeepflücker gebutzt un wär’n Weltmeister geworr’n« ist huldigungswerter!

Änderungsmeldung für „Wer bin ich?“-Freunde: Auflösung und neue Runde werden nun doch nicht getrennt, sondern kommen zusammen am nächsten Donnerstag ins Blatt (und nachmittags zuvor evtll. schon online).

Veröffentlicht von gw am 28. Oktober 2011 .
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Donnerstag, 27. Oktober, 10.30 Uhr.

So sah es vorgestern aus. Frage: Wie lange muss die Sonne scheinen, bis soviel Energie erzeugt wird, wie durch Rodung sowie Herstellung, Bearbeitung, Transport und Wartung  der Materialien verbraucht wird? Etwa so lange, wie die Anlage läuft? Heute: Alles gnädig von Nebel verhüllt. Auf der Morgentour wieder den neuen Fuchs-Freund gegenüber vom Leiterhof  getroffen und gegrüßt. Und dann zu Hause im Keller: Plopp, plopp, plopp … es gärt. Ein schöner Morgen.

Weiteres Thema für den Sport-Stammtisch: Wie ich zum Kronzeugen für die DDR gemacht werden soll. Ha, ihr werdet euch wundern!

Zu „Wer bin ich?“: Teilnehmer bitten, Auflösung und nächste Runde nicht zweizuteilen. Mal sehen, ob ich’s schaffe, beides zugleich ins Blatt zu pressen, ohne das Layout zu verhunzen.

So, noch mal schnell in den Keller. Ist doch ein zu schönes Geräusch … ploppploppploppploppplopp

Veröffentlicht von gw am 27. Oktober 2011 .
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Mittwoch, 26. Oktober, 12.50 Uhr.

Apfelwein: Der neue gärt noch nicht. Zu kalt? Äpfel: Heute gelesen, dass die hessischen Apfelbauern mit der Ernte unzufrieden sind. Wie das? Hab ich denen alles weggepflückt? So viele Äpfel gab’s doch seit hundert Jahren nicht mehr. Und Nüsse, und Pflaumen. Die Flora-Fachwelt sagt: ein Mastjahr.

In meiner kleinen Kolumnen-Pause (nach Henni kommt htr, dann mi dran) Zeit, sich um „Wer bin ich?“ zu kümmern. Auflösungs-Kolumne für nächste Woche ist fertig (natürlich noch ohne Rangliste), einen Tag darauf (Termine wahrscheinlich Mi./Do.) soll die neue Folge kommen, ist auch schon fast fertig. Bastele noch an Formulierungen und Entgoogelisierungen. Macht wieder viel Spaß.

In der Zwischenzeit wächst der Stapel im Themen-Kasten für den Sport-„Stammtisch“: Dynamo-Randale (alte Seilschaften?), „tragische“ Motor-Todesfälle (Berufsrisiko), apartes Duo Semenya/Mutola, Übernahmen aus dem Blog (Bayern/Hoeneß), Zitate aus Leser-Mails usw., aber auf jeden Fall muss Hallo Wien rein, weil Halloween ist. Obwohl Heulen und Zähneklappern zur Zeit nicht auf einen Tag zu beschränken ist. Heute zum Beispiel … ach, lass das, Muppet-Opa!! Der Liebsten aus der liebsten Zielgruppe rauben die lustvollen Untergangsbeschwörungen schon den Schlaf. Alles wird gut.

Veröffentlicht von gw am 26. Oktober 2011 .
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