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Mittwoch, 21. September, 16.45 Uhr.

Soeben ist Tony Martin Zeitfahr-Weltmeister geworden. Mit Riesenvorsprung und einem Schnitt von 51 km/h. Also mehr als doppelt so schnell wie ich auf meiner Tanklager-Runde (okay, wenn die so flach wie in Kopenhagen wäre, käme ich vielleicht auf 29 km/h). Die Leistungen der Spitzenleute aller Sportarten kann man wohl nur dann richtig würdigen, wenn man sich auch in ihrem Metier versucht, nicht nur mal so, sondern intensiv, über längere Zeit und dann sein Limit erreicht und erkennt. Und dann seine vergleichsweise armselige Leistung mit den Besten vergleicht. Das fördert ganz allgemein den Respekt vor großen Leistungen. Auf die eigene bescheidene Leistung ist man dennoch stolz. Zu recht. Für eine Vierteljahreszeitschrift (ein Fachblatt für … Pfarrer! Klar: … und Pfarrerinnen, das gehört zum guten korrekten Ton, liebe Bürgerbürginnen) soll ich einen Beitrag unter dem Arbeitstitel schreiben: “Der Zweite ist der erste Verlierer”; warum das so sei; wohl um es zu beklagen. Ist es so? Seh ich ganz anders. War heute jeder außer Tony Martin ein Verlierer, vorneweg der Zweite? Sieger und Verlierer, das ist so eine Sache. Ich fürchte fast, das, was ich schreiben werde, wird den Pfarrerundpfrinnen nicht gefallen. Macht aber nix, wenn sie den Text ablehnen – im “Anstoß” wird er in jedem Fall erscheinen. Auf Honorar hab ich sowieso schon vorab verzichtet.

Die erste Reaktion auf den Mittags-Eintrag kommt von Walther Roeber. Daran hänge ich, in bunter Folge, einige Leser-Mails der letzten Tage an, beginnend, passend zum Tony-Martin-Tag, mit der legendären Blog-Etappe “Stornfels”. Danach eine Lösung der griechischen Krise und einige erhellende Beiträge zur letzten Wer bin ich?-Runde. Alles kommentarlos, aber mit Stolz, solche Leser zu haben.

 

Volltreffer! Und die nach Neuigkeiten gierende Öffentlichkeit muss mit vorgefertigten Phrasen gefüttert werden, sonst taucht »man« ja nicht in der »Presse« auf … oder wird nicht zitiert oder in Talk-Shows eingeladen. Dabei kommt dann das heraus, was vor über 20 Jahren schon ein »Spruch« war: Wie soll ich wissen, was ich denke, bevor ich höre, was ich sage. Sarkasmusmodus an und aus, je nach Bedarf. (Walther Roeber)

 

 

Hier mal eine wunderbare Umschreibung eines Sportkameraden, den wir zum Radfahrerritterschlag über Stornfels und Einhartshausen geführt haben. Gruss A.Kautz

ja ja ja…an allem was man(n) so hört, ist auch etwas wahres  dran…hart ran genommen ist natürlich stark untertrieben…der rahmen  war übersät von schweiss und tränen…und moralisch war ich längst abgestiegen…mein tunnelblick folgte einem kleinen weissen punkt am horizont…das war rüdiger der folterknecht…ich wollte nur noch nach hause…irgendwie…gut, das wenigstens meine beine wussten, was sie zu tun hatten…was sollte ich in dieser gottverlassenen gegend ohne navi…und einer ging ja schon in dem schweinsgalopp verloren…am ende hatte ich den 4. platz nach hause gefahren…als letzter…bei der truppe keine schande…nie wieder wollte ich rad fahren…aber das war letzten samstag…(Roland Günther)

 

 

Kann bestätigen, dass die Krimis von Petros Markaris hervorragend sind. Als Anlage zum Anstoß von heute (falls Sie es noch nicht kennen) ein »Lösungsvorschlag« aus Griechenland. (Helmut Appel)

Anlage (ich kenne sie, hat mir schon mal ein Leser gemailt, ist aber wirklich zu schön, um sie nicht hier und vielleicht am Samstag im Blatt zu präsentieren):

Es ist ein trüber Tag in einer kleinen griechischen Stadt. Es regnet und alle Straßen sind wie leergefegt.
Die Zeiten sind schlecht, jeder hat Schulden und alle leben auf Pump.
An diesem Tag fährt ein reicher deutscher Tourist durch die griechische  Stadt und hält bei einem kleinen Hotel.
Er sagt dem Eigentümer, dass er sich gerne die Zimmer anschauen möchte, um vielleicht eines für eine Übernachtung zu mieten und legt als Kaution einen 100 Euro Schein auf den Tresen.
Der Eigentümer gibt ihm einige Schlüssel.
1. Als der Besucher die Treppe hinauf ist, nimmt der Hotelier den Geldschein, rennt zu seinem Nachbarn, dem Metzger und bezahlt seine Schulden.
2. Der Metzger nimmt die 100 Euro, läuft die Straße runter und bezahlt den Bauern.
3. Der Bauer nimmt die 100 Euro und bezahlt seine Rechnung beim Genossenschaftslager.
4. Der Mann dort nimmt den 100 Euro Schein, rennt zur Kneipe und bezahlt seine Getränkerechnung.
5. Der Wirt schiebt den Schein zu einer an der Theke sitzenden Prostituierten, die auch harte Zeiten hinter sich hat und dem Wirt einige Gefälligkeiten auf Kredit gegeben hatte.
6. Die Hure rennt zum Hotel und bezahlt ihre ausstehende Zimmerrechnung mit den 100 Euro.
7. Der Hotelier legt den Schein wieder zurück auf den Tresen. In diesem Moment kommt der Reisende die Treppe herunter, nimmt seinen Geldschein und meint, dass ihm keines der Zimmer gefällt und er verlässt die Stadt.

Niemand produzierte etwas.
Niemand verdiente etwas.
Alle Beteiligten sind ihre Schulden los und schauen mit großem Optimismus in die Zukunft. So, jetzt wisst Ihr Bescheid. So einfach funktioniert das EU Rettungspaket.

 

 

Zu der Thematik einer Bevorteilung der online-Leser darf ich mir auch eine kleine Anmerkung erlauben. Der Einsendeschluss für die Runde 11 – 13 war Ihrerseits auf den 19.08.2011 festgesetzt. In Ihrem Sport-Stammtisch vom 20.08.2011 haben Sie im letzten Absatz im Vorgriff auf die richtigen Lösungen bereits einen diesbezüglichen Ansatz geliefert, der z.B. das Stichwort »Rom« enthielt. Dieser Beitrag stand aber bereits am 19.08.2011 und mithin vor Ablauf des Einsendeschlusses im Netz. Auch wer also bis zu diesem Zeitpunkt »völlig ahnungslos« war, konnte nach der Lektüre des online-Artikels noch auf die richtigen Lösungen kommen und diese zeitgerecht übermitteln.
Und dann wunderten Sie sich im Anstoss vom 24.08.2011, dass z.B. Ihr Kollege »mac« auf den letzten Drücker noch seine Lösungen präsentieren konnte. Mich wunderte nur, dass Sie sich wunderten. (Jochen Schneider)

 

 

Ergänzend zu der Lösung Runde 16 (Walter Röhrl) gehe ich noch kurz auf 2 Tips ein, die nicht in dem FAZ-Interwiew bzw. der Homepage des Gesuchten zu finden sind. Der Hinweis zu dem Günter Grass Buch-Kapitel 1934 bezieht sich wohl auf den in dem Text auftauchenden Ereignis des Röhm-Putsches, bei dem der SA-Chef Röhm und einige seiner Vertrauten von Hitler-Schergen ermordet wurden, gemeinhin auch als »Nacht der langen Messer bezeichnet«.(Wie die Etappe der Rallye Monte Carlo). Der Beatles Song ist natürlich »When I’m sixty-four«, Walter Röhrl wurde 1947 geboren. Die Aufgabe war diesmal nach meinem Empfinden wesentlich einfacher als die Runden davor, und ich halte deshalb einen Punkt für die richtige Lösung Walter Röhrl für angemessen. (Paul-Gerhard Schmidt)

 

 

Es wird doch! Nachdem ich letztens Unrecherchierbarkeit beklagte, hätte man Richard Ford herausfinden können, ohne ihn zu kennen. Ja, hätte da nicht »Ich geh dann mal fort« sondern wie angedacht »ford« gestanden. Dass es sich wahrscheinlich um einen amerikanischen Schriftsteller handelt, war anhand der Aufgabenstellung herauszufinden. Himmel, aber wer von denen hat was an der Prostata und ist auch noch lahm (»Lahm«, einer der Namen im 2. Teil)? Da wäre es mit »ford« doch lösbar gewesen, da hätte die Zahl 1984 auf das Buch vom »Sportreporter« geführt und der geneigte Rater hätte sich nach einigen Gegenproben wieder eine Kerbe in den Colt, pardon, ins Staffelholz (wir wollen ja sportlich bleiben) ritzen können. Und genau deshalb sollte es recherchierbar sein: das AHA-Erlebnis in Verbindung mit jemandem, der einem auch was sagt. Da ist es nur halb so befriedigend, einen Unbekannten herauszufinden, dem man so gar nix zuordnen kann (nun, man erweitert seinen Horizont damit und lernt dabei neue Leute kennen, immerhin).
Und genau deshalb besten Dank für die aktuelle Raterunde. Bei »Alter« und »Beatles« fällt mir ein Lied ein, welches zwar noch ganz leise am Horizont ertönt, mir aber in rund 15 Jahren auch viel zu oft vorgespielt bzw. -geträllert werden wird: »When I’m 64«. Nun lässt sich mit ein wenig Mühe und noch mehr Zeit herausfinden, welcher Sportler derzeit in diesem Alter ist, und schon im März taucht Walter Röhrl auf. Gibt auch Sinn, dass er die Bezeichnung »Radsportler« saukomisch findet. Und ja, ich hab den Namen schon mal gehört und kann ihn sogar zuordnen. Schön, das passt alles, auch Ski und Tischtennis und mit der Großveranstaltung ist wohl die Rally Monte Carlo gemeint mit ihrer »N.d.l.M.«. Aber wieso soll das ein unsagbares Wort sein? Da finde ich heraus, dass es mitnichten aus den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts, sondern von einem britischen Historiker um 1100 stammt, der damit auf ein Massaker an keltischen Adeligen um 450 verweist. Es handelt sich übrigens um einen noch heute im britischen Sprachraum üblichen Begriff, auch die neutrale Schweiz hat damit kein Problem, politische Ereignisse so zu bezeichnen, es ist also keineswegs politisch unkorrekt von der »Nacht der langen Messer« zu sprechen, man darf ja auch ungestraft »Jehova«….
Aber, lieber GW, das führt jetzt wirklich zu weit, bleiben wir bei der Erkenntnis, dass GWs Kolumne bildet..
Ich hätte es mir auch einfach machen können und die kurze, knappe Antwort Walter Röhrl schicken können, aber Sie lassen sich ja auch Zeit bis zum nächsten Rätsel. Auf dieses freut sich (Norbert Fisch)

 

 

Aber eine kleine Nachbetrachtung ist Ihr Spiel mit »fort« und »ford« schon noch wert. Was wäre »obergaga« oder auch nur »gaga«? Ich finde »ford« als Abschluss viel gagaer als »fort«. Glauben Sie denn, irgendeiner Ihrer Leser/innen hätte »fort« nicht soford als Anspielung verstanden? Wann hätte gw denn je einen derartigen trivialen Abgang sich verschafft wie »ich gehe jetzt ford«? Selbst ich, der ich Herrn Bascombe nicht kenne, nie gehört habe und ferner auch nicht zur Kenntnis nehme werde, habe gleich verstanden, dass »ich gehe jetzt fort« ein Hinweis war. Und zwar natürlich nicht auf »Fort«, sondern auf »Ford«. Konnte nur nichts damit anfangen. Henry Ford? John Ford? Harrison Ford? Kam alles nicht infrage. Habe dann halt Herrn M. Moore gewählt. War eine unterhaltsame Stunde mit Fort und Ford.

Zu Walter Röhrl. Irgendwann vor Einsendeschluss hätte ich ihn schon beim Kragen gehabt. So ging es etwas schneller; ich meine jetzt nach Ihrem Hinweise auf einen früheren Anstoß. Denn dass es ein Automobil – Sportler gewesen sein musste, war vergleichsweise offensichtlich. Denn welche Sportart hätte in den 60er oder 70er sich als Profisportart bezeichnen können? Da kommen nicht viel infrage. Habe dann – bevor ich Ihren Hinweis verinnerlicht hatte – im Formel 1 Bereich gewühlt. Jacky Icks? Ist nicht »64«. Wenn auch knapp daneben. Über das besondere Ereignis im Jahreshöhepunkt der Sportart nachgedacht, was gab es denn im Rennsport so alles, vor allem, was gab es, was mit einem Ereignis aus dem Jahre 1934 begrifflich korrespondiert? Dann kommt aber sehr schnell auf »Die Nacht der langen Messer« bei der Rallye Monte Carlo.

Nun dazu aber noch ein ernstes Wort. »Die Nacht der langen Messer«, ohne hier übermäßig in eine Detail – Betrachtung gehen zu wollen, hat zunächst etwas mit einer sehr internen Auseinandersetzung innerhalb der NSDAP bzw. ihrer Organisationen zu tun; sie stellte die Weichen für die Akzeptanz des Naziregimes bei den bürgerlichen Akteuren einschließlich Wehrmacht und Wirtschaft her. Es wurde einfach ein »revolutionäres« Element – die lächerlich geringen Ansätze nämlich einer eher kleinbürgerlich – sozialen Bewegung – eliminiert. Begründet mit Homosexualität; eine Lebensweise Röhms, die Hitler lange Jahre bekannt war. Dass das Regime die Gelegenheit nutzte, wirkliche Gegner auszuschalten, auch Gegner aus Wirtschaft, Militär (wie General Schleicher), ist wohl bekannt. Aber mit Judenverfolgung – wie Sie im Anstoß einen Leser zitierend schreiben – hat das nur sehr am Rande zu tun gehabt. Der Versuch Ihres nicht genannten Lesers, mit einer Begriffshoheit – wie so oft im Falle politischer Korrektheit – jemanden zum schweigen zu bringen, hilft dem Anliegen nicht weiter, sondern ist verstörend und unangemessen. Es handelt sich schlicht um Staatsterror gegen Minderheiten, gegen Andersdenkende. Den Nutzen hatten – sehr zunächst, später mussten auch diese Gruppen darunter leiden – das Militär und der Bürger. (Hans-Ulrich Hauschild)

Baumhausbeichte - Novelle