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Sonntag, 18. September, 6.20 Uhr

Dunkel. Nass. Klammkühl. Auf dem Weg in die Redaktion klingt ein Lied aus vergangenen Tagen aus dem HR-Radio: “Dont bring me down”. Passt wie die Faust aufs Auge, denke ich, bzw. wie die Igel auf die Straße, denn das Lied ist von den Eagles. Das heißt zwar Adler, ist aber mit dem Igel ein … ja, was eigentlich? Ein Homonym? Homophon? Gleich lautend, unterschiedlich geschrieben, wie heißt der Terminus? Vergessen. Wie so vieles. Macht aber in diesem Fall nichts, denn auf dem Display leuchtet der Name der Gruppe auf. Nix Eagles. ELO, Electric Light Orchestra. Na klar. Auch den platt gewalzten “Igels” auf der Straße ist’s egal. Heute früh schon zwei gesehen, gestern früh in Dänemark drei – beginnt die Igel-Plattfahrzeit?

Ach ja, Dänemark: Rätselraten gab’s nach der letzten Kolumne und dem hessisch-kryptischen “als und als in Als”. Als heißt eine dänische Insel, die eigentlich gar keine ist (paar Meter lange Brücke zum Festland). Auf dem Rückweg wieder am Volksparkstadion vorbei, ungefähr zu der Zeit, als Gladbach das Siegtor schoss. Beim Blick hinüber festgestellt, dass der Stadionname seit der letzten Fahrt der gleiche geblieben ist, irgendwas mit “tech”. Fast schon Kontinuität, ein halbes Jahr ohne Stadion-Namensänderung. Auch eine Kontinuität: Ungefähr genauso lange ist es her, dass der HSV dort mal gewonnen hat.

Nun spricht Pfarrer Anselm Grün. Was täten die HR-”Inspirationen” ohne dessen … Kalendersprüche? Weisheiten? Weise bin ich auf jeden Fall nicht. Zur Lektüre auf Als gehörte auch “Der Hase mit den Bernsteinaugen” von Edmund de Waal. Gekauft, weil sich der Klappentext interessant las (Schicksal einer großbürgerlichen jüdischen Familie in den letzten 150 Jahren). Schon nach knapp 50 Seiten aufgegeben. Zu hoch für mich. Zu extremgebildet. Man muss japanologisch und kunstbildnerisch absolut fit sein, um viel mehr als Bahnhof verstehen zu können. Wenigstens ein Wort will ich mir merken: Netsuke. Im Buch der rote Faden. Netsuke (ohne s?) sind kleine japanische Schnitzereien. Wer hat das Buch gelesen? Bis zum Ende? Mit Genuss und Verständnis? Meine Hochachtung!

Demnächst öffnen in Berlin die Wahllokale. Warum eigentlich? Ist doch eh alles klar. Das Wowi-Prinzip: Bankrott sein, aber mit dem Geld anderer Leute den eigenen Leuten Gutes tun. Funktioniert nicht bis in alle Ewigkeit, aber sehr, sehr lange. Siehe Griechenland. Länderfinanzausgleich, euroglobalisiert.

Nachgelesen, dass in dieser Woche auch der “Spatenstich” für den Solarpark im Nato-Tanklager stattfand, mit dem üblichen Bild der Spatenstecher: Investoren, Finanzierer und Gemeinde. Kein Wort zu dem, was im Blog stand, hier und anderswo. Das Internet bleibt wohl doch eine Art Parallelwelt. Sollte uns Zeitungsmachern zu denken geben. Gedruckter Verlautbarungsjournalismus, routinierte Befriedigung von Eitelkeiten im Blatt, und im Netz geht’s rund und zur Sache? Das ist keine Kollegenschelte, sondern Selbstkritik. Ich mache es ja fast täglich vor, und der aufmerksame Leser merkt es täglich: Wie viel hat das, was ich im Blog schreibe und auch in der Kolumne im Blatt, in der ich Hofnarrenfreiheit genieße, mit dem zu tun, was rund um die Kolumne steht und dort auch von mir hingestellt wird?

Ach ja, Selbstkritik. Eine meiner letzten Amtshandlungen vor “als und als in Als” war der bemüht ironische Ärger auf den Idioten, den ich nicht Idiot nannte, der mir im Blatt den Hinweis-Gag (“ich geh jetzt ford”) vermasselt hat, weil er aus dem “ford” ein “fort” gemacht hatte. Der Idiot ist noch nicht gefunden, aber ich bin ihm auf den Fersen. Leser haben mich darauf aufmerksam gemacht, dass der Idiot auch im Online-Anstoß das “ford” zum “fort” versaubeutelt hat. Und da beschleicht mich der Verdacht, dass der einzig Zugriffsberechtigte zugeschlagen hat, respektive dessen freudlos korrektes Rechtschreib-Unterbewusstsein, das schon beim Schreiben des Wortes “for..” sich kein d für ein t vormachen lassen wollte. Mit fast an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit war also der der Idiot, der als einziger von mir Idiot genannt werden darf.

Dont bring me da-aun. Beam me up. Und was übernehm ich in die Montagsthemen? Will doch über Basketball schreiben (ganz arsch gegen den Mainstream). Mal sehen. Später vielleicht mehr.

Nachtrag 18.30 Uhr: Beim Wowi-Prinzip die Kolumne leicht nachgebessert (den Blog nicht). Ist doch interessanter geworden als morgens gedacht. Dass die FDP die Quittung kriegt, tut mir nur für den armen netten Herrn Rösler leid. Baff bin ich aber wegen jener Nichtpartei, deren albernen Namen zu schreiben selbst ich als der Albernheit Aufgeschlossener kaum hinkriege ohne Fingerkrampf. Mal versuchen: Piraten. Na, geht ja. Aber nicht zu fassen. Wer wissen will, was ich von dem gefährlichen Quatsch (totale Internetfreiheit – incl. Kinderpornos? Abzuschaffendes Urheberrecht, weil’s kein Recht auf geistiges Eigentum gibt usw.) halte, möge bitte im Blog nachschauen, muss im Frühjahr gewesen sein, diese Begegnung der dritten Art. Jetzt aber Schluss. Zweite Halbzeit Schalke – Bayern gucken. Bisher nicht so gut wie zuvor Hannover – BVB. Hannover war gut, Dortmund besser, aber 96 gewinnt. Fußball.

Baumhausbeichte - Novelle