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Sport-Stammtisch (vom 3. September)

Eine zwischen dem Leichtathletik-Mittag und dem abendlichen Zapp-Duell Fußball/Basketball zu schreibende und umfangmäßig beengte Kolumne beschränkt sich auf einen großen David und einen kleinen Lahm, um dann über das Wetter und den Gold-Achter auf die laufende »Wer bin ich?«-Runde zu kommen.
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Der große David heißt Storl, hat noch ein Milchbubigesicht und gehört zu den Namen, die unsere Leser lange vor dem Gros der deutschen Zeitungsleserschaft kennengelernt haben. Vor etwas mehr als zwei Jahren, niemand außerhalb enger Expertenkreise hatte schon von ihm gehört, stand diese Notiz in den »Montagsthemen«: »David Storl, knapp 18 Jahre jung, unglaubliches Talent, kein frühentwickeltes Muskelmonster, sondern begnadeter Techniker. ›So etwas habe ich noch nie gesehen. Von ihm werdet ihr noch hören!‹«– – Nun ist es so weit. Phantastisch, der Junge. Mental zwar ein Harting-Gegenmodell, aber technisch ein Phänomen, brillant ähnlich wie früher Ulf Timmermann, mit sensationell langem Beschleunigungsweg und am Schluss explosiv an der Kugel (gerade daher auch die Probleme des Übertretens, nicht weil er »technisch noch lernen« müsse, wie im ZDF behauptet).
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Aber auch den möglichen und noch viel jüngeren Nachfolger des jungen Storl haben wir hier schon vorgestellt, vor einem Monat: »Und jetzt gibt es einen 16-jährigen Neuseeländer namens Jacko Gill, weder besonders groß, stark oder frühreif, der bei der Junioren-WM die ältere Konkurrenz um vier Meter (!) distanzierte und mit blitzschneller und blitzsauberer Drehung unfassbare 24,35 m weit stieß (5-kg-Kugel). Merken Sie sich den Namen: Jacko Gill.« Milchbubi-Showdown in London?
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Eine andere Art Milchbubi: Wie wachsweich Löw sein Spielführerchen du!du!t. Wie Podolski, als der Ballack ohrfeigte. Bei allem Mitfiebern mit der Nationalelf und ihren in der Mehrzahl auch menschlich angenehm wirkenden Spielern: Im Innenleben unechtelt es unangenehm. Zwar schreibt Lahm über seine früheren Trainer nur Dinge, die er auch aus dieser Kolumne hätte abschreiben können, aber nicht, dass er die Wahrheit schreibt, ist das Problem, sondern dass er seine früheren Trainer miesmacht und seine jetzigen über den grünen Klee lobt. Wäre einer der früheren auch sein aktueller Trainer, hätte er kein kritisches Wort über ihn verloren. Es bleibt dabei: Kleiner Streber aus der ersten Bank.
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Gunther Tiersch sagte am Tag, als der Achter Gold gewann, als ZDF-Wetterberichterstatter keinen Niederschlag voraus. Ich glaubte es und wurde auf der morgendlichen Radrunde klatschnass. Passt! Denn Tiersch, der 1968 als 14jähriger Steuermann im Goldachter saß, war der eine der beiden zu Erratenden der letzten »Wer bin ich?«-Runde, und er kann insofern »das »Wasser nicht halten«, als er nun mal den Regen nicht aufhalten, sondern nur vorhersagen kann (Trefferquote: siehe gestern). Immerhin 14 Teilnehmer haben Tiersch erkannt, eine Quote, die ich angepeilt hatte. Dass aber NIEMAND auf den zweiten Namen kam, wundert mich, zumal ich glaubte, hinweisendere Tipps gegeben zu haben als zum Beispiel für den ebenfalls sauschweren »Rabbit« einer früheren Rate-Runde. Daher gibt es eine Verlängerung: Bis einschließlich Montag (Auflösung und Top 10 folgen am nächsten Donnerstag) kann noch einmal kombiniert werden.
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Dazu weitere Tipps (Zitate aus der Original-Fragestellung): Der Gesuchte hatte, als er weltweit bekannt wurde, »in etwa den gleichen Beruf« wie der Wetter-Berichterstatter Tiersch und arbeitete später »auf dem gleichen Gebiet wie ein Gesuchter der letzten Runde« (also Hary, Kaufmann oder Lauer), er »tauchte erstmals ’86 auf«, war da aber schon viel älter als Tiersch ’68, und er kann wie der Wetter-Reporter »das Wasser nicht halten«, in seinem Fall aber, weil er Probleme mit der Prostata hat. Letzter Tipp: Der Gesuchte hat eine existenzielle Gemeinsamkeit mit einem im zweiten Teil der heutigen Kolumne auftauchenden Namen. Und ich geh jetzt . . . fort. (gw)

Baumhausbeichte - Novelle