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Ohne weitere Worte (vom 20. September)

Niemand kann im Ernst behaupten, die deutschen Medien würden sonderlich fair mit Lothar Matthäus umgehen, die Berichterstattung zu seinem 50. Geburtstag (…) bestand zu gleichen Teilen aus Hohn und Spott, online garniert mit Klickstrecken seiner dümmsten Versprecher und seiner gescheiterten Beziehungen. Das alles, wird Matthäus später im Hotel sagen, mache ihm nichts mehr aus. Klar. Was soll er auch sagen? Dass er jeden Tag kotzt? (SZ-Magazin)
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Was ist Ihnen eigentlich peinlicher: der Nerzmantel oder dass Sie im Pornofilm »Beim Jodeln juckt die Lederhose« mitgespielt haben? – »Letzteres ist mir überhaupt nicht peinlich! Da sah ich doch noch prächtig aus. Ich machte damals Bodybuilding.« – Bodybuilding? Sie meinen, wie Arnold Schwarzenegger? – »Mit Arnold Schwarzenegger.« – Echt? – »Wir trainierten im gleichen Studio. Aber befreundet waren wir nicht. Er war eher schlicht. Einmal hab ich seinen Bizeps berührt, es war damals der größte der Welt.« – Wie hat er sich angefühlt? – »Wie ein Oberschenkel!« (Konstantin Wecker im SZ-Interview)
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Boxweltmeister Nikolai Walujew (ist) mit seinen 2,13 Meter Körpergröße und knapp 150 Kilogramm Lebendgewicht dieser Tage zu einer Expedition nach Kemerowo aufgebrochen, um den nur geringfügig kleineren Yeti (zirka zwei bis drei Meter groß, 200 Kilogramm schwer) auf frischer Tat zu ertappen. »Ich bin gespannt, ob es wirklich so etwas Außergewöhnliches gibt.« Diese Worte sprach nicht der Yeti, der auf Walujew wartet, sondern Walujew, der den Yeti jagt. (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung)
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Ihr Buch steht bei Amazon auf Platz eins, meines steht auf Platz 446 027 (…) Auch sonst war es eher ein Schlaganfall zweiter Klasse. Kein Koma, kein Nahtod-Erlebnis, keine Grenzerfahrungen. Gaby Köster weiß jetzt zum Beispiel, dass sie nach ihrem Ableben von »ihren Lieben« abgeholt wird. Ich sah im Moment des Schlags nur einen Reisebus voll besetzt mit Holländern. Diese Holländer sahen wiederum mich, wie ich schweißgebadet mit herabhängendem Mundwinkel auf einem Bordstein im Berliner Tiergarten saß. Wahrscheinlich war das eher für sie ein Nahtod-Erlebnis. (Hans Zippert fragt in der Welt am Sonntag: »Warum verdienen andere mehr Geld mit ihrem Schicksal?«)
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Der Münchner Künstler Tommy Schmidt hat einem Huhn namens Calimera für das gesamte Oktoberfest ein Hotelzimmer gebucht, das ihn 160 Euro pro Nacht kostet. Er will mit dem Hendl, das es ja sonst auf dem Oktoberfest nur kross vom Spieß gibt, auf die Hotelnot während der Wiesn hinweisen. (Welt)
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Nachdem er den Vergeltungsangriff der Amerikaner überlebt hatte, ließ Gaddafi in Tripolis eine »Siegesparade« veranstalten, zu der er auch westliche Pazifisten eingeladen hatte. Sie mussten vom Straßenrand aus zusehen, wie Pfadfinder vorbeimarschierten, die lebende Hühner und Kaninchen trugen. Sie schienen sich liebevoll um die Tiere zu kümmern – bis sie sie mit bloßen Händen auseinanderrissen und ihre Zähne in das rohe Fleisch schlugen. Die Friedensfreunde aus dem Westen liefen schreiend davon. (Marie Colvin, US-Kriegsberichterstatterin, im SZ-Magazin)
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Die Kanonen donnern, das Signalhorn ertönt und die verletzten Soldaten werden weggetragen. Nehmen Sie die ganze Familie mit in den Krieg, wenn wir den Alltag der Soldaten in der Schlacht von 1864 auf der Dybböl Banke wieder aufleben lassen. Erhalten Sie ein einzigartiges Familienerlebnis (…). Spannend, unterhaltend und sehr seriös. (Werbung in einem dänischen Touristen-Informationsheft für einen »Donnerhall von einem Ferientag«) (gw)

Baumhausbeichte - Novelle